texture

texture ist ein webbasiertes Werkzeug, mit dem man Interactive Fiction schreiben kann. Interactive Fiction (IF) ähnelt den Textadventures aus der Frühzeit der Computerspiele, aber wird heute meist eher mit literarischem Anspruch verfasst und ist weniger als bloßes Spiel gemeint. Man bekommt in relativ kurzen Absätzen eine Beschreibung von Ort und Situation zu lesen und kann dann entscheiden, was man als nächstes tut.

Ganz klassisch würde das durch die Eingabe von Text-Kommandos gehen, z.B. „nimm den Apfel“ oder „geh nach Norden“; der sogenannte Parser interpretiert diese Befehle dann mehr oder weniger sinnvoll. Das verbreiteste Tool für parserbasierte IF ist wohl Inform (was seit Version 7 den zusätzlichen Reiz hat, fast in natürlichsprachlichem Englisch (und Deutsch) programmieren zu können). Eine andere weit verbreitete Form sind simple Hyperlinks, bei denen man die Geschichte durch das Anklicken markierter Wörter im Text vorantreibt; sowas kann man z.B. gut mit Twine schreiben.

texture steht irgendwo dazwischen. Statt unterstrichener Links im Text oder einer Kommandozeile für das Eintippen von Befehlen werden unter dem Text ein oder mehrere Wörter angezeigt, die man mit Maus oder Finger (Touchscreen) auf den Text schieben kann. Wörter des Textes, die von Autorin oder Autor entsprechend vorbereitet wurden, reagieren dann auf das jeweilige Wort und wenn man dann loslässt, wird die jeweilige Aktion ausgelöst, z.B. das aktivierte Wort durch etwas anderes ersetzt, ein vorher nicht sichtbarer Absatz eingefügt, ein weiterer Absatz ans Ende gehängt oder zur nächsten Seite „geblättert“.

Hier ein Beispiel:

Auf dem 1. Screenshot steht oben der Ausgangstext, unten ein Wortschnipsel, den man mit der Maus oder per Finger bewegen kann.

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Auf dem 2. Screenshot habe ich den Wortschnipsel „Staubwolken“ auf das Wort „Wind“ bewegt. Es wäre auch möglich, ihn stattdessen auf das Wort „verblasst“ zu bewegen.

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Auf dem 3. Screenshot ist das Ergebnis des Bewegens des Wortschnipsels „Staubwolken“ auf das Wort „Wind“ zu sehen. Zwischen die beiden ursprünglichen Zeilen wurde eine weitere Zeile eingefügt.

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texture gibt es schon seit 2014, aber ich habe es erst gestern entdeckt, als ich endlich mal wieder Zeit hatte, mich mit Interactive Fiction zu beschäftigen. Ich finde den gemischten Ansatz ziemlich gut. Da im Text mehrere Wörter auf die unten liegenden Wortschnipsel reagieren können, ist mehr Variation möglich als in einem bloßen Hypertext, aber der Aufwand ist wesentlich geringer als in einem parserbasierten Spiel. Es ist auch möglich, einfache Variablen zu setzen und zu lesen, um davon abhängig den Fortgang des Textes zu beeinflussen.

Ich werde mal versuchen, damit einen kleineren IF-Text zu verfassen.

Fliegen

Heute war ich nach drei Monaten endlich wieder C42 fliegen. Ingesamt habe ich jetzt ca. 22-23 Stunden (30 sind Minimum). Der letzte Flug war Anfang August von Magdeburg nach Rostock, und das bisherige Highlight: 2×200 km an einem Tag. Danach hatte ich keine Zeit — der „Head Canon“-Essay bei Telepolis musste fertig werden, dann die simulierte C42 von vFlyteAir bzw. meine Handbücher dafür, und dann das Manuskript für mein „Technik vertrauen“-Buch bei Springer. Das waren alles ziemliche Großprojekte neben der normalen Arbeit. Zwischendurch waren wir noch in Norwegen und sind teils bei Windstärke 9 mit dem Postschiff die Hurtigrute entlanggefahren.

Das ist nun alles erledigt und ich habe tatsächlich die seit Mitte 2017 ungewohnte Situation, mal Zeit zu haben. Ich habe zwar schon wieder mindestens drei weitere Ideen, aber ich habe mir vorgenommen, nichts davon anzugehen, bis das Buch im Laden steht. Stattdessen möchte ich die freigewordenen „Ressourcen“ nutzen, meine Flugausbildung voranzubringen. Und wie gesagt, heute war es dann soweit.

Im Buch geht es ja darum, wie wir Technik vertrauen, die wir eigentlich nicht im Detail verstehen oder deren innere Zustände wir nicht einsehen können. Dem Flugzeug als Sachtechnik zu vertrauen, war für mich auch lange eine Herausforderung (insofern ich 2009 eigentlich eine lästige Flugangst entwickelt habe). Wie ich auch in meinem Artikel im aktuellen Fliegermagazin schreibe, hat mir erst Flugsimulation am PC und seit 2017 das echte Fliegen geholfen, damit klarzukommen. Dass ich nach drei Monaten Pause fast selbstverständlich die Vorflugkontrolle mache oder in der Regel 😉 weiß, was ich tue und was das Flugzeug tut, war zu Beginn der Ausbildung fast undenkbar.

Trotzdem gibt es bisher in jedem Flug etwas Neues, was mich dann (je nachdem, was es war) positiv überrascht oder doch noch mal beunruhigt.

Heute war es ziemlich windig aus Süd bis Südwest, sodass wir bei Start und Landung auf der 27 in EDBM recht viel Seitenwind von links hatten. Das ist etwas tricky, weil man ja die Richtung halten muss und nicht will, dass sich eine Tragfläche zu ungünstiger Zeit anhebt. Darum hält man das windzugewandte Querruder ein bisschen in den Wind. Mein Fluglehrer hat mir aber einen weiteren „Trick“ gezeigt, wie man die Wirkung des Seitenwindes beim Start etwas abschwächen kann: man stellt sich an den Rand der Bahn (windabgewandte Seite, also rechter Rand) und zielt beim Starten nicht aufs Bahnende sondern auf eine etwas weiter entfernte Lampe (die zur Runwaybefeuerung gehört) auf der anderen (linken) Seite. Dadurch kommt der Wind dann nicht mehr so sehr von der Seite, sondern in Relation zu uns fast von vorne. Da die Bahn in Magdeburg ziemlich breit ist (jedenfalls was Ultraleichtfliegen angeht) und die C42 nach sehr kurzer Strecke abhebt, kann man das gut machen.

So, das ist im Nachhinein jetzt auch komplett logisch für mich, aber in dem Moment habe ich nicht verstanden, was er meint. Wie, auf die Lampen zielen? Dann fahr ich doch dagegen. (Ich dachte auch, er meint die Lampen auf der rechten Seite…) Er musste es dann vormachen, dann hab ich es kapiert. Der Grund für mein Unverständnis war in dem Moment, dass ich mich (schon gestern beim Üben am PC) so auf das „Mitte der Bahn, Querruder in den Wind“-Schema fixiert hatte, dass ich für alternative Wege der Problemlösung in dem Moment keinen Kopf hatte. Dabei machte der „Trick“ alles viel einfacher.

In der Luft war ich dann positiv überrascht, dass es viel viel ruhiger war als mich der Simulator (X-Plane) mit identischen Wettereinstellungen glauben machen wollte. 17 Knoten Windböen im X-Plane sind sehr wackelig (denn die Böen kommen da scheinbar permanent und stoßweise); beim echten Flug heute war es eigentlich ganz ruhig.

Also ein schöner Flug. Und dann ging auf einmal ein kurzer Ruck mit einem leisen Knall durchs Flugzeug. Keine Turbulenz, sondern was anderes. Fühlte sich an, als hätte uns was von unten getroffen. Früher hätte ich gekreischt: „oh Gott, was war das, was war das????“ aber heute sagte ich (immerhin) nur irritiert: „hä? Was war das denn?“ (Das ist ja schon mal ein Fortschritt 😛 ) Mein Fluglehrer meinte, es war wohl eine Fehlzündung des Motors, die käme schon mal vor. Er machte dann die Vergaservorerwärmung an und damit war das Thema für ihn erledigt. Für mich allerdings nicht, denn jetzt setzte doch der innere „werden wir jetzt alle sterben?“-Modus ein. Ich wurde nicht hektisch oder panisch, aber ich wollte dann halt doch gerne wieder zum Flughafen zurückkehren. In meinen Gedanken setzte sich nämlich das Bild des Motorausfalls fest, und in dem Fall wollte ich zwar hoch genug, aber bereits in Platznähe sein.

Nun, der Motor funktionierte weiterhin, aber meine innere Ruhe war gestört. Das Öl hatte bei der Vorflugkontrolle schon ziemlich dunkel (= alt) ausgesehen… und die Öltemperatur im Flug war laut Lehrer auch etwas niedrig… und dann die eine Fehlzündung. Das machte mir alles Sorgen, denn sowas hatte ich früher noch nie erlebt.

Kurz vor dem Einflug in die Platzrunde war ich jedenfalls viel zu hoch, sodass ich erstmal in einem Kreis Höhe abbauen müsste. Dann flogen wir in den Queranflug (= quer zu dem Bahnende, wo man landen will) und teilten uns die Landung, weil mein Lehrer mir das Landen bei Seitenwind zeigen wollte — ich sollte einfach nur mit dem Querruder die Mitte der Bahn anpeilen, er würde das Seitenruder übernehmen.

Die Landung inkl. des Abfangbogen war dann gar nicht schlecht. Wiederum positiv überraschend sagte mein Lehrer hinterher, er hätte gar nichts gemacht, nur ganz kurz vorm Aufsetzen mal etwas Seitenruder gegeben.

Er hätte jetzt gerne noch den Seitenwind für ein paar weitere Platzrunden genutzt, aber mir reichte es jetzt erstmal. Nicht wegen des Windes (woran ich am Anfang ständig dachte), sondern wegen dieser einen Fehlzündung. Also rollte ich zur Halle, wir unterhielten uns noch etwas über das Phänomen, wie im Internet viel aufgebauscht oder falsch dargestellt wird, dann parkte ich das Flugzeug.

Dass ich wegen dieser kleinen Auffälligkeit für heute aufhörte, war sicher irrational. Und mittlerweile denke ich, wir hätten doch noch weitermachen sollen, aber gut, so isses eben. Nächster Termin ist dann Montag. Jedenfalls wäre das auch ein weiteres gutes Beispiel für „Technik vertrauen“, insofern das auch Vertrauen in Menschen und deren Urteile über Technik angeht. ^^

Überarbeitet (das Buch, nicht ich)

Ich habe jetzt das komplette Manuskript des Buches zum „Technik vertrauen“ nochmal durch- und überarbeitet. Ich muss es Montag abgeben. Parallel schickt mir der Verlag Entwürfe für die Titelseite und wir überlegen, welches Bild wir auf die Titelseite machen wollen. Das finde ich sehr aufregend 😀 Jetzt gucke ich aber erstmal Fernsehen. Morgen muss ich wieder früh aufstehen und zur Arbeit.

Linux und Skyrim

Das Schreiben meines Buches „Technik vertrauen“ (erscheint 2019 bei Springer) hat mich dazu geführt, Windows 10 durch Linux (Ubuntu 18.04) zu ersetzen. Ubuntu ist jetzt auch nicht gerade das independent-mäßigste Linux, sondern selbst mit kommerziellem Hintergrund, dennoch ist die Kontrolle, die man dadurch über den eigenen Computer gewinnt, wesentlich wesentlich stärker. Ich hatte Ubuntu früher schon zu Dissertations-Zeiten benutzt, aber dann war ich doch eine ganze Weile mit Windows unterwegs. Aber das Befürfnis, mich davon wenigstens ein bisschen freizumachen, wuchs immer mehr (eben auch während des Schreibens des genannten Buches) und so habe ich neulich Windows komplett runtergeworfen und Linux installiert. Der Flugsimulator X-Plane, den ich auch nebenberuflich brauche, läuft sowieso unter Linux, und auch Software wie LibreOffice und GIMP habe ich eh schon unter Windows genutzt. Von daher war der Umstieg kein Problem. Aber es gab eine Sache (wirklich nur eine), die ich vermisst habe, und das war The Elder Scrolls Skyrim.

Die Welt der Elder Scrolls ist meine liebste Fantasy-Welt, weil ihre Landschaft und ihre teils sehr skurrile Hintergrundgeschichte ziemlich einzigartig und stellenweise sehr faszinierend ist. Daher war es mir schon wichtig, das Spiel weiter benutzen zu können. Es gibt andere Elder-Scrolls-Spiele, die individueller (Morrowind) oder landschaftlich abwechslungsreicher (Online) sind, aber Skyrim mag ich nach wie vor am liebsten.

Skyrim habe ich in Steam sowohl in der normalen als auch in der Special Edition. Über Steam Play kann man beide unter Linux installieren, indem man in den Steam-Einstellungen festlegt, dass man auch offiziell nicht unterstützte Spiele nutzen will:

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Das „Compatibility Tool“ namens Proton ist nichts weiter als eine vorkonfigurierte Version von WINE. Mit WINE kann man schon seit Jahren Windows-Programme unter Linux ausführen, muss bei Spielen aber oft viel basteln. Tools wie Play On Linux oder Lutris erleichtern diesen Vorgang, Steam Play ist im Prinzip nichts anderes, aber man muss halt nicht den Windows-Client von Steam installieren, sondern man kann die Windows-Spiele direkt vom Linux-Client aus verwenden. Das sieht fast normal aus, außer dass es neben dem „Spielen“-Button einen kleinen Hinweis gibt:

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Wie man auf dem Screenshot sieht, nutze ich die normale Version von Skyrim, nicht die Special Edition. Eigentlich ist letztere die bessere, weil sie u.a. eine 64-Bit-Anwendung ist und dadurch viel mehr Arbeitsspeicher nutzen kann. Ich habe auch probiert, sie mit Steam Play zu verwenden, aber es gibt dann Probleme mit der Tonausgabe, die ich nicht vollständig lösen konnte (aller Tipps und Tricks, die es dazu im Internet gibt, haben nicht geholfen). Die normale Version von Skyrim hingegen hat diese Probleme nicht.

Als Grafikkarte steckt eine ältere NVidia GTX960 in meinem PC. Die läuft mit NVidias offiziellem Treiber in Version 3.96 recht gut — insgesamt langsamer als unter Windows, aber so, dass man Skyrim in maximalen Einstellungen spielen kann. Man muss den Treiber vorher nur installieren (was in Ubuntu 18.04 mit ein paar Mausklicks erledigt ist):

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Damit läuft Skyrim stabil und stundenlang ohne Abstürze, inklusive Mods. Neben dem Basisspiel und den offiziellen DLCs (Dawnguard, Dragonborn und Hearthfire) habe ich folgende Mods installiert:

  • Beyond Skyrim: Bruma (ergänzt die Welt um den nördlichen Teil Cyrodiils rund um die Stadt Bruma)
  • Beyond Reach (ergänzt die Welt um den östlichen Teil High Rocks rund um die Stadt Evermore)
  • Summerset Isle (ergänzt die Welt um die Provinz Summerset)
  • Forgotten City (eine große unterirdische Stadt mit einer Geschichte, deren Autor dafür einen Preis gekriegt hat)

Das sind jeweils riesige neue Gebiete, die gut zum Grundspiel passen und sich wunderbar einfügen. Für unverzichtbar halte ich außerdem diverse Mods, die aus Skyrim ein Survival-Spiel machen:

  • Frostfall (man muss sich warm halten durch Kleidung, Feuer u.ä.)
  • Realistic Needs and Diseases (man muss essen und trinken)
  • Hunterborn (wenn man Wildtiere jagt, erhält man nicht automatisch irgendwelche Gegenstände wie Nahrung und Fell, sondern man muss Zeit investieren, um sie zu verarbeiten)
  • Campfire (man kann Zelte, Schlafsäcke usw. kaufen und Lagerfeuer machen)

Dazu kommen diverse kleinere Mods, wie der Unofficial Skyrim Patch (verbessert hunderte Fehler und Kleinigkeiten), SkyUI (bessere Benutzeroberfläche), Skyrim Script Extender (nötig für die ganzen Survival Mods und SkyUI, außerdem verbessert er das Speichermanagement des Spiels), Alternate Start (für unterschiedliche Möglichkeiten, das Spiel zu beginnen), diverse Modifikationen für das Winterhold College und andere kleine Sachen.

Mehr als das braucht man eigentlich nicht. Auf aufwendige Grafikmods (oder auch nur die offiziellen optionalen hochauflösenden Texturen) würde ich verzichten, da die normale Version von Skyrim nicht so viel Speicher adressieren kann und das Spiel ehrlich gesagt auch so immer noch sehr atmosphärisch aussieht. Rein technisch gibt es heute natürlich bessere Spiele, aber an sich kann sich Skyrim nach wie vor sehen lassen.

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Wer also möchte ich diesmal sein …?

Kanon der Ungewissheit

In Kapitel 5 von „Technik vertrauen“, das ich gerade schreibe, habe ich sie alle nochmal aufgezählt. Zitat aus meinem Manuskript:

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Neben Dirk Baecker haben in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren zahlreiche andere Forscher, Philosophen, Journalisten und Essayisten […] Beschreibungen [zu aktuellen und auch künftig wirksamen gesellschaftlichen Veränderungen] vorgelegt. Der Soziologe Andreas Reckwitz sprach in seiner großen, gleichnamigen soziologischen Arbeit von der „Gesellschaft der Singularitäten“ (Reckwitz 2017). Der durch die „Risikogesellschaft“ bekannte Soziologe Ulrich Beck nahm kurz vor seinem plötzlichen Tod noch einmal die Risiken der digitalen Welt in den Blick (Beck 2017). Der GEO-Chefredakteur Christoph Kucklick vermutete in seinem Buch „Die granulare Gesellschaft“, dass wir uns auf dem Weg in eine „Kontrollgesellschaft“ befinden (Kucklick 2016). Der Soziologe Helmut Willke urteilte schon vor 16 Jahren, dass es in der „Wissensgesellschaft“ darauf ankäme, „das zu Wissen komplementäre Nichtwissen zur Kenntnis zu nehmen“ (Willke 2002). Der Philosoph Byung-Chul Han versammelte unter den Oberbegriff „Transparenzgesellschaft“ in äußerst kulturkritischer Sicht gleich mehrere weitere Gesellschaftsbegriffe, die verschiedene Missstände der Digitialisierung ausdrücken sollen (Han 2013). Der Journalist Christian Schuldt skizzierte am Ende seiner kleinen Luhmann-Einführung die „Netzwerkgesellschaft“ (Schuldt 2017). Der Philosoph und Übersetzer Maximilian Probst dachte letztes Jahr in fast literarisch anmutender Tagebuchform über die Rolle von Verbindlichkeit in der heutigen Zeit nach (Probst 2017). Und selbst ich konnte dem Reiz, unsere Zeit mit einem spezifischen Begriff zu belegen und einen bescheidenen Beitrag zu diesem Kanon der Ungewissheit zu leisten, nicht widerstehen: In meiner Essay-Reihe „Head Canon“ schrieb ich über das „epikritische Zeitalter“, das ich deshalb so nannte, weil Medien zunehmend als zuspitzend (epikritisch , in einem leibphänomenologischen Sinne) sind – sie bedrängen zu einer Entscheidung und versuchen, mögliche Alternativen einzuengen, in einer Zeit, in der das Treffen sicherer Entscheidungen so schwierig und eher eine Ausweitung der Möglichkeiten — im Sinne des konstruktivistischen ethischen Imperativs, den Heinz von Foerster formuliert hatte, vgl. Kapitel 3 — angebracht ist (Donick 2018).

Botanica (wo mal der Strudelhof war)

Der Nachfolger des Strudelhofs (für drei Jahre mein absolutes Lieblingscafé in Magdeburg) nennt sich Botanica und hat seit ein paar Tagen geöffnet. Heute waren wir das erste Mal da.

Neugierig, ein bisschen skeptisch — aber am Ende sehr froh, dass es genau an dieser Stelle wieder ein Café gibt; dass der Innenraum sehr freundlich und beruhigend wirkt; dass der schöne Innenhof beibehalten wurde; dass das Essen schmeckt (obwohl das eine Umstellung ist: im Strudelhof gab es sehr klassische Fleischgerichte, das Botanica ist vegan), und dass das neue Café insgesamt ein würdiger Nachfolger ist.

Endlich ist diese Lücke in der Stadt gefüllt. Nur ein bisschen früher müsste es aufmachen (zurzeit erst 15 Uhr), damit ich auch nach meinen Frühschichten mal spontan hin könnte…