Erinnern und Vergessen

Im Jahr 1992 erschien Jan Assmanns Buch „Das kulturelle Gedächtnis“. Im Jahr 2016 erschien „Formen des Vergessens“ seiner Frau Aleida Assmann. Beide befassen sich — neben anderen Formen — auch mit der Rolle des Ortes für Erinnerung und Vergessen.

Jan Assmann schreibt (u.a.) über den in der Bibel geschilderten Exodus des Volkes Israel aus Ägypten. Wie der Exodus als „Erinnerungsfigur“ (S. 201) für den Aufbau einer kollektiven Identität wirkt. „Die Historizität des Exodusgeschehens ist höchst umstritten. […] Entscheidend ist aber nicht die Historizität, sondern die Bedeutung dieser Geschichte in der israelischen Rückerinnerung. […] Die Herausführung des Volkes aus Ägypten ist der Gründungsakt schlechthin […] von allem Anfang her wird das Volk durch die Auswanderung und Ausgrenzung bestimmt“ (S. 201f.)

Aleida Assmann schreibt vierzehn Jahre später (u.a.) über das moderne Israel. Darüber, wie nach dem israelischen Unabhängigkeitskrieg 1948 viele palästinensische Orte verlassen wurden (oder aus denen, je nach Sichtweise, die arabische Bevölkerung vertrieben wurde). Das nennt sich in der palästinensischen Erinnerung „Nabka“ („Unglück“) oder „palästinensischer Exodus“. Aleida Assmann weist darauf hin, dass bei der Nabka palästinensische Orte ihren Erinnerungscharakter verloren haben, während neue Monumente von der israelischen Erinnerung künden. Daher „sprechen [wir]“ hinsichtlich Israel, so A. Assmann, „von einem Land mit zwei Topologien und Narrativen, von denen die Symbole des einen überwältigend sichtbar, die Spuren des anderen weitgehend gelöscht sind“ (S. 164).

Aleida Assmann bezeichnet den Holocaust bis 1945, den Unabhängigkeitskrieg 1948 und die Nabka 1948 als drei wichtige Phasen israelisch-palästinensischer Geschichte, doch jede Seite habe jeweils nur zwei dieser Phasen im Blick und sei blind für die dritte (S. 162f.) Solange so eine teils unvollständige, teils gegensätzliche Erinnerung besteht, ist Verständnis und damit Frieden ungemein schwierig.

Blockschreiben

Schreibblockaden sind bekannt. Was es aber auch gibt: Blockschreiben. Damit bezeichne ich das, womit ich hier gerade seit ein paar Tagen zu kämpfen habe. Blockschreiben ist, wenn man zwar eine Menge Text produziert, der aber kein großes Ganzes ergibt, sondern nur kurze für sich stehende Abschnitte (Blöcke halt). Blockschreiben entsteht, wenn man gedanklich um ein Thema kreist, sich dem Thema von verschiedenen Seiten nähert, verschiedene Ansätze und Einstiege probiert, und keiner passt so richtig. Obwohl also das Schreiben beim Blockschreiben nicht blockiert ist, kann Blockschreiben genauso frustrierend wie eine Schreibblockade sein.

Eine Ursache für Blockschreiben ist, wenn man selbst nicht genau weiß, worauf man hinaus will. Eine andere: Man hat zwar das Ende vor Augen, stellt aber fest, dass man keine Ahnung hat, wie man da hinkommen soll. Und ein dritter Grund: Der Text funktioniert für sich, aber dann stellt man fest, dass er nicht mehr zu den anderen Texten derselben Reihe passt. An dieser dritten Ursache halte ich mich gerade ziemlich auf. Das ist eine Folge des zerdehnten Schreibens, das ich bei meiner „Head Canon“-Essayreihe ausprobiere. Über Monate hinweg veröffentliche ich einzelne Essay-Teile; alle kreisen um den Kanon-Begriff, um Medien und darum, wie individuelle Weltbilder entstehen. Jeder Teil hat ein Hauptthema, jeder Folgeteil baut direkt auf dem vorherigen Teil auf, und es muss auch immer das Thema der Reihe insgesamt vorkommen.

Ich könnte theoretisch ewig so weiterschreiben, von Teil zu Teil, Ketten bilden von einem Thema zum anderen, aber der Platz ist begrenzt. Ich habe noch zwei Mal ca. zwanzig Seiten, dann muss alles passen. Auch in Teil fünf (den ich gerade beende) soll die Zielstellung von Teil eins zu spüren sein, und auch in Teil sechs (der abschließende Teil) soll man nicht das Gefühl haben, dass z.B. Teil zwei dafür eigentlich irrelevant war. Jeder Teil soll etwas beitragen. Ich kann nun also nicht noch endlos abschweifen, sondern muss langsam mal die verschiedenen „Erzählstränge“ auflösen. Ein Cliffhanger ist nicht drin. Eine zweite Staffel auch nicht. Höchstens ein Director’s Cut, irgendwann später.

 

Zeitlos

Weit hinten im Elbauenpark gibt es ganz eigenartige zeitlose Formen. Verwinkelte Gänge, gerade Linien, Steinkugeln, tempeleingangsartige Mauern, und alles eingebettet in Wiesen, umgeben von bewachsenen Wällen.

Fünf

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Es gibt ja so Bücher, die einen das ganze Leben über begleiten. Wenn ich vor dem Bücherregal stehe, fällt mein Blick oft zuerst auf diese. Hier sind ein paar Zitate:

Ethan, die begreifen das nicht. Die anderen in meiner Klasse. Man hält mich für eine Faschistin, weil ich Software-Aufbereitungen benutzen will, um Realitäts/Virtualitäts-Überlagerungen zu erzeugen. ‚Mechanistisch, seelenlos, völlig unbedeutend für den Zeitgeist des 21. Jahrhunderts, in dem der Mensch doch in einem Universum der Quantenunschärfe gefangen ist‘, sagen sie.

(Ian McDonald, Schere schneidet Papier wickelt Stein)

„Diplomatie ist die Kunst des Möglichen“, fügte Dr. Tagore hinzu. „Sagte ich das bereits?“ „Ja.“ „Aber nicht die Kunst des Notwendigen. Und daraus folgt: Warum müssen so viele sterben, obgleich es Alternativen zum Tod gibt?“ Dr. Tagore starrte an Krenn vorbei, und Tränen glänzten in seinen Augen.

(John M. Ford, Der letzte Schachzug)

In manchem seien ja die Beamten wie Kinder.

(Franz Kafka, Der Prozeß)

„Die alten Kirschbäume dort … Die Blüte ist schon vorüber, aber weißt du, ich möchte so gerne die Nordbergzedern sehen. Es ist ja nicht weit von Takao. Immer wenn ich sehe, wie gerade und schön sie aufragen, fühle ich mich wie neu geboren. Geh doch mit bis zu den Zedern! An den Nordbergzedern liegt mir viel mehr als am Ahornlaub.“

(Yasunari Kawabata, Kyoto)

„Schau sie dir gut an, Alvin“, sagte er. „Es mag die letzte sein, die man auf Erden zu Gesicht bekommt. Ich habe in meinem Leben außer dieser nur eine gesehen, und in alter Zeit soll der Himmel voll von ihnen gewesen sein.“ Stumm beobachteten sie, und mit ihnen die Tausende auf den Straßen und in den Turmhäusern von Diaspar, bis sich die letzte Wolke aufgelöst hatte, ausgesogen von der heißen, ausgedörrten Luft der Wüste.

(Arthur C. Clarke, Diesseits der Dämmerung)

DSGVO (2)

Ich habe jetzt mal einen der diversen Impressums- und Datenschutz-Generatoren, die von diversen Rechtsanwalts-Websites angeboten werden, benutzt, um eine Datenschutzerklärung zu basteln, die halbwegs auf bei WordPress.com gehostete Blogs passt. Ich habe dem noch eine persönliche Vorbemerkung vorangestellt, die darauf hinweist, dass eigentlich Automattic (die Firma hinter WordPress.com) die Daten erhebt. Das Problem hierbei ist, dass Automattic in den USA sitzt und wann immer Sie meinen Blog aufrufen, automatisch Daten in die USA schicken, mindestens IP-Adresse und Referrer, und wer weiß, was sonst noch (ich weiß es nicht; aber eventuell Automattics Datenschutz-Erklärung).

Wenn man bei wordpress.com einen der kleinen Tarife („Personal“ oder „Premium“) nutzt, hat man keine Möglichkeit, die von WordPress installierten Plugins zu ändern oder andere, datenschutzfreundlichere Plugins zu installieren. So kann man meines Wissens auch die Nutzung der Google-Schriftarten nicht abstellen, die für sich schon eine weiteres Datenschutzproblem darstellen (bei einem selbst gehosteten WordPress-Blog ginge das). Das einzige, was ich in den Einstellungen meines WordPress-Accounts abstellen konnte, waren die Buttons zum Teilen eines Beitrags bei Facebook und ähnlichen Diensten. Es ist etwas schade, dass WordPress.com hier so wenig Anpassungsmöglichkeiten bietet.

So habe ich nun die etwas skurrile Situation, dass ich persönlich als Betreiber dieses Blogs kaum Daten erhebe und auch kaum sehen kann, was WordPress / Automattic erhoben hat (und ich will auch gar keine Daten von Lesern sehen), aber trotzdem eine endlos lange Datenschutzerklärung brauche, deren Wirksamkeit am Ende doch zweifelhaft ist. Muss man am Ende ein Blog eines in der EU lebenden Betreibers auf einem in der EU stehenden Server selbst hosten, um auf der sicheren Seite zu sein? Wir werden sehen, ob das halbwegs ausreicht, oder ich doch noch auf eine statische Website ausweichen werde.

DSGVO

Ich habe mich gerade zur bald in Kraft tretenden DSGVO belesen. Es ist in Anbetracht der zu erwartenden Abmahnwelle wohl das beste, diesen Blog hier durch eine simple statische HTML-Seite ohne Social-Media-„Gedöns“ zu ersetzen…

Adé, Strudelhof…

Im Dezember hatte ich noch geschrieben, wie froh ich bin, dass es in Magdeburg das Café „Strudelhof“ gibt. Heute nun (wir saßen gerade drin) haben wir gelesen, dass der Strudelhof bald zu macht. Offenbar zu wenig Gäste. Das macht mich wirklich traurig. In keinem Café habe ich mich bisher so wohl gefühlt, und als wir vor drei Jahren nach Magdeburg gezogen sind, hat der Strudelhof sehr dabei geholfen, uns hier einzuleben. Das ist wirklich sehr sehr schade 😦