Fliegen

Heute war ich nach drei Monaten endlich wieder C42 fliegen. Ingesamt habe ich jetzt ca. 22-23 Stunden (30 sind Minimum). Der letzte Flug war Anfang August von Magdeburg nach Rostock, und das bisherige Highlight: 2×200 km an einem Tag. Danach hatte ich keine Zeit — der „Head Canon“-Essay bei Telepolis musste fertig werden, dann die simulierte C42 von vFlyteAir bzw. meine Handbücher dafür, und dann das Manuskript für mein „Technik vertrauen“-Buch bei Springer. Das waren alles ziemliche Großprojekte neben der normalen Arbeit. Zwischendurch waren wir noch in Norwegen und sind teils bei Windstärke 9 mit dem Postschiff die Hurtigrute entlanggefahren.

Das ist nun alles erledigt und ich habe tatsächlich die seit Mitte 2017 ungewohnte Situation, mal Zeit zu haben. Ich habe zwar schon wieder mindestens drei weitere Ideen, aber ich habe mir vorgenommen, nichts davon anzugehen, bis das Buch im Laden steht. Stattdessen möchte ich die freigewordenen „Ressourcen“ nutzen, meine Flugausbildung voranzubringen. Und wie gesagt, heute war es dann soweit.

Im Buch geht es ja darum, wie wir Technik vertrauen, die wir eigentlich nicht im Detail verstehen oder deren innere Zustände wir nicht einsehen können. Dem Flugzeug als Sachtechnik zu vertrauen, war für mich auch lange eine Herausforderung (insofern ich 2009 eigentlich eine lästige Flugangst entwickelt habe). Wie ich auch in meinem Artikel im aktuellen Fliegermagazin schreibe, hat mir erst Flugsimulation am PC und seit 2017 das echte Fliegen geholfen, damit klarzukommen. Dass ich nach drei Monaten Pause fast selbstverständlich die Vorflugkontrolle mache oder in der Regel 😉 weiß, was ich tue und was das Flugzeug tut, war zu Beginn der Ausbildung fast undenkbar.

Trotzdem gibt es bisher in jedem Flug etwas Neues, was mich dann (je nachdem, was es war) positiv überrascht oder doch noch mal beunruhigt.

Heute war es ziemlich windig aus Süd bis Südwest, sodass wir bei Start und Landung auf der 27 in EDBM recht viel Seitenwind von links hatten. Das ist etwas tricky, weil man ja die Richtung halten muss und nicht will, dass sich eine Tragfläche zu ungünstiger Zeit anhebt. Darum hält man das windzugewandte Querruder ein bisschen in den Wind. Mein Fluglehrer hat mir aber einen weiteren „Trick“ gezeigt, wie man die Wirkung des Seitenwindes beim Start etwas abschwächen kann: man stellt sich an den Rand der Bahn (windabgewandte Seite, also rechter Rand) und zielt beim Starten nicht aufs Bahnende sondern auf eine etwas weiter entfernte Lampe (die zur Runwaybefeuerung gehört) auf der anderen (linken) Seite. Dadurch kommt der Wind dann nicht mehr so sehr von der Seite, sondern in Relation zu uns fast von vorne. Da die Bahn in Magdeburg ziemlich breit ist (jedenfalls was Ultraleichtfliegen angeht) und die C42 nach sehr kurzer Strecke abhebt, kann man das gut machen.

So, das ist im Nachhinein jetzt auch komplett logisch für mich, aber in dem Moment habe ich nicht verstanden, was er meint. Wie, auf die Lampen zielen? Dann fahr ich doch dagegen. (Ich dachte auch, er meint die Lampen auf der rechten Seite…) Er musste es dann vormachen, dann hab ich es kapiert. Der Grund für mein Unverständnis war in dem Moment, dass ich mich (schon gestern beim Üben am PC) so auf das „Mitte der Bahn, Querruder in den Wind“-Schema fixiert hatte, dass ich für alternative Wege der Problemlösung in dem Moment keinen Kopf hatte. Dabei machte der „Trick“ alles viel einfacher.

In der Luft war ich dann positiv überrascht, dass es viel viel ruhiger war als mich der Simulator (X-Plane) mit identischen Wettereinstellungen glauben machen wollte. 17 Knoten Windböen im X-Plane sind sehr wackelig (denn die Böen kommen da scheinbar permanent und stoßweise); beim echten Flug heute war es eigentlich ganz ruhig.

Also ein schöner Flug. Und dann ging auf einmal ein kurzer Ruck mit einem leisen Knall durchs Flugzeug. Keine Turbulenz, sondern was anderes. Fühlte sich an, als hätte uns was von unten getroffen. Früher hätte ich gekreischt: „oh Gott, was war das, was war das????“ aber heute sagte ich (immerhin) nur irritiert: „hä? Was war das denn?“ (Das ist ja schon mal ein Fortschritt 😛 ) Mein Fluglehrer meinte, es war wohl eine Fehlzündung des Motors, die käme schon mal vor. Er machte dann die Vergaservorerwärmung an und damit war das Thema für ihn erledigt. Für mich allerdings nicht, denn jetzt setzte doch der innere „werden wir jetzt alle sterben?“-Modus ein. Ich wurde nicht hektisch oder panisch, aber ich wollte dann halt doch gerne wieder zum Flughafen zurückkehren. In meinen Gedanken setzte sich nämlich das Bild des Motorausfalls fest, und in dem Fall wollte ich zwar hoch genug, aber bereits in Platznähe sein.

Nun, der Motor funktionierte weiterhin, aber meine innere Ruhe war gestört. Das Öl hatte bei der Vorflugkontrolle schon ziemlich dunkel (= alt) ausgesehen… und die Öltemperatur im Flug war laut Lehrer auch etwas niedrig… und dann die eine Fehlzündung. Das machte mir alles Sorgen, denn sowas hatte ich früher noch nie erlebt.

Kurz vor dem Einflug in die Platzrunde war ich jedenfalls viel zu hoch, sodass ich erstmal in einem Kreis Höhe abbauen müsste. Dann flogen wir in den Queranflug (= quer zu dem Bahnende, wo man landen will) und teilten uns die Landung, weil mein Lehrer mir das Landen bei Seitenwind zeigen wollte — ich sollte einfach nur mit dem Querruder die Mitte der Bahn anpeilen, er würde das Seitenruder übernehmen.

Die Landung inkl. des Abfangbogen war dann gar nicht schlecht. Wiederum positiv überraschend sagte mein Lehrer hinterher, er hätte gar nichts gemacht, nur ganz kurz vorm Aufsetzen mal etwas Seitenruder gegeben.

Er hätte jetzt gerne noch den Seitenwind für ein paar weitere Platzrunden genutzt, aber mir reichte es jetzt erstmal. Nicht wegen des Windes (woran ich am Anfang ständig dachte), sondern wegen dieser einen Fehlzündung. Also rollte ich zur Halle, wir unterhielten uns noch etwas über das Phänomen, wie im Internet viel aufgebauscht oder falsch dargestellt wird, dann parkte ich das Flugzeug.

Dass ich wegen dieser kleinen Auffälligkeit für heute aufhörte, war sicher irrational. Und mittlerweile denke ich, wir hätten doch noch weitermachen sollen, aber gut, so isses eben. Nächster Termin ist dann Montag. Jedenfalls wäre das auch ein weiteres gutes Beispiel für „Technik vertrauen“, insofern das auch Vertrauen in Menschen und deren Urteile über Technik angeht. ^^

Botanica (wo mal der Strudelhof war)

Der Nachfolger des Strudelhofs (für drei Jahre mein absolutes Lieblingscafé in Magdeburg) nennt sich Botanica und hat seit ein paar Tagen geöffnet. Heute waren wir das erste Mal da.

Neugierig, ein bisschen skeptisch — aber am Ende sehr froh, dass es genau an dieser Stelle wieder ein Café gibt; dass der Innenraum sehr freundlich und beruhigend wirkt; dass der schöne Innenhof beibehalten wurde; dass das Essen schmeckt (obwohl das eine Umstellung ist: im Strudelhof gab es sehr klassische Fleischgerichte, das Botanica ist vegan), und dass das neue Café insgesamt ein würdiger Nachfolger ist.

Endlich ist diese Lücke in der Stadt gefüllt. Nur ein bisschen früher müsste es aufmachen (zurzeit erst 15 Uhr), damit ich auch nach meinen Frühschichten mal spontan hin könnte…

Buchtipp: „Magdeburg: Architektur und Städtebau“

mdbauStädtebaulich finde ich Magdeburg sehr spannend vom ersten Moment an, seit wir uns im März 2015 hier eine Wohnung gesucht haben. Die Stadt ist ziemlich weitläufig und überall architektonisch vielfältig. Es gibt auch in sich geschlossene Plattenbau-Gebiete aus DDR-Zeiten, aber die sind weit weniger dominant als in manchen anderen Städten Ostdeutschlands (z.B. auch im Vergleich zu Rostock, wo wir früher gelebt haben). Heute habe ich ein Buch gefunden, in dem man diese Vielfalt anschauen, darüber lesen und nachdenken kann: „Magdeburg: Architektur und Städtebau“, herausgegeben vom Stadtplanungsamt.

Nach einem Einleitungsaufsatz im ersten Kapitel, in dem natürlich auch auf die Zerstörungen der Stadt im Dreißigjährigen Krieg und im Zweiten Weltkrieg eingegangen wird, folgt ein sehr langes Kapitel, in dem Stadtteil für Stadtteil die jeweils bemerkenswerten Bauwerke mit Foto und kurzem Text vorgestellt werden. Sehr schön ist, dass dabei auch sehr neue Gebäude sowie Visualisierungen erst geplanter Bauten aufgenommen wurden, das Buch ist also wirklich aktuell. Nach dem zweiten Kapitel schließt sich noch ein kürzerer dritter Abschnitt an, der sich speziell dem „Neuen Bauen“ der 1920er Jahre widmet; davon gibt es ja einige Viertel verteilt über die ganze Stadt.

Visuell ähnelt das Buch einem Katalog, wie er zu Kunstausstellungen üblich ist, d.h. die meisten Bilder sind relativ klein. Dazwischen gibt es jedoch immer wieder größere Fotos, auch einige doppelseitige Großaufnahmen, oft als Luftbild. Einige der Großaufnahmen vermitteln ungewöhnliche Perspektiven und damit ein Bild der Stadt, mit dem man sonst eher nicht rechnet — manches Mal möchte man — kunsthistorisch ganz unbedarft — sagen: „Oh, das sieht ja schön aus“. Schwarz-weiße Stadtplan-Ausschnitte, in denen jeweils die im Buch enthaltenen Bauwerke farbig markiert wurden, sind hilfreich zur Verortung der Gebäude und lockern das Buch auf.

Ich habe mir in den letzten dreieinhalb Jahren diverse Bücher über Magdeburg gekauft, aber dieser Band sticht deutlich hervor. Er ist als Taschenbuch erschienen, aber mit Fadenheftung und dadurch recht haltbar. Die Qualität der Aufnahmen ist sowohl technisch als auch von der Motivwahl her meist sehr gut. Die typographische Gestaltung ist unaufdringlich-angemessen. Insgesamt eine absolute Kaufempfehlung, wenn man sich für Städtebau interessiert — die gerade mal 25 Euro kostet.

Zeitlos

Weit hinten im Elbauenpark gibt es ganz eigenartige zeitlose Formen. Verwinkelte Gänge, gerade Linien, Steinkugeln, tempeleingangsartige Mauern, und alles eingebettet in Wiesen, umgeben von bewachsenen Wällen.

Adé, Strudelhof…

Im Dezember hatte ich noch geschrieben, wie froh ich bin, dass es in Magdeburg das Café „Strudelhof“ gibt. Heute nun (wir saßen gerade drin) haben wir gelesen, dass der Strudelhof bald zu macht. Offenbar zu wenig Gäste. Das macht mich wirklich traurig. In keinem Café habe ich mich bisher so wohl gefühlt, und als wir vor drei Jahren nach Magdeburg gezogen sind, hat der Strudelhof sehr dabei geholfen, uns hier einzuleben. Das ist wirklich sehr sehr schade 😦