Auf dem Möbiusband: Kommunikation als Annäherung

Gestern an der Käsetheke: „Guten Tag 🙂 Haben Sie Old Amsterdam nur abgepackt, oder auch frisch?“ — „NEIN!! Nur abgepackt!! UND DER IST AUCH FRISCH!! Den habe ich gerade erst abgepackt!“ — „oh … okay … entschuldigung … . . .“ Hui. Das war mal herzlicher Kundenservice. Aber im Nachhinein fallen einem tausend Gründe ein, warum diese Kommunikationssituation so unbefriedigend verlief, und die haben alle mit Perspektivwechseln zu tun. In meinen Büchern benutze ich dafür zur Verdeutlichung gerne das Möbiusband: Als Kommunikationspartner stehen wir zwar auf einer Seite, aber finden uns doch weit entfernt — wie kommen wir zusammen?

Möbiusband?

Ein Möbiusband ist ein sich verdrehtes Band, das durch die Drehung nur eine durchgehende Seite hat, auf der man sich aber trotzdem getrennt voneinander gegenüberstehen kann. Man kann sich so ein Band leicht selbst aus Papier basteln und das Prinzip mit kleinen Legofiguren (oder Papierkügelchen) nachstellen.

Kommunikation auf dem Möbiusband: Wir stehen zwar auf derselben einen Seite, können aber trotzdem weit voneinander entfernt sein. Wir glauben also, dass wir doch dasselbe wollen, aber unsere Perspektiven können ganz unterschiedlich sein. Wie nähern wir uns an?
Kommunikation auf dem Möbiusband:…

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Kundenservice als Kommunikation statt Kontakt

Meine Kollegin Uta Buttkewitz hat neulich ihre kafkaesken Erfahrungen mit der Hotline ihres Internetanbieters geschildert: stundenlanges Warten — die Weiterleitung von einer Person zur nächsten — die Feststellung, dass ein gebuchter Service trotz Zusicherung doch nicht gebucht wurde — ein erneuter Buchungsversuch, der angeblich gar nicht erlaubt sei, aber trotzdem gemacht würde. Solche Situationen, wo scheinbar die eine Hand nicht weiß, was die andere tut, haben wir wohl alle schon mal erlebt. Gefühlt dauert sowas ewig bis zur Lösung eines Problems. Für ein befriedigendes Erlebnis müsste der ganze Lösungsprozess mit seinen Einzelschritten als konsistente, zielführende Kommunikation wahrgenommen werden, nicht als Reihung unverbundener, offenbar folgenloser Kontakte. Verbindlichkeit, Transparenz und Antizipation helfen dabei.

Ob es um das Internet geht oder die Gesundheit, die Steuer oder das Bankkonto, die Urlaubsplanung oder das seelische Gleichgewicht: Wir suchen uns Hilfe, wenn wir ein Problem nicht selbst lösen können.

Ein Problem lösen heißt, einen…

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Buchankündigung: Nutzerverhalten verstehen — Softwarenutzen optimieren: Kommunikationsanalyse bei der Softwareentwicklung

Im Juni 2020 erscheint bei Springer endlich mein Fachbuch über Kommunikationsanalyse bei der Softwareentwicklung — vorab ist bereits die eBook-Version verfügbar (auch für Kindle). Das Buch ist sozusagen der letzte Teil einer Trilogie zu diesem Thema, das mit der Veröffentlichung meiner Dissertation 2016 begann und 2019 als leicht verdauliches Sachbuch „Die Unschuld der Maschinen“ aufbereitet wurde. Mein neues Fachbuch ist nun die praktische Essenz aus meiner damaligen Untersuchungsmethodik.

Hier der Klappentext:

Software muss nicht nur technische Definitionen, Standards und Normen erfüllen, sondern von ihren Benutzern auch entsprechend wahrgenommen werden. Nutzer und Käufer erwarten eine bestimmte Leistung, die zu den eigenen Zielen passen muss und es ist Aufgabe der Softwareentwickler, diese Leistung zu liefern.

Da es hierbei nie eine vollständige Passung geben kann, entsteht ein Kommunikationsproblem – ein Kommunikationsproblem zwischen Menschen, das noch zu selten ernstgenommen wird. Über bekannte Ansätze hinausgehend zeigt das Buch anhand vieler praxisnaher Beispiele ein Verfahren…

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Corona-Müdigkeit

Vor knapp einer Woche ist die Corona-Krise in Deutschland richtig ernst geworden und ein Ende ist nicht in Sicht. Am schlimmsten finde ich persönlich gar nicht die Sorge vor einer eigenen Ansteckung, sondern den medialen Lärm, der sich in Berichten und Leser*innen-Kommentaren unter Berichten ausbreitet. Leiblich, im phänomenologischen Sinne, fühlt sich das für mich an wie ein dumpfer (metaphorischer) Subwoofer, der am Rande der Wahrnehmungsschwelle vor sich hin wummert, ab und zu unterbrochen von … einem ebenso metaphorischen Fiepen, wenn es besonders panisch wird. Sehr unangenehm also.

Während ich daher in den ersten Tagen stundenlang jeden nur verfügbaren Artikel in Zeit, Spiegel, Süddeutsche, taz und FAZ zum Thema gelesen und den Fehler gemacht habe, auch die Kommentare darunter zu lesen, hat mein Interesse daran merklich nachgelassen. Letzten Endes gibt es nur eine wichtige Sache: Hände waschen, Abstand halten, informieren ob es schon die Ausgangssperre ™ gibt.

Überhaupt, die Ausgangssperre

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Kanon und Computerspiele

Bei GameStar Plus habe ich heute einen Artikel über die Bedeutung des Kanons für die Geschichten von Computerspielen veröffentlicht — warum wir so an vertrauten Geschichten hängen und spätere Änderungen daran (z.B. durch „Retcons“) oft nicht mögen (sodass wir manchmal den offiziellen Rechteinhabern eines Franchise am liebsten das Recht absprechen würden, die lieb gewonnene Geschichte zu verändern …) Gilt natürlich nicht nur für Spiele, sondern auch andere Erzeugnisse der Popkultur.


Weitere Überlegungen zu dem Thema gibt es auch in meiner etwas älteren „Head Canon“-Essay-Reihe, die ich bei 2017-2018 bei Telepolis veröffentlicht hatte:

  1. Der Kanon im Kopf. Medien im epikritischen Zeitalter(05.11.2017)
  2. „Sie haben uns angelogen“: Kanon und Head Canon in „Star Trek: Discovery“ und „The Elder Scrolls“(26.11.2017)
  3. Konflikt und Krisis: Partizipativer Umgang mit Massenmedien(11.02.2018)
  4. New York Times lesen in Magdeburg: Leib, Stadt und Medien(04.03.2018)
  5. Das dynamische Lokale(02.09.2018)
  6. Konstruktion, Reflexionsgeschichte, Freiraum(09.09.2018)

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Die Verbitterung der Utopie? Star Trek: Picard

Heute lief die erste Folge der Serie Star Trek: Picard bei Amazon Prime. Wir sehen einen sehr alten, sehr müden Admiral a.D. der, wie er am Ende der Folge bemerkt, auf seinem Weingut auf den Tod gewartet hat. Er ist immer noch enttäuscht von der Sternenflotte, die ihn nicht unterstützt hat beim Versuch, Milliarden von Romulanern vor den Folgen einer Supernova zu retten — bloß weil es sich bei ihnen um einen Feind handelte. Der unerwartete Hilferuf einer jungen Frau, Dajh, weckt Picard aus seiner Verbitterung; er entscheidet sich, noch einmal auf eine Mission zu gehen, die ihm zunächst vor allem aus persönlichen Gründen wichtig ist.

Als ich klein war, da war noch DDR und ich im 1. Schuljahr. Zu dem Zeitpunkt, 1987, also mit sieben Jahren, hatte ich keinen Zweifel, dass wir in dem gerechtesten und friedlichsten Land der Welt lebten. Diese Naivität lag nicht nur an meinem Alter…

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Ankündigung: Der erste Band der Reihe „Über/Strom – Wegweiser durch digitale Zeitalter“ erscheint im Frühjahr 2020

Der erste Band der Reihe „Über/Strom – Wegweiser durchs digitale Zeitalter“, begleitet durch das gleichnamige Blog, erscheint im Frühjahr 2020:

Buttkewitz, Uta: „Smiley. Herzchen. Hashtag. Zwischenmenschliche Kommunikation im Zeitalter von Facebook, WhatsApp, Instagram @ Co.

Klappentext

Lieber eine schnelle Sprachnachricht als ein persönlicher Anruf, ein Smiley statt eines Grußes – die Kommunikation verändert sich im digitalen Zeitalter. Kommunikation wird unverbindlich, aber gleichzeitig steigt der Kommunikationsdruck durch soziale Medien und Netzwerke. Wir stehen unter Druck, jederzeit schnell zu kommunizieren. In Ruhe einen Kaffee trinken, die Aussicht genießen? Geht nicht, jede WhatsApp muss umgehend beantwortet werden und die Likes unter dem Foto zählen mehr als der Genuss des Augenblicks. Viel zu kurz kommt bei all dem die zwischenmenschliche Kommunikation.Dieses Buch zeigt, wie aktuelle Kommunikationsmedien wie WhatsApp, Facebook oder Instagram die zwischenmenschliche Kommunikation beeinflussen und wie diese Veränderungen unsere Beziehungen und unser gesellschaftliches Zusammenleben schleichend verändern. Die Verfügbarkeit einer Vielzahl…

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Technik verstehen — statt blind zu vertrauen

Dank immer vernetzterer Technologien wird unsere Alltagswelt immer ’smarter‘, ’schlauer‘. Sie versucht, unsere Bedürfnisse vorausahnend zu erfüllen. Dabei scheint sie zumindest oberflächlich immer einfach zu bedienen zu sein. Trotzdem verstehen wir oft nicht, was ‚das Ding‘ da gerade tut — oder was sich ‚die Entwickler‘ da eigentlich gedacht haben.

Mitunter frustriert das, manchmal belustigt es, aber eigentlich soll der Umgang mit Technik vor allem eines sein: einfach. „Einfach einschalten und loslegen“ ist ein Versprechen, das bei Vermarktung und Verkauf von Technik gegeben wird. Wir sollen uns nicht kümmern müssen und da sind wir ganz froh drüber. Technik soll uns schließlich helfen und nicht zusätzliche Arbeit machen.

Natürlich wissen wir, dass Technik ausfallen kann. Das verdrängen wir im Alltag aber häufig. Erst wenn wirklich etwas ausfällt müssen wir uns dem stellen. Meistens verstehen wir von der jeweiligen Technik aber zu wenig, oder es ist gar keine Interventionsmöglichkeit vorgesehen, selbst wenn wir…

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Buchmessen-Wochenende #4: Solipsismus

Mein Vortrag war ja auch. Ich befürchte, meine Lektorin musste davor etwas unter einem meiner Aufregung geschuldeten Laberflash leiden, den ich kurz vorher hatte. Dann gingen wir zur Bühne, es kamen tatsächlich Leute, die sich setzten, ich erzählte was, und las sogar eine halbe Seite vor, und es wurden immer mehr. Das Publikum war nett, schaute konzentriert, nickte interessiert, schmunzelte an den richtigen Stellen, und am Ende durfte ich sogar ein Exemplar des Buches signieren. Ich. Krass. Schöne Erinnerung.

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