De-Digitalisierung

20161220_133237

Das Foto da oben (Ostsee bei Kühlungsborn) hab ich Anfang des Jahres mit meinem Handy (Galaxy S7) aufgenommen. Weil die fotografierten Objekte ziemlich nah an der Kamera waren, ist die Bildqualität auch ganz ‚gut‘ (d.h. recht scharf, Kleinigkeiten wie die Steinchen im Sand sind gut zu erkennen, usw.). Es ist kein besonderes Bild, sondern ein normaler Urlaubsschnappschuss, bei dem man bei normaler Betrachtung guten Gewissens behaupten kann, dass ‚es‘ so eben ausgesehen hat und bei dem man nicht sofort über die digitale Entstehungsweise nachdenkt. Das ist anders als bei Selfies oder anderen Personenaufnahmen, bei denen man z.B. an Augen und Hautbild sofort digitale Einflüsse erkennen kann, ob nun bewusst Filter angewendet wurden oder nicht.

In ihrer (auch sonst lesens- und sehenswerten) Abschlussarbeit „Ästhetik der Zensur“ weist Marion Kliesch darauf hin, dass jedes digitale Foto Produkt elektronischer Verarbeitung ist. Was man am Ende auf Smartphone oder PC sieht, ist in der Regel nicht das ‚reine‘ Abbild der ‚Welt‘ auf dem Bildsensor, sondern wurde bereits durch diverse Algorithmen verarbeitet (schön zusammengefasst hier). Um unbearbeitete Rohdaten zu erhalten (RAW-Format) muss man in der Kamera-App des Handys die „Pro“-Funktion aktivieren. Das ist recht ironisch. Ich will ja nur sehen, wie das Foto ‚an sich‘ aussieht, wie es durch die physischen Eigenschaften von Linse und Sensor erzeugt wird, bevor es aufbereitet wird — sozusagen so, wie ich auch früher laienhaft Fotos geknipst habe und selbst Schuld war, wenn das Bild verwackelt, zu dunkel, oder sonstwas war.

Es ist ziemlich strange, dass man sich heute der Kamera gegenüber als Profi ausgeben muss, wenn man echt laienhafte Ergebnisse haben will. Es wäre wohl einfacher, sich zu de-digitialisieren und eine analoge Kamera zu nutzen.