Coming Soon™: Technik vertrauen

Ich habe mich ja in meiner Dissertation und auch später damit beschäftigt, wie Menschen Technik verwenden — wie sie bei Problemen zurechtkommen und wie sie Nutzungssituationen wahrnehmen. Nun geht es bald weiter damit. Ein wichtiger Aspekt der Techniknutzung ist das Vertrauen in Technik: Wird meine EC-Karte im Supermarkt vom Lesegerät erkannt oder stehe ich wegen Kratzern am Chip auf der Karte auf einmal „ohne Geld“ da? Kann ich darauf vertrauen, dass der Motor des Flugzeugs, in dem ich meine Flugstunden nehme, nicht kurz nach dem Start ausfällt? Kann ich dem Internet-Provider vertrauen, mir eine stabile Leitung zu liefern? Und dessen Hotline, dass sie ehrlich zu mir sind?

Und weil das wegen DSGVO gerade so aktuell ist: Kann ich dem Anbieter, bei dem ich mein Blog habe, vertrauen, sich an seine Datenschutz-Grundsätze zu halten und dass diese DSGVO-kompatibel sind?

Man merkt an den Beispielen, dass Vertrauen in Technik ganz viele Ebenen umfasst. Vertrauen in konkrete technische Produkte, Vertrauen in Verfahren und Prozesse, Vertrauen in Menschen. Ohne Vertrauen ist Techniknutzung nicht möglich. Aber wie kann so ein Vertrauen im Alltag aufgebaut, gerechtfertigt und ggf. wiederhergestellt werden? Darüber denke ich seit einer ganzen Weile nach, und die Erfahrungen in meinem „normalen“ Job bei einem Kommunikationsdienstleister tragen dazu nicht gerade wenig bei.

In den letzten Wochen hat sich die Möglichkeit ergeben, das Thema „Technik vertrauen“ als Buch bei Springer Science+Business Media unterzubringen (ja, es gibt auch andere Verlage ähnlichen Namens). Nachdem nun alles offiziell ist und ich auch das „ok“ meiner Lektorin dafür habe, dass ich darüber in meinem Blog berichten darf, tue ich das hiermit mal. Also, ‚bald‘ (ich denke mal irgendwann 2019) erscheint von mir ein neues Buch, mit dem Arbeitstitel „Technik vertrauen“.

Ich freue mich sehr. Denn das Schöne ist, dass ich in dem Buch nicht nur die Gelegenheit habe, die Ergebnisse meiner Dissertation aufzugreifen, sondern vor allem, daraus ganz praktische Folgen für den Alltag aufzuzeigen. Bei dem neuen Buch arbeite ich auch wissenschaftlich, kann aber die Darstellung viel freier gestalten. Unter anderem kann ich die LeserInnen direkt ansprechen oder durch kleine Gedankenexperimente einbinden. Ich kann allgemeinverständlicher schreiben und stärker mit Alltagsbeispielen arbeiten.

Diese Art zu schreiben ist in bestimmten Punkten eine neue Herausforderung für mich, aber doch das, was ich schon lange machen wollte. Ich werde darüber jedenfalls in der nächsten Zeit noch öfter berichten.

Blockschreiben

Schreibblockaden sind bekannt. Was es aber auch gibt: Blockschreiben. Damit bezeichne ich das, womit ich hier gerade seit ein paar Tagen zu kämpfen habe. Blockschreiben ist, wenn man zwar eine Menge Text produziert, der aber kein großes Ganzes ergibt, sondern nur kurze für sich stehende Abschnitte (Blöcke halt). Blockschreiben entsteht, wenn man gedanklich um ein Thema kreist, sich dem Thema von verschiedenen Seiten nähert, verschiedene Ansätze und Einstiege probiert, und keiner passt so richtig. Obwohl also das Schreiben beim Blockschreiben nicht blockiert ist, kann Blockschreiben genauso frustrierend wie eine Schreibblockade sein.

Eine Ursache für Blockschreiben ist, wenn man selbst nicht genau weiß, worauf man hinaus will. Eine andere: Man hat zwar das Ende vor Augen, stellt aber fest, dass man keine Ahnung hat, wie man da hinkommen soll. Und ein dritter Grund: Der Text funktioniert für sich, aber dann stellt man fest, dass er nicht mehr zu den anderen Texten derselben Reihe passt. An dieser dritten Ursache halte ich mich gerade ziemlich auf. Das ist eine Folge des zerdehnten Schreibens, das ich bei meiner „Head Canon“-Essayreihe ausprobiere. Über Monate hinweg veröffentliche ich einzelne Essay-Teile; alle kreisen um den Kanon-Begriff, um Medien und darum, wie individuelle Weltbilder entstehen. Jeder Teil hat ein Hauptthema, jeder Folgeteil baut direkt auf dem vorherigen Teil auf, und es muss auch immer das Thema der Reihe insgesamt vorkommen.

Ich könnte theoretisch ewig so weiterschreiben, von Teil zu Teil, Ketten bilden von einem Thema zum anderen, aber der Platz ist begrenzt. Ich habe noch zwei Mal ca. zwanzig Seiten, dann muss alles passen. Auch in Teil fünf (den ich gerade beende) soll die Zielstellung von Teil eins zu spüren sein, und auch in Teil sechs (der abschließende Teil) soll man nicht das Gefühl haben, dass z.B. Teil zwei dafür eigentlich irrelevant war. Jeder Teil soll etwas beitragen. Ich kann nun also nicht noch endlos abschweifen, sondern muss langsam mal die verschiedenen „Erzählstränge“ auflösen. Ein Cliffhanger ist nicht drin. Eine zweite Staffel auch nicht. Höchstens ein Director’s Cut, irgendwann später.

 

Schreibfäden

20180404_133510Wenn man nicht an dem „einen großen Buch“ schreibt, sondern hier mal was und da mal was, und dabei trotz thematischer Unterschiede versucht, einen roten Faden aufrechtzuerhalten, dann sieht die mentale Landkarte in etwa so aus wie auf dem Bild da oben — ein Fluss mit diversen Abzweigungen, diverse Seen und Wasserflächen. Das hängt alles zusammen, aber so richtig dann doch nicht.

Das ist mitunter anstrengend und führt zu längeren Schreibpausen (in denen dann u.a. Bilder wie oben entstehen). Diese Pausen fühlen sich anfangs erholsam an, aber irgendwann muss es ja doch weitergehen. Dann wieder reinzukommen, hängt an der Frage, welchen Faden man aufgreift. Mache ich mit denen weiter, die bezahlt werden? Oder mit denen, die zwar nicht bezahlt werden, aber die Chance zu mehr Tiefgründigkeit bieten?

Im aktuellen Fall ist die Entscheidung wohl klar, und zwar für letzteres. Denn die verlängerte Deadline läuft in fünf Tagen ab und es wäre sehr ärgerlich, wenn ich bis dahin nicht fertig wäre.

Done, WIP & TODO

Erledigt:

  • „Immersion und Atmosphäre: eine Herausforderung für Entwickler“ (FS MAGAZIN 03/2018, in Kürze im Handel)
  • „Treating the Fear of Flying with … Flying!“ (Air Facts, online voraussichtlich am 09.04.2018)
  • Außerdem ein Review des Flugsimulators „AeroflyFS 2“ für flightsim.com (keine Ahnung, wann das online geht)

In Arbeit:

Und dann:

  • Artikel über erfolgreiche Kommunikation im technischen Support im Bereich Flugsimulation (FS MAGAZIN)
  • Essay zur Geschichte von Ethnomethodologie und Luhmann’scher Systemtheorie, und was davon heute noch relevant ist (Telepolis)
  • Abschließender 6. Teil meiner „Head Canon“-Serie (Telepolis)

Schreibrhythmus

Ich habe schon erwähnt, dass sich mein Schreiben an bestimmten Orten abspielt und ich dafür unterschiedliche Werkzeuge benutze. Was für produktiven Output aber noch eine Rolle spielt, ist so eine Art unterschwelliger Rhythmus, der bestimmt, ob und was ich schreibe. Ich glaube, dieser Rhythmus wird durch Thema und Zeit bestimmt.

Thematisch pendle ich ja zwischen Flugsimulation und „irgendwas mit Medien“, d.h. mal schreibe ich Artikel für das FS MAGAZIN oder Nutzerhandbücher für vFlyteAir und Aerobask; und mal schreibe ich ziemlich umfangreiche medientheoretische Essays, die derzeit vor allem über Telepolis bei heise.de veröffentlicht werden. Außerdem ergeben sich aus beiden Feldern vereinzelt „richtige“ medienwissenschaftliche Texte, die entweder als Vortrag gehalten werden oder irgendwo als Artikel erscheinen (in ein paar Tagen kommt z.B. der Tagungsband zur HiStories 2016 raus). Der alles verbindende „rote Faden“ ergibt sich zurzeit aus Kommunikationswissenschaft, Phänomenologie und z.T. Virtueller Realität.

Zeitlich gibt es einerseits bestimmte Termine, die ich halbwegs einhalten muss. Ich neige (leider?) dazu, diese Termine aufs Äußerste auszureizen. Anstatt also diszipliniert regelmäßig an einem Text zu schreiben, vergrabe ich mich eher einen Tag vor bis drei, vier Tage nach Abgabetermin in die jeweilige „Schreibaufgabe“, wo dann sehr schnell viel Text entsteht. Allerdings sitze ich vorher nicht bloß faul rum (abgesehen davon, dass ich ja auch noch einen richtigen Job habe). Denn andererseits ist der Schreibrhythmus durch eine Phase des „Herannahens“ bestimmt. Da umkreise ich die Schreibaufgabe gedanklich, befasse ich mich mit Material und Sekundärliteratur und ordne in meinem Kopf schonmal mögliche Zugänge. Danach warte ich meistens noch einen Tag, und dann geht es auf einmal los, ich fange an etwas zu tippen und „es“ schreibt sich dann schnell runter. Hinterher bin ich dann ziemlich erschöpft, es folgen ein oder zwei Wochen der Erholung, bevor es von vorne losgeht. Irgendwie muss ich bei diesem Vorgehen an einen Raubvogel denken, der seine Beute umkreist, dann plötzlich zuschlägt, die Beute auffrisst und sich dann erstmal satt und zufrieden in der Sonne ausruht (keine Ahnung, ob Raubvögel das so machen 😀 )

Manchmal drängt sich mir der Gedanke auf, dass ich mit mehr Disziplin und einem durchgetaktetem Tagesrhythmus schneller und produktiver sein könnte. Aber wozu? Ich bin ganz zufrieden mit meiner derzeitigen Mischung aus richtigem Job, nebenberuflichem Schreiben und Freizeit, und so lange ich Rückmeldungen zu meinen Texten bekomme (gute und schlechte), habe ich mein Ziel erreicht.

Schreiborte

Vor einer Weile habe ich über meine Schreibwerkzeuge geschrieben. Genauso wichtig wie die Werkzeuge ist der Ort, an dem ich damit schreibe. Im Laufe der Zeit habe ich mehrere ausgemacht, die je nach Thema wirksam werden.

Der eigene Schreibtisch

Ich finde es immer sehr schön, wenn in Feuilletons und Magazin-Beilagen zu großen Tageszeitungen die Schreibtische bekannter Schriftsteller, Wissenschaftler, Architekten, Künstler usw. gezeigt werden. Vorhin habe ich sowas mal wieder in einem (sehr lesens- und sehenswerten) Artikel im T Magazine über den japanischen Architekten Kengo Kuma gesehen. Sowas erhebt Anspruch auf Authentizität, wird aber eher eine Inszenierung sein. Mein Schreibtisch steht im Arbeitszimmer, das ich mir mit meiner Frau teile — in einer Ecke des Raumes steht ihrer, in der diagonal gegenüberliegenden Ecke meiner. Wenn ich aber jetzt darüber nachdenke, dann merke ich, dass dort nur Texte entstehen, die mit Flugsimulation zu tun haben: technische Handbücher, Workshops und Rezensionen für das FS MAGAZIN (das ist eine Fachzeitschrift für Flugsimulation), usw. Liegt sicherlich daran, dass dort auch der Computer steht, auf dem die Simulationen laufen und teilweise entwickelt werden.

Der Couchtisch

Viele meiner „irgendwas mit Medien“-Texte (z.B. die „Head Canon“-Reihe) entstehen in unserem Wohnbereich, auf dem Sofa, an einem vollkommen unergonomischen Couchtisch, mit meinem alten Laptop. Meist liegen dann irgendwelche Stapel von Fachliteratur verstreut auf dem Fußboden und auf dem Sofa. Im Fernsehen laufen Columbo, Shopping Queen, Bares für Rares, u.ä., oder (wenn ich mich vor mir selbst als intellektuell inszenieren will/muss), im Radio der Deutschlandfunk Kultur. Was gar nicht funktioniert: bewusstes Musik hören von CDs oder MP3s. Erstens taktet sich dadurch die Zeit (da ich ja weiß, wie lang einzelne Lieder oder ganze Alben sind), wodurch das Versinken im Schreibprozess erschwert wird, und zweitens wende ich mich quasi automatisch dem aktiven Zuhören zu anstatt es nur Hintergrundberieselung ist.

Im „Retreat“ ;P

Manchmal habe ich den Luxus, woanders zu sein, komplett losgelöst von der normalen Umgebung. Zurzeit sitze ich an einem Tresen in der, hm, Wohnküche bei U. und schaue auf die leicht hügelige Landschaft südlich von Rostock. Die klare Inneneinrichtung dieses Raumes und der ländliche Eindruck draußen haben sich schon mehrfach als sehr hilfreich beim Exzerpieren, Denken und Schreiben erwiesen. Zentrale Kapitel meines Buchs zu virtueller Realität sind hier entstanden, und der eine oder andere Vortrag. Ein ähnlich wirkungsvoller Rückzugsort ist das Ferienhaus „Haus Rehblick“ im Schwarzwald, das eigentlich zum FS MAGAZIN gehört, in dem ich aber ebenfalls kommunikations- und medientheoretische Sachen geschrieben habe (während der Versuch, dort mein lange geplantes Buch zu einer virtuellen Weltreise im Flugsimulator fertigzustellen, letzten Herbst kläglich gescheitert ist). Und ein letzter Ort sei erwähnt: Vor ein paar Jahren war ich auf einer Tagung im Zentrum für Interdisziplinäre Forschung in Bielefeld, wozu auch eigene Unterkünfte gehören. Ich weiß nicht, ob das heute immer noch so ist, aber damals waren das kleine, fast monastisch anmutende „Zellen“ mit Bett und großem Schreibtisch. Entscheidende Teile meiner Dissertation sind dort an nur zwei Tagen entstanden (was ganz passend war, wegen Bielefeld — Luhmann — usw.)

In der Bahn und im Café

Mit dem Zug unterwegs zu sein oder im Café zu sitzen, ist jeweils ein zweischneidiges Schwert. Entweder befördert es den Schreibvorgang mit jedem gefahrenen Kilometer oder jeder getrunkenen Tasse (koffeinfreien :/ ) Kaffees — oder es lullt mich ein in eine zuerst nachdenkliche, später gedankenlose Passivität. Beides kann hilfreich sein. Im ersten Fall entstehen meist ganz brauchbare Entwürfe für die eigentlichen Texte. Im zweiten Fall wird der Kopf frei und Ideen können sich unbewusst weiterentwickeln (oder ich bilde mir das ein).

Zerdehntes Schreiben

Beim Schreiben längerer Texte mache ich ohnehin oft längere Pausen. Bei meiner Dissertation waren die teils mehrere Monate lang, bei meinem E-Book zu Virtual Reality immerhin noch mehrere Wochen. In den Pausen kümmere ich meistens um meine Flugsimulations-Jobs, und manchmal gehe ich auch einfach nur zu meiner „normalen“ Arbeit und mache gar nix Freiberufliches (was sich dann fast wie Urlaub anfühlt, zumindest bis dann doch mal eine Deadline drückt). Nun schreibe ich aber, wie schon öfter erwähnt, an einer Essayreihe bei Telepolis (über den Umgang mit Medien, über die Skepsis gegenüber etablierten Massenmedien, und über die leibliche Wirkung, die Medien haben können und wie der eigene Wohnort da reinspielt).

Die Idee zu der Reihe hatte ich schon 2016, ein grobes Exposé lag im Frühjahr 2017 vor, und die einzelnen Teile des Essays entstehen seit August 2017. Dieses über Monate zerdehnte Schreiben fühlt sich einerseits an wie die gewohnten langen Projekte, doch andererseits ist es herausfordernder. Da die Teile zwischendurch schon veröffentlicht werden, müssen sie für sich gesehen lesbar sein, aber trotzdem müssen sie aufeinander aufbauen, selbst wenn da ein halbes Jahr zwischen liegt. Bei langen Texten, die als ein Ganzes veröffentlicht werden, kann man jederzeit zuerst geschriebene Teile an später geschriebene Teile anpassen, bis alles rund ist, aber wenn die Teile jeweils einzeln erscheinen, geht das nicht so einfach — ich schreibe die ja nicht „blind“ vor mir her, sondern es kommen ja noch immer neue Ideen dazu, oder ich lese irgendwo etwas, auf das ich mich beziehen will. Oder womöglich stelle ich sogar fest, dass ich etwas früher Geschriebenes nun doch anders sehe!

Dabei den roten Faden zu behalten, ist gar nicht so einfach. Geschweige denn, sich an die Struktur des ursprünglichen Exposés zu halten (was ich auch fast aufgegeben habe — inhaltlich passt es schon, aber die Aufteilung ist ganz anders). Auf jeden Fall ist es für mich ein spannendes Experiment, mal auf diese „dynamische“ Weise zu schreiben. Ich habe jetzt noch zwei Teile vor mir. Ich hoffe, ich habe hinterher noch die Chance, alles zu einem leicht erweiterten und abgerundeten Gesamttext zu verbinden, aber das wird man sehen. Spaß macht es mir aber schon jetzt.