737

Das gerade viel diskutierte Problem mit der aktuellsten Version der Boeing 737 ist ein geradezu typisches Beispiel, wie Vertrauen in Technik nicht nur mit Technik selbst, sondern auch Kommunikation zu tun hat — zwischen

  • Entwicklern im weitesten Sinne (Designern, Ingenieuren, Programmierern, Handbuchautoren, usw.) und direkten Nutzern (Piloten)
  • Technik (Flugzeug und dessen Assistenzsysteme) und Nutzern
  • Betroffene gesellschaftliche Teilsysteme (u.a. Medien, Wirtschaft, Politik — siehe die Diskussionen um das Grounding).

Besonders traurig ist natürlich, dass im Fall des Versagens vor allem zahlreiche komplett machtlose Menschen betroffen sind – die Passagiere und deren Angehörige. Das ist bei Katastrophen mit so komplexen technischen Systemen immer so, aber eben immer wieder schlimm.

Hätte „bessere“ Kommunikation (transparenter, offener, ausführlicher, was auch immer) auf den Ebenen Entwicklung/Nutzung und Technik/Nutzung helfen können?

In Bezug auf das eventuell (mit-?)ursächliche MCAS-System (das das Flugzeug nach unten trimmt, wenn es anhand Sensordaten glaubt, dies wäre nötig) ist auch die Frage, welche Anschlussmöglichkeiten den Piloten in der kritischen Situation wirklich zur Verfügung stehen. In einigen Artikeln im Web wird gesagt, dass (1) das System abgeschaltet werden kann, wenn man die Landeklappen ausfährt (aber dass das während des Steigflugs wohl verhindert wird), und dass (2) Piloten bei fälschlicher automatischer Trimmung nach unten nur das tun müssten, was sie in solchen Fällen seit Jahrzehnten tun würden (so ein Kommentar im Air Facts Journal, der provokant fragt, ob denn Boeing den Piloten trauen könne). Aber ist das so?

Es gibt derzeit nur Vermutungen.

Und eine wachsende Vertrauenskrise.

Zumindest die könnte durch mehr Transparenz eingedämmt werden.

Zeitung lesen in … Wien

Die Recherchen für mein neues kleines Schreibprojekt haben mich nun nach Wien geführt.

Lange Zugfahrt (aber doch viel kürzer als ich 2009 das erste Mal mit dem Zug in Wien war), viel Zeit zum Lesen:

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Sechs deutsche Zeitungen (Volksstimme, Mitteldeutsche Zeitung, Leipziger Volkszeitung, SZ, FAZ, Welt kompakt; die Volksstimme ist davon leider die belangloseste) und zwei österreichische (Standard, Kurier).

 

Zeitung lesen in …

So… Heute Abend versuche ich noch, einige vorletzte Korrekturen an meinem Buch „Die Unschuld der Maschinen“ aka „Technik vertrauen“ vorzunehmen; eigentlich wollte ich die heute abgeben, aber ich musste noch an einem Handbuch für das nächste simulierte Flugzeug von Aerobask arbeiten… Und morgen beginnt dann ein weiteres „Projekt“, mein „Urlaubs-“ oder „Überstunden-Abbau-Projekt“: Ich fahre erst nach Berlin, nächste Woche Rostock und in zwei Wochen nach Wien, um dort jeweils (1) spazieren zu gehen (früher, mit Walter Benjamin, hätte man gesagt: „zu flanieren“ (siehe auch https://de.wikipedia.org/wiki/Flaneur#Begr%C3%BCnder) und um (2) im Kontext der jeweiligen Stadt Zeitung zu lesen. Mal sehen, was daraus am Ende wird. ^^

Konstruktion, Reflexionsgeschichte, Freiraum

„Head Canon“ ist komplett, mit dem nun veröffentlichtem 6. Teil der Reihe: https://www.heise.de/tp/features/Konstruktion-Reflexionsgeschichte-Freiraum-4154725.html

Einen etwas ausführlicheren Blog-Beitrag über die nun abgeschlossene Reihe werde ich bald noch verfassen.

Fünf

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Es gibt ja so Bücher, die einen das ganze Leben über begleiten. Wenn ich vor dem Bücherregal stehe, fällt mein Blick oft zuerst auf diese. Hier sind ein paar Zitate:

Ethan, die begreifen das nicht. Die anderen in meiner Klasse. Man hält mich für eine Faschistin, weil ich Software-Aufbereitungen benutzen will, um Realitäts/Virtualitäts-Überlagerungen zu erzeugen. ‚Mechanistisch, seelenlos, völlig unbedeutend für den Zeitgeist des 21. Jahrhunderts, in dem der Mensch doch in einem Universum der Quantenunschärfe gefangen ist‘, sagen sie.

(Ian McDonald, Schere schneidet Papier wickelt Stein)

„Diplomatie ist die Kunst des Möglichen“, fügte Dr. Tagore hinzu. „Sagte ich das bereits?“ „Ja.“ „Aber nicht die Kunst des Notwendigen. Und daraus folgt: Warum müssen so viele sterben, obgleich es Alternativen zum Tod gibt?“ Dr. Tagore starrte an Krenn vorbei, und Tränen glänzten in seinen Augen.

(John M. Ford, Der letzte Schachzug)

In manchem seien ja die Beamten wie Kinder.

(Franz Kafka, Der Prozeß)

„Die alten Kirschbäume dort … Die Blüte ist schon vorüber, aber weißt du, ich möchte so gerne die Nordbergzedern sehen. Es ist ja nicht weit von Takao. Immer wenn ich sehe, wie gerade und schön sie aufragen, fühle ich mich wie neu geboren. Geh doch mit bis zu den Zedern! An den Nordbergzedern liegt mir viel mehr als am Ahornlaub.“

(Yasunari Kawabata, Kyoto)

„Schau sie dir gut an, Alvin“, sagte er. „Es mag die letzte sein, die man auf Erden zu Gesicht bekommt. Ich habe in meinem Leben außer dieser nur eine gesehen, und in alter Zeit soll der Himmel voll von ihnen gewesen sein.“ Stumm beobachteten sie, und mit ihnen die Tausende auf den Straßen und in den Turmhäusern von Diaspar, bis sich die letzte Wolke aufgelöst hatte, ausgesogen von der heißen, ausgedörrten Luft der Wüste.

(Arthur C. Clarke, Diesseits der Dämmerung)

Konflikt und Krisis

Heute ist nun, etwas später als geplant, Teil drei meiner „Head Canon“-Essayreihe erschienen. Darin fasse ich am Beispiel der New York Times und der Tagesschau einige Beobachtungen zur heute häufigen Kritik an Massenmedien (und deren Reaktionen darauf) zusammen:

In massenmedialen Nachrichtenbeiträgen, Reportagen und Kommentaren werden erstens konkrete Ereignisse erzählt und zweitens übergreifende Narrative erschaffen, fortgeschrieben oder in Frage gestellt. Dies kommt im Klischee des „rasenden Reporters“ zum Ausdruck, der seiner „Story“ nachjagt. Manchmal stellen sich diese Geschichten als ungenau, falsch oder einfach nicht zu den Erwartungen der Rezipienten passend heraus, was zu Kritik und dann Rechtfertigung und Erklärung führen mag. Besonders prägnant lässt sich das an großen politischen Konfliktlinien beobachten, wo den Medien mitunter nur ein unbewusstes Richten nach einem Mainstream vorgeworfen wird, manchmal aber auch bewusstes Verschleiern und eindeutiges Lügen, um irgendwelchen politischen Interessen zu dienen.

Hier geht’s zum Artikel: https://www.heise.de/tp/features/Konflikt-und-Krisis-Partizipativer-Umgang-mit-Massenmedien-3959451.html

Edit: Aber scheinbar ist bei der Veröffentlichung irgendwas durcheinander geraten, der Schluss fehlt. Das kläre ich gerade…

Edit 2: Jetzt ist es vollständig. ^^

Im folgenden vierten Teil beginne ich damit, solche Medienereignisse in ihrer leiblichen Wirkung (im phänomenologischen Sinne) zu betrachten.