Klin Zha

Was ist Klin Zha?

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Klin Zha ist ein Schach-ähnliches Spiel, das auf einem dreieckigen Spielbrett mit 81 Feldern von zwei Spielern gespielt wird. Beide Spieler haben acht Spielfiguren, die sich nach verschiedenen Regeln auf dem Brett bewegen und schlagen können. Dazu kommt je Spieler eine neunte Figur, das „Ziel“ (goal). Die Spieler versuchen, das gegnerische Ziel zu schlagen bzw. das eigene Ziel zu beschützen. Anders als der König im Schach darf das Ziel nicht selbstständig ziehen, sondern muss von anderen Figuren entsprechend deren Zugregeln bewegt werden. Ein weiterer Unterschied zum Schach ist, dass es keine festen Startpositionen der Figuren gibt. Stattdessen sucht sich jeder Spieler ein Brettdrittel aus und stellt seine Figuren dort beliebig auf.

Geschichte von Klin Zha

Klin Zha wurde zuerst 1983 in dem Science-Fiction-Roman „Der letzte Schachzug“ von John M. Ford beschrieben. Der Roman spielt im fiktiven Star-Trek-Universum und Klin Zha wird laut des Romans von den Klingonen (einer außerirdischen Spezies) gespielt. Die Beschreibungen des Spiels in dem Roman waren recht detailliert. Angeblich haben sich die Produzenten der neuen Star-Trek-Serie „Discovery“ (2017) mit Klin Zha beschäftigt (auch wenn davon in der Serie bisher nichts zu sehen war).

Auf Basis der Roman-Beschreibungen schuf Leonard B. Loyd, Jr. 1989 vollwertige Spielregeln, die sich in Fanzines und  im Internet verbreiteten. Unter den Websites ist vor allem Kevin A. Geiselsmans Authorized Klin Zha Homepage zu nennen; insbesondere die Galerie ist sehr schön. Ausführlichere Regeln gibt es auf Billy Bennetts Seite klinzha.com. Ich habe vor einigen Jahren bei Gamers Global einen längeren Artikel über Klin Zha veröffentlicht. Auf Facebook schließlich gibt es eine Klin-Zha-Gruppe.

Klin Zha wurde in der Zeitschrift Variant Chess vorgestellt, wird bei chessvariants.com gelistet und ist im Buch „A World of Chess“ (2017) enthalten. Dies zeigt, dass Klin Zha ein Spiel ist, das man auch losgelöst vom fiktionalen Entstehungskontext ernst nehmen kann.

Spielregeln

Eine ausführliche englischsprachige Darstellung der Spielregeln gibt es in den „Laws of Klin Zha“ auf Billy Bennetts Klin-Zha-Website (PDF). Ein deutschsprachiger Überblick ist auf Kevin Geiselmans Website zu sehen. Hier nur die wichtigsten Fakten:

  • Das Spielbrett ist dreieckig mit 81 Feldern, die ebenfalls Dreiecke sind. Das Brett ist in drei Drittel aufgeteilt. Die Reihen sind von oben nach unten mit den Buchstaben A bis I bezeichnet. Die Spalten tragen von links nach rechts die Nummern 1 bis 9. Die Felder werden entsprechend bezeichnet, z.B. ist A11 die obere Spitze des Brettes, F37 die Brettmitte, I11 die untere linke Ecke und I99 die untere rechte Ecke.
  • Es gibt je Spieler folgende Figuren:
    • Vanguard (Hüter): drei Mal vorhanden; bewegt sich ein Feld in gerader Linie; darf das Ziel tragen.
    • Lancer (Lanzenträger): ein Mal vorhanden; bewegt sich ein, zwei, oder drei Felder in gerader Linie; darf das Ziel tragen.
    • Fencer (Fechter): ein Mal vorhanden; bewegt sich ein, zwei oder drei Felder in beliebiger Richtung, auch um die Ecke; darf das Ziel tragen.
    • Swift (Tänzer): ein Mal vorhanden; bewegt sich zwei, drei oder vier Felder in beliebiger Richtung, auch um die Ecke.
    • Flier (Flieger): zwei Mal vorhanden; bewegt sich drei, vier, fünf oder sechs Felder in gerader Linie; darf über andere Figuren springen.
    • Blockader (Blockierer): ein Mal vorhanden; bewegt sich ein oder zwei Felder in gerader Linie. Die bis zu drei Felder, die direkt an den Blockierer angrenzen, sind eine Schutzzone. Eigene Figuren in der Schutzzone dürfen vom Gegner nicht geschlagen werden, und der Gegner darf die Schutzzone nicht betreten. Das Ziel darf sich nicht in der Schutzzone aufhalten.
    • Goal (Ziel): ein Mal vorhanden; kann sich nicht selbst bewegen, sondern muss vom Hüter, Lanzenträger oder Fechter getragen werden. Wenn das Ziel vom Gegner geschlagen wird oder sich nicht mehr bewegen kann, ist das Spiel verloren.
  • Zu Spielbeginn wird zufällig (z.B. durch würfeln) bestimmt, welcher Spieler anfängt.
  • Der beginnende Spieler sucht sich ein Brettdrittel aus und platziert dort seine eigenen Figuren, bis auf das Ziel. Danach macht der zweite Spieler dasselbe in einem anderem Brettdrittel.
  • Wenn auch der zweite Spieler sein Brettdrittel besetzt hat, platziert der erste Spieler sein „Ziel“. Danach macht der zweite Spieler dasselbe. Es ist Zeichen eines fairen Spiels, wenn man sein Ziel nicht unzugänglich hinter einem Blockierer in die Ecken des Spiels platziert (dies wird als „honor setup“ oder „ehrenhafte Ausgangsstellung“ bezeichnet).
  • Wenn die Ziele platziert sind, ziehen beide Spieler abwechselnd ihre Figuren und versuchen, das eigene Ziel zu schützen und das gegnerische Ziel zu fangen. Wem letzteres gelingt, gewinnt.

Spielmaterial

Klin Zha kann man nicht kaufen, es gibt keine Spielbretter und keine Spielfiguren. Billy Bennett hat einen Spielbrett-Generator programmiert, mit dem sich einfache Papier-Versionen erstellen lassen. Er bietet auch eine fertige PDF-Datei mit Brett und Figuren an.

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Am meisten Spaß macht es aber, sich selbst ein Brett zu basteln. Die Galerie auf Kevin Geiselmans Website zeigt viele schöne Varianten. Auf dem Titelbild meines Artikels oben sieht man mein Klin Zha-Brett. Ich habe es mit Acryllack auf ein Stück Leinwand gemalt und dann hinter Glas gerahmt. Die Spielfiguren sind kleine abgerundete Holzplättchen für die Figuren und flache Plättchen für die „Ziele“; wenn ein Ziel von einer anderen Figur getragen wird, stelle ich die andere Figur einfach auf das Ziel. Die Figuren habe ich ebenfalls mit Acryllack bemalt.

Gegen wen soll man spielen?

Wenn es im eigenen Umfeld keine anderen Spieler gibt, dann kann versuchen, über die oben erwähnte Facebook-Gruppe Spielpartner zu finden. Alternativ kann man gegen Computer spielen. Es gibt eine App für Android-Smartphones und -Tablets, die leider keine gute Spielstärke aufweist und daher eher als Spielbrett für unterwegs brauchbar ist. Ein stärkerer Gegner ist die Computerversion von Klin Zha von Billy Bennett. Sie läuft mit der Zillions of Games-Engine (ZoG) und enthält eine deutschsprachige Übersetzung (von mir).

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ZoG ist sehr alt, funktioniert aber nach wie vor auch auf modernen Windows-PCs sowie mit WINE unter Linux. Die Spielstärke von ZoGs Künstlicher Intelligenz (KI) für Klin Zha ist grundsätzlich gut und hängt direkt von der eingestellten Rechenzeit pro Zug ab. Nach zahlreichen Testspielen bin ich der Ansicht, dass 30 Sekunden Bedenkzeit (auf einem modernen i5-PC) und eine mittlere Zugvariation (d.h. ob die KI immer den mathematisch besten Zug spielt oder davon abweichen darf) gute Kompromisse sind. Die KI ist dann noch stark genug, dass sie von Anfängern bis leicht fortgeschrittenen Spielern nicht bis nur schwer zu schlagen ist.

Die KI baut leider fast immer die selbe Ausgangsstellung auf, weil die wohl rein mathematisch die effizienteste ist. Indem man der KI mehr Variation zugesteht, kann man dies abmildern. Es hilft auch, schon beim Spielaufbau abwechselnd zu ziehen (das ist die sog. Alternate Placement-Variante).  Alternativ kann man auch selbst für beide Farben die Ausgangspositionen aufbauen und der KI erst dann die Kontrolle über eine Seite geben.

Lässt man die KI gegen sich selbst antreten, fällt auf, dass sie häufig allein mit den beiden Fliegern das gegnerische Ziel fangen will. Dadurch kann sich das Spiel KI gegen KI in die Länge ziehen; besser wäre es, wenn sie andere Figuren zur Unterstützung heranziehen würde, selbst wenn das mit einem Risiko verbunden wäre. Auch das fühlt sich aus menschlicher Sicht bei mehr Variation und weniger Bedenkzeit „natürlicher“ an.

 

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