Done, WIP & TODO

Erledigt:

  • „Immersion und Atmosphäre: eine Herausforderung für Entwickler“ (FS MAGAZIN 03/2018, in Kürze im Handel)
  • „Treating the Fear of Flying with … Flying!“ (Air Facts, online voraussichtlich am 09.04.2018)
  • Außerdem ein Review des Flugsimulators „AeroflyFS 2“ für flightsim.com (keine Ahnung, wann das online geht)

In Arbeit:

Und dann:

  • Artikel über erfolgreiche Kommunikation im technischen Support im Bereich Flugsimulation (FS MAGAZIN)
  • Essay zur Geschichte von Ethnomethodologie und Luhmann’scher Systemtheorie, und was davon heute noch relevant ist (Telepolis)
  • Abschließender 6. Teil meiner „Head Canon“-Serie (Telepolis)

Moral im Spiel

Der gedruckte Tagungsband zur HiStories III (2016), die Christian Klager und ich organisiert hatten, erscheint in Kürze. Heute kam mein Belegexemplar. Mein Beitrag darin heißt: „Zwischen Spielmechanik und Atmosphäre. Moralische Entscheidungen in Open-World-Spielen am Beispiel der Darstellung von Rassismus und Flüchtlingen in The Elder Scrolls: Skyrim“ (S. 31-45). Hier der Abstract:

Moralische Entscheidungen in Spielen sind bedeutsam, wenn sie für den weiteren Spielverlauf wahrnehmbare Auswirkungen, etwa auf erzählerischer oder spielmechanischer Ebene besitzen. Ob eine Auswirkung vorliegt, ist aus Sicht der Spielenden und ihrer Wahrnehmung zu beurteilen. Am Beispiel von The Elder Scrolls: Skyrim fällt auf, dass es in diesem Spiel zahlreiche Mikroebenen gibt, bei denen – wenn moralische Entscheidungen nötig sind – es scheinbar keine Auswirkung auf den Spielverlauf als Ganzes, d.h. die übergeordnete Makroebene, gibt. Dies entspricht einer häufigen Kritik an Open-World-Spielen. Bei genauerer Betrachtung vor dem Hintergrund sowohl des abstraken Systems ‚Spieler‘ als auch des wahrnehmenden, leiblich spürenden, spielenden Subjekts zeigt sich jedoch, dass sehr wohl ein Effekt der Elemente der Mikroebene auf eine bedeutsame moralische Entscheidung auf der Makroebene bestehen kann.

Andere Beiträge in dem Band befassen sich u.a. mit der Moral des Als-Ob in Computerspielen als Fortsetzung der Wirklichkeit (Christian Klager), der Frage, wann der Spieler ein moralisches Subjekt ist (Thomas West), sowie zu Doping und Ethik in der Welt des Sports (Lisa Schulmeister).

Klager, Christian: Dimensionen der Moral im Spiel. Göttingen 2018.

Schreibrhythmus

Ich habe schon erwähnt, dass sich mein Schreiben an bestimmten Orten abspielt und ich dafür unterschiedliche Werkzeuge benutze. Was für produktiven Output aber noch eine Rolle spielt, ist so eine Art unterschwelliger Rhythmus, der bestimmt, ob und was ich schreibe. Ich glaube, dieser Rhythmus wird durch Thema und Zeit bestimmt.

Thematisch pendle ich ja zwischen Flugsimulation und „irgendwas mit Medien“, d.h. mal schreibe ich Artikel für das FS MAGAZIN oder Nutzerhandbücher für vFlyteAir und Aerobask; und mal schreibe ich ziemlich umfangreiche medientheoretische Essays, die derzeit vor allem über Telepolis bei heise.de veröffentlicht werden. Außerdem ergeben sich aus beiden Feldern vereinzelt „richtige“ medienwissenschaftliche Texte, die entweder als Vortrag gehalten werden oder irgendwo als Artikel erscheinen (in ein paar Tagen kommt z.B. der Tagungsband zur HiStories 2016 raus). Der alles verbindende „rote Faden“ ergibt sich zurzeit aus Kommunikationswissenschaft, Phänomenologie und z.T. Virtueller Realität.

Zeitlich gibt es einerseits bestimmte Termine, die ich halbwegs einhalten muss. Ich neige (leider?) dazu, diese Termine aufs Äußerste auszureizen. Anstatt also diszipliniert regelmäßig an einem Text zu schreiben, vergrabe ich mich eher einen Tag vor bis drei, vier Tage nach Abgabetermin in die jeweilige „Schreibaufgabe“, wo dann sehr schnell viel Text entsteht. Allerdings sitze ich vorher nicht bloß faul rum (abgesehen davon, dass ich ja auch noch einen richtigen Job habe). Denn andererseits ist der Schreibrhythmus durch eine Phase des „Herannahens“ bestimmt. Da umkreise ich die Schreibaufgabe gedanklich, befasse ich mich mit Material und Sekundärliteratur und ordne in meinem Kopf schonmal mögliche Zugänge. Danach warte ich meistens noch einen Tag, und dann geht es auf einmal los, ich fange an etwas zu tippen und „es“ schreibt sich dann schnell runter. Hinterher bin ich dann ziemlich erschöpft, es folgen ein oder zwei Wochen der Erholung, bevor es von vorne losgeht. Irgendwie muss ich bei diesem Vorgehen an einen Raubvogel denken, der seine Beute umkreist, dann plötzlich zuschlägt, die Beute auffrisst und sich dann erstmal satt und zufrieden in der Sonne ausruht (keine Ahnung, ob Raubvögel das so machen 😀 )

Manchmal drängt sich mir der Gedanke auf, dass ich mit mehr Disziplin und einem durchgetaktetem Tagesrhythmus schneller und produktiver sein könnte. Aber wozu? Ich bin ganz zufrieden mit meiner derzeitigen Mischung aus richtigem Job, nebenberuflichem Schreiben und Freizeit, und so lange ich Rückmeldungen zu meinen Texten bekomme (gute und schlechte), habe ich mein Ziel erreicht.

Der Schmerz der Staatsräte

Ich lese gerade Helmut Lethens neues Buch über Staatsräte in der NS-Zeit. Sein Ansatz, vier Personen zu Gesprächen versammeln, die so nie stattfanden (aber in den Gesprächen zahlreiche Originalzitate dieser Personen zu nutzen), ist ein sehr interessanter Zugang zur Thematik. Das erlaubt Lethen auch einen ironischen Zugang zu dem Erschreckenden (erschreckend sind die Ansichten dieser Personen und die gesellschaftliche Situation). Mitunter kommt da eine lächerliche Tragik dieser Gestalten zum Vorschein. Ich bin dennoch ganz froh, dass es zu Beginn des Buches eine sachliche Einleitung in die Thematik gibt, und die „Geistergespräche“ zwischendurch durch ähnlich nüchterne Kapitel unterbrochen werden.

Zurzeit bin ich bei dem Kapitel zum Schmerz. Da musste ich an einen Vortrag Lethens denken, den er vor einigen Jahren an der Universität Rostock gehalten hat. Dort tauchen schon seine Reflexionen zum Schmerz-Verständnis des Chirurgen Ferdinand Sauerbruch auf (den Vortrag hat Lethen damals in unserer Zeitschrift „WISSENSCHAFT in progress“, Heft 1.10 veröffentlicht, das Heft mit dem Text kann man hier runterladen). Die Kontextualisierung, die in den fiktionalen Diskussionen mit den „Geistern“ Carl Schmitt, Gustaf Gründgens und Wilhelm Furtwängler stattfindet, ist zur Einordnung dieses Themas sehr hilfreich.

Ich habe jetzt ca. die Hälfte des Buches durch, und viele Rezensionen und Interviews dazu gelesen. Besonders hörenswert ist das Interview mit Lethen im Deutschlandfunk Kultur.

Irritierend hingegen wirkt eine Rezension von Seiten der Neuen Rechten, die ich gestern im Internet gefunden habe, und wiederum erschreckend sind einige der Kommentare darunter. Nein, ich möchte wirklich nicht in einem Land leben, in dem solche scheinbar im tiefsten Innern von Carl-Schmittschem Freund-Feind-Denken erfüllten und durch einen imaginierten „Großen Austausch“ angetriebenen Menschen die politische und kulturelle Landschaft bestimmen und wegen der Ängste dieser Menschen mühsam gewonnene Freiheiten eingeschränkt werden.

„Die Physiognomie einer Diktatur“

Der Kulturwissenschaftler Helmut Lethen hat ein Buch über vier Staatsräte der NS-Zeit geschrieben: „Die Staatsräte: Elite im Dritten Reich: Gründgens, Furtwängler, Sauerbruch, Schmitt“ (Rowohlt). In einem Interview zu dem Buch mit der FAZ wird deutlich, dass in dieser Darstellung der „Physiognomie einer Diktatur“ (so die Werbung des Verlags) „die Auseinandersetzung mit der Neuen Rechten […] als Subtext aber immer mit[schwingt]“ (Julia Encke). Enckes Interview verweist auf einen Konflikt, der auch Lethens engstes Umfeld betrifft, wie die Süddeutsche Zeitung letztes Jahr berichtet hat. Von Details dazu bleibt Lethens Buch glücklicherweise verschont, wie man der Leseprobe des Verlags (siehe erster Link) entnehmen kann. Eine Rezension zu dem Band werde ich zu gegebener Zeit posten.

Schreiborte

Vor einer Weile habe ich über meine Schreibwerkzeuge geschrieben. Genauso wichtig wie die Werkzeuge ist der Ort, an dem ich damit schreibe. Im Laufe der Zeit habe ich mehrere ausgemacht, die je nach Thema wirksam werden.

Der eigene Schreibtisch

Ich finde es immer sehr schön, wenn in Feuilletons und Magazin-Beilagen zu großen Tageszeitungen die Schreibtische bekannter Schriftsteller, Wissenschaftler, Architekten, Künstler usw. gezeigt werden. Vorhin habe ich sowas mal wieder in einem (sehr lesens- und sehenswerten) Artikel im T Magazine über den japanischen Architekten Kengo Kuma gesehen. Sowas erhebt Anspruch auf Authentizität, wird aber eher eine Inszenierung sein. Mein Schreibtisch steht im Arbeitszimmer, das ich mir mit meiner Frau teile — in einer Ecke des Raumes steht ihrer, in der diagonal gegenüberliegenden Ecke meiner. Wenn ich aber jetzt darüber nachdenke, dann merke ich, dass dort nur Texte entstehen, die mit Flugsimulation zu tun haben: technische Handbücher, Workshops und Rezensionen für das FS MAGAZIN (das ist eine Fachzeitschrift für Flugsimulation), usw. Liegt sicherlich daran, dass dort auch der Computer steht, auf dem die Simulationen laufen und teilweise entwickelt werden.

Der Couchtisch

Viele meiner „irgendwas mit Medien“-Texte (z.B. die „Head Canon“-Reihe) entstehen in unserem Wohnbereich, auf dem Sofa, an einem vollkommen unergonomischen Couchtisch, mit meinem alten Laptop. Meist liegen dann irgendwelche Stapel von Fachliteratur verstreut auf dem Fußboden und auf dem Sofa. Im Fernsehen laufen Columbo, Shopping Queen, Bares für Rares, u.ä., oder (wenn ich mich vor mir selbst als intellektuell inszenieren will/muss), im Radio der Deutschlandfunk Kultur. Was gar nicht funktioniert: bewusstes Musik hören von CDs oder MP3s. Erstens taktet sich dadurch die Zeit (da ich ja weiß, wie lang einzelne Lieder oder ganze Alben sind), wodurch das Versinken im Schreibprozess erschwert wird, und zweitens wende ich mich quasi automatisch dem aktiven Zuhören zu anstatt es nur Hintergrundberieselung ist.

Im „Retreat“ ;P

Manchmal habe ich den Luxus, woanders zu sein, komplett losgelöst von der normalen Umgebung. Zurzeit sitze ich an einem Tresen in der, hm, Wohnküche bei U. und schaue auf die leicht hügelige Landschaft südlich von Rostock. Die klare Inneneinrichtung dieses Raumes und der ländliche Eindruck draußen haben sich schon mehrfach als sehr hilfreich beim Exzerpieren, Denken und Schreiben erwiesen. Zentrale Kapitel meines Buchs zu virtueller Realität sind hier entstanden, und der eine oder andere Vortrag. Ein ähnlich wirkungsvoller Rückzugsort ist das Ferienhaus „Haus Rehblick“ im Schwarzwald, das eigentlich zum FS MAGAZIN gehört, in dem ich aber ebenfalls kommunikations- und medientheoretische Sachen geschrieben habe (während der Versuch, dort mein lange geplantes Buch zu einer virtuellen Weltreise im Flugsimulator fertigzustellen, letzten Herbst kläglich gescheitert ist). Und ein letzter Ort sei erwähnt: Vor ein paar Jahren war ich auf einer Tagung im Zentrum für Interdisziplinäre Forschung in Bielefeld, wozu auch eigene Unterkünfte gehören. Ich weiß nicht, ob das heute immer noch so ist, aber damals waren das kleine, fast monastisch anmutende „Zellen“ mit Bett und großem Schreibtisch. Entscheidende Teile meiner Dissertation sind dort an nur zwei Tagen entstanden (was ganz passend war, wegen Bielefeld — Luhmann — usw.)

In der Bahn und im Café

Mit dem Zug unterwegs zu sein oder im Café zu sitzen, ist jeweils ein zweischneidiges Schwert. Entweder befördert es den Schreibvorgang mit jedem gefahrenen Kilometer oder jeder getrunkenen Tasse (koffeinfreien :/ ) Kaffees — oder es lullt mich ein in eine zuerst nachdenkliche, später gedankenlose Passivität. Beides kann hilfreich sein. Im ersten Fall entstehen meist ganz brauchbare Entwürfe für die eigentlichen Texte. Im zweiten Fall wird der Kopf frei und Ideen können sich unbewusst weiterentwickeln (oder ich bilde mir das ein).