12th floor

Ich bin gerade schon wieder in Berlin bzw. dieser räumlich begrenzten Touristenblase zwischen Alexanderplatz, Friedrichstraße, Regierungsviertel und Hauptbahnhof, die für mich seit der Kindheit synonym mit Berlin ist, was aber natürlich eine sehr eingeschränkte Perspektive ist …

Jedenfalls, wieder im selben Hotel, weil ich morgen wieder hier hin fahre — möglicherweise das letzte Mal, wie mir heute erst mal bewusst wurde.

Ich habe heute auch versucht, an dem nächsten Buch weiterzuarbeiten, aber das Wetter war zu schön und ich bin lieber spazieren gegangen und … ja, selbst ganz tourimäßig mit dem Ausflugsboot gefahren.

Eine Schreib-Nachtschicht, wie beim vorletzten Mal im Januar (in einem nur ein paar Meter entfernten anderen Hotel derselben Kette), ist trotz toller Aussicht aus dem 12. Stock heute auch nicht drin, weil ich früh raus muss und der Tag morgen sehr durchgetaktet ist.

Noch ein paar persönliche Dinge, Unterlagen, Bilder usw. aus der Wohnung holen, bevor sie dann aufgelöst wird, und den Schlüssel abgeben. Danach weiter in die andere Stadt.

Am Abend zurück nach Hause. Was nun auch schon über fünf Jahre Magdeburg ist, auch interessant.

Hotelfrühstück

Normalerweise frühstücke ich nicht im Hotel, wenn ich allein unterwegs bin, sondern hole mir bei irgendeinem Bäcker einen Kaffee zum Mitnehmen. Grade sitze ich aber doch in einem Hotel in Berlin (wo ich seit gestern etwas unfreiwillig bin) und habe zwei Kaffee getrunken und ein Ei, ein Brötchen mit Käse und Erdbeermarmelade, sowie Müsli mit Obst gegessen. (So ein richtiger Tagebucheintrag muss natürlich das Essen auflisten.)

Die 11,50 EUR habe ich also erst heute früh bezahlt, und es fühlt sich mehr wie der Eintrittspreis in eine gewisse „Atmosphäre“ an denn als angemessener Preis für die (nun nicht gerade extravagante) Essensauswahl.

Die Atmosphäre entsteht aus dem Zusammenspiel der Einzelteile: Trotz Sonntag wichtig bis beschäftigt wirkende Menschen zwischen dreißig und fünfundvierzig, viele Sprachen sprechend, zwischen Laptop, Tablet, Handy und Kaffee. Gedimmtes warmes Licht, entspannende Musik aus den 50er bis 60er Jahren. Rechts neben mir eine Glaswand mit Tür zu einem weiten Innenhof, über den die dunkelgrauen Wände des Hotels aufragen. Darin ziehen schmale Fenster den Blick nach oben, das riesige Kunstwerk an der einen fensterlosen Wand mitnehmend.

Jetzt kommen die Touristen.