Konflikt und Krisis

Heute ist nun, etwas später als geplant, Teil drei meiner „Head Canon“-Essayreihe erschienen. Darin fasse ich am Beispiel der New York Times und der Tagesschau einige Beobachtungen zur heute häufigen Kritik an Massenmedien (und deren Reaktionen darauf) zusammen:

In massenmedialen Nachrichtenbeiträgen, Reportagen und Kommentaren werden erstens konkrete Ereignisse erzählt und zweitens übergreifende Narrative erschaffen, fortgeschrieben oder in Frage gestellt. Dies kommt im Klischee des „rasenden Reporters“ zum Ausdruck, der seiner „Story“ nachjagt. Manchmal stellen sich diese Geschichten als ungenau, falsch oder einfach nicht zu den Erwartungen der Rezipienten passend heraus, was zu Kritik und dann Rechtfertigung und Erklärung führen mag. Besonders prägnant lässt sich das an großen politischen Konfliktlinien beobachten, wo den Medien mitunter nur ein unbewusstes Richten nach einem Mainstream vorgeworfen wird, manchmal aber auch bewusstes Verschleiern und eindeutiges Lügen, um irgendwelchen politischen Interessen zu dienen.

Hier geht’s zum Artikel: https://www.heise.de/tp/features/Konflikt-und-Krisis-Partizipativer-Umgang-mit-Massenmedien-3959451.html

Edit: Aber scheinbar ist bei der Veröffentlichung irgendwas durcheinander geraten, der Schluss fehlt. Das kläre ich gerade…

Edit 2: Jetzt ist es vollständig. ^^

Im folgenden vierten Teil beginne ich damit, solche Medienereignisse in ihrer leiblichen Wirkung (im phänomenologischen Sinne) zu betrachten.

The Center Everywhere

In ihrem Blog „A Light Circle“ geht M.P. Baecker von dieser momenthaften Erkenntnis aus, dass all die fremden Menschen um einen herum auch alle ein ganzes eigenes Leben mit allem, was dazu gehört haben; was momenthaft ganz unglaublich erscheinen kann, und wofür das „Dictionary of Obscure Sorrows“ das Wort „sonder“ verwendet: „the realization that each random passerby is living a life as vivid and complex as your own“ (http://www.dictionaryofobscuresorrows.com/post/23536922667/sonder). In ihrem lesenswerten Essay kreist Baecker um diese Beobachtung und um die Subjektivität der Wahrnehmung der Welt, in deren Zentrum man immer sich selbst setzt.

A Light Circle

My husband used to tell me a little story I have since cherished that occurred on the day I first arrived in Germany ten years ago. My flight out of New York had been abruptly delayed by a few hours, so he had to wait for me in the airport lobby for quite a while. He sat quietly, puzzling over the joyous enigma of my visit, and as the time slowly passed, he found himself staring at the endless procession of cars moving along the many overlapping roadways surrounding the low, narrow building. It had been a dark, rainy winter evening. I imagine the passing headlights cast glimmering circlets on the wide, rain-studded windows in front of him. The lights brightening into glaring cone-like flashes as they neared, only to shrink back into facetted spheres, narrowing down to pinpoints, eventually fading back into darkness as the cars sped away one…

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Life on Mars

Es gibt so Lieder, die für einen selbst auf mehreren Ebenen wichtig sind. David Bowies „Life on Mars“ ist so eines. Gestern war es während des Testflugs der Falcon Heavy von SpaceX zu hören, als die Nutzlastabdeckung abgeworfen wurde. Hier war der Bezug rein oberflächlich auf den Namen bezogen, ohne die anderen Ebenen des Liedes zu beachten. Trotzdem war es toll anzusehen, immerhin mag ich Raumfahrt.

Aber vor ein paar Jahren hörte ich das Lied das erste Mal, als meine Frau und ich die britische Fernsehserie „Life on Mars“ schauten. Zu der Zeit lag gerade der Papa meiner Frau im Koma und wer die Serie (und das Sequel „Ashes to Ashes“) kennt, weiß, wieso es damals ziemlich traurig, surreal und absurderweise hoffnungsvoll zugleich war, diese Serie zu schauen.

Heute schließlich stieß ich erneut auf das Lied, beim Googeln nach der Schauspielerin Cristin Milioti (die „Mutter“ aus „How I Met Your Mother“). Ich stellte fest, dass Milioti eine Rolle in David Bowies Musical „Lazarus“ (noch kurz vor seinem Tod aufgeführt) hatte (in der ursprünglichen New Yorker Aufführung), und „Life on Mars“ kommt in dem Musical ebenfalls vor. Die von der New Yorker Besetzung gesungenen Songs gibt es übrigens alle auf CD, Vinyl oder als MP3 zu kaufen, was sich sehr lohnt. Jedenfalls … macht das alles sehr melancholisch.

Popkulturmelancholie.

Pieksen Sie den Router! (Teil 2)

Dies ist die Fortsetzung zu: https://mdonick.com/2017/10/17/pieksen-sie-den-router-sie-fuehlen-sich-danach-besser/

V Verstehen

(1) Wenn ein Gerät kaputt zu sein scheint (und außer bei offensichtlichen Schäden oder Fehlverhalten ist das oft nur eine Annahme, die von Lebenserfahrung und sozialen Faktoren gestützt wird) — wenn also bei einem „Defekt“ einem der nette Hotline-Mitarbeiter einen Austausch anbietet, fühlt sich das zunächst beruhigend an. Die simple Hoffnung ist, dass ja nur selten gleich zwei Geräte denselben Fehler aufweisen; die Hoffnung selbst hilft bereits, den unangenehmen Druck des Nicht-Funktionierens auszuhalten.

(2) Doch wie groß ist dann die Enttäuschung, wenn auch beim Tauschgerät das Problem nicht behoben ist! Da stellt man dann fest, dass der Austausch doch bloß eine Verdrängung des Problems war, keine Lösung (siehe Rainer Kuhlens Kategorien in Abschnitt III). Erkennt man, dass ein technisches Problem durch einfache Maßnahmen nur verdrängt, aber nicht gelöst wurde, folgt oft Verweigerung: Man hat keine Lust mehr, man ist frustriert, man will sein Geld zurück, usw. Man wechselt das Produkt, geht etwa von Word zu LibreOffice, vom PC zum Mac, von der Telekom zu Vodafone, von der PlayStation zur X-Box, von X-Plane zu Prepar3D, usw. nur um auch dort irgendwann technischen Problemen gegenübersteht, die man nicht lösen kann.

(3) Die bittere Wahrheit ist: Selbst wenn Technik als „einfach“ und quasi gedankenlos nutzbar beworben wird — sie ist es nicht, oder nur solange, wie es zu keinen Problemen kommt. Leider kommt es immer irgendwann zu Problemen, denn nicht jede potenzielle Nutzungssituation und Nutzererwartung ist bei der Entwicklung von Technik vorhersehbar. Wenn man aber dauerndes Verdrängen oder Verweigern nicht als sinnvolle Möglichkeit ansieht, dann muss man Technologie verstehen lernen. Das ist der einzige Weg, dem Gefühl der Ohnmacht gegenüber technischen Problemen, des Ausgeliefertseins gegenüber Herstellern und Hotlines, entgegenzutreten.

(4) Technologie verstehen — wie soll das gehen, wenn, wie in Abschnitt II beschrieben, selbst die Entwickler ihre Produkte nicht mehr vollständig überblicken können? Hier ist der Unterschied wichtig: Konkrete Technik, also das einzelne sachtechnische Artefakt, kann man nur soweit verstehen, wie man Eingriffsmöglichkeiten hat und über diese informiert ist (oft kann man ja mehr machen, als man ahnt). Doch Technologie, die Technik zwar zugrunde liegt, aber auch eine Reflexionsform zu Technik ist, kann man sehr wohl verstehen lernen.

(5) Das klingt nach Studium, aber in der Praxis umfasst das ganz einfache Verhaltensweisen, die man im technischen Support auch immer wieder empfiehlt, die aber gerade frustrierte Nutzer nur ungern umsetzen möchten — sei es aus Angst, etwas falsch zu machen; sei aus Trotz, weil man nicht einsehen will, dass man selbst Verantwortung trägt, wenn man Technik nutzt; oder sei aus der trotz allem vorhandenen Überzeugung, die Fehlerursache zu kennen.

Ein ausgedachtes, aber doch typisches Beispiel: „Mein WLAN bricht immer ab. Mein Handy verliert die Verbindung zum Router.“ Hm, probieren Sie doch mal, den Router woanders hinzustellen. „Das geht aber nicht!! Der steht hinter dem Sofa, damit man die Lampen nicht sieht!“ Aha. Die Lampen sind aber … egal. Gut, dann versuchen wir eben, ein paar Einstellungen im Router zu verändern. „Das kann ich nicht.“ Doch, können Sie. Wir machen das zusammen. „Für sowas habe ich keine Zeit. Ich erwarte, dass Sie mir jemanden schicken, der die Leitung prüft. An dem Verteilerkasten vor dem Haus war neulich ein Techniker, seitdem bricht das WLAN am Handy immer ab.“ Aber WLAN-Abbrüche haben nichts mit der Leitung zu tun. „Doch.“ *seufz* Fehlt nur noch das „WLAN-Kabel“ …

(6) Beispiele wie dieses könnte man hundertfach konstruieren, für jedes Feld, in dem Menschen Technik nutzen, die sie nicht verstehen. In dem Beispiel betrifft das Verständnisproblem mehrere Dinge: (a) Was ist WLAN? (b) Was kann man von WLAN erwarten? (c) Wie kann man dafür sorgen, dass die Erwartung erfüllt wird? Diese drei Punkte zu klären, betrifft vor allem das Feld Technologie und nur zum Schluss die konkrete Sachtechnik. Verallgemeinert: (a) Was ist diese Technologie? (b) Was kann man von dieser Technologie erwarten? (c) Wie kann meine konkrete Sachtechnik ‚zu Hause‘ diese Erwartung erfüllen?

(7) Anders als bei mancher Sachtechnik sind die zum Verständnis von Technologien nötigen Informationen meist umfassend vorhanden. Handbücher, Hilfeportale im Internet, Zeitschriftenartikel, das alles gibt es. Doch die Bereitschaft, sich auf Unbekanntes einzulassen, muss vorhanden sein. Hat man erkannt, dass man selbst Verantwortung trägt, dann hat man einen Ansatzpunkt, auch geschlossene technische Artefakte bewusster zu verwenden. Und womöglich festzustellen: So geschlossen, wie sie einem erscheint, ist die Technik vielleicht gar nicht. Oder so kaputt, wie man erst dachte.

Fortsetzung folgt.

Zerdehntes Schreiben

Beim Schreiben längerer Texte mache ich ohnehin oft längere Pausen. Bei meiner Dissertation waren die teils mehrere Monate lang, bei meinem E-Book zu Virtual Reality immerhin noch mehrere Wochen. In den Pausen kümmere ich meistens um meine Flugsimulations-Jobs, und manchmal gehe ich auch einfach nur zu meiner „normalen“ Arbeit und mache gar nix Freiberufliches (was sich dann fast wie Urlaub anfühlt, zumindest bis dann doch mal eine Deadline drückt). Nun schreibe ich aber, wie schon öfter erwähnt, an einer Essayreihe bei Telepolis (über den Umgang mit Medien, über die Skepsis gegenüber etablierten Massenmedien, und über die leibliche Wirkung, die Medien haben können und wie der eigene Wohnort da reinspielt).

Die Idee zu der Reihe hatte ich schon 2016, ein grobes Exposé lag im Frühjahr 2017 vor, und die einzelnen Teile des Essays entstehen seit August 2017. Dieses über Monate zerdehnte Schreiben fühlt sich einerseits an wie die gewohnten langen Projekte, doch andererseits ist es herausfordernder. Da die Teile zwischendurch schon veröffentlicht werden, müssen sie für sich gesehen lesbar sein, aber trotzdem müssen sie aufeinander aufbauen, selbst wenn da ein halbes Jahr zwischen liegt. Bei langen Texten, die als ein Ganzes veröffentlicht werden, kann man jederzeit zuerst geschriebene Teile an später geschriebene Teile anpassen, bis alles rund ist, aber wenn die Teile jeweils einzeln erscheinen, geht das nicht so einfach — ich schreibe die ja nicht „blind“ vor mir her, sondern es kommen ja noch immer neue Ideen dazu, oder ich lese irgendwo etwas, auf das ich mich beziehen will. Oder womöglich stelle ich sogar fest, dass ich etwas früher Geschriebenes nun doch anders sehe!

Dabei den roten Faden zu behalten, ist gar nicht so einfach. Geschweige denn, sich an die Struktur des ursprünglichen Exposés zu halten (was ich auch fast aufgegeben habe — inhaltlich passt es schon, aber die Aufteilung ist ganz anders). Auf jeden Fall ist es für mich ein spannendes Experiment, mal auf diese „dynamische“ Weise zu schreiben. Ich habe jetzt noch zwei Teile vor mir. Ich hoffe, ich habe hinterher noch die Chance, alles zu einem leicht erweiterten und abgerundeten Gesamttext zu verbinden, aber das wird man sehen. Spaß macht es mir aber schon jetzt.

Southern Colovian History

Es wird Winter und damit Zeit für Fantasy-Geschichten. Vor ein paar Monaten habe ich mal ein bisschen Elder-Scrolls-Fan-Fiction geschrieben und bei reddit/r/teslore gepostet. Es war die Einleitung eines fiktiven geschichtswissenschaftlichen Werkes über Colovia, eine Region im südwestlichen Cyrodiil, und eigentlich müsste ich das mal weiterschreiben, aber ich hatte es bis eben vergessen. Hier nochmal der Text:

(As always, English is not my native language, so there are probably many grammar mistakes in the text.)

1. Introduction

For the brave Nords I met during my education and work at Winterhold College, all Cyrodiilians are the same. Chorrol, Cheydinhal, or Skingrad – it does not matter. They are all seen as Imperials and as such either, paradoxically, regarded as traitors or, less common nowadays, admired. However, if you go to Cyrodiil you will soon learn that this province is as diverse as any in the empire. Go to Leyawiin or Bravil, and you won’t find many people overly fond of their Colovian brothers and sisters at Skingrad, Anvil or Sutch. If you ask for the reasons, you don’t need to be very persistent; people at the Niben will speak freely not only about their heartfelt feeling of supremacy, or the traditional competition between the port cities Anvil and Leyawiin, but also about a so-called Colovian collaboration with the Aldmeri dominion during the Great War.

A lot of people in Nibenay today are convinced that Colovia made it way too easy for the Aldmeri forces under Lady Arannelya to take control of the Gold Coast and the Gold Road, leading to the invasion of Hammerfell, facilitating the sack of the Imperial City in 4E174 and, as end result of the war, leading to the White-Gold Concordate in 4E175 that restored belief in the eight true divines. Some of the Nibenase critics tend to exaggerate their own heroic efforts during the defense of Leyawiin and Bravil; two cities which were sieged by or even fell to the Aldmeri forces in 4E171. „At least we fought“ told me a Bravilian trader and war veteran whom I met last year at a tavern in the Imperial City. This trader, who asked me to not mention his name publicly, told me that „the deep cowardice we all know from the Colovians could not have been put to better use than the Aldmer did.“ When I told him of the hard battles the brave men and women fought at Anvil, which sadly could not prevent the catastrophic events that led to the destruction of Anvil harbor [1], and even mentioned the lesser-known efforts of the Imperial Navy at Anvil [2], he just frowned. „Try harder next time“, he told me, with a not very subtle reference to my own roots in Colovia. Clearly, he was convinced that Colovians did not fight hard enough in the Great War, now blaming them, or us, for the political state of the Empire today. As many others he sees the White-Gold Concordate as mistake, is very upset about the restoration of the true belief, and still does not trust Aldmeri people and Thalmor representatives, despite their constant economic and moral support of the Empire which led to a clear improvement in living conditions.

„Food, Tamika wine, and arena battles are not everything“, the well-known imperial historian Antonius Lucius wrote many years ago in a leaflet that soon got confiscated: „What we seem to have re-gained in prosperity, we had only lost to an unprovoked war in the first place. And prosperity can not replace freedom. We got stability again, but we lost our freedom. We therefore will never accept that puppet regime of the Mede dynasty. I urge every free citizen to join our brothers and sisters who are currently fighting in Skyrim for their freedom“.[3]

It shows the Aldmeri’s patient understanding of human emotion and their willingness for mutual respect that they only confiscated that leaflet and let its author live so he could continue to become a respected member of the historian’s guild. Still, such kindness is rejected. Instead of recognizing the chances of working together for a peaceful Tamriel that could put an end to the thousands of years of nearly constant fighting, men and unfortunately even mer stick to their old habits, like little children fighting over a piece of cake, and just crying „But HE has begun“ when their parents stop them for some minutes.

Unfortunately, most historians aren’t better. Depending on their own point of view, either the Empire or the Aldmeri Dominion is presented either as the ultimate evil or at least as incompetent. Both extremes don’t present the truth.[4] Therefore the goal of my work, which you are holding in your hands, is to offer a third perspective.

On the following pages, I dare to present long-overlooked facts and new discoveries on some of the most important events that led to the Great War and its end. As I am Colovian myself, and as Colovians receive so much criticism, I dare to focus on Colovia. I say „dare“ because I was called a traitor the moment I started my studies. Apparently there is only one accepted opinion on the Aldmeri’s influence on the Empire, and that is hate and thirst for revenge and Thalmor blood. I hope my study shows that, despite what bad things were done by both the Empire and the Dominion, we now have the chance to a long-lasting era of peace and freedom.

References:

[1] Mikuel Aurelius: The Fall of Anvil: The Day the Docks Burned

[2] Captain Arsenius Silvanus: Naval Battles of the Great War, Volume 1

[3] Antonius Lucius, political leaflet, 4E201.

[4] A rare exception is Rivalen Mothril’s comprehensive work „Through Eastern Eyes: The Great War and the Fourth Era from the Perspective of the Eastern Provinces“