hotel

Hotelketten, bei denen die Zimmer ortsübergreifend so gut wie identisch aussehen, haben Ähnlichkeit mit den Begrüßungs- und Menüräumem virtueller Realität. Vor ca. drei Monaten war ich in einem Motel One in Berlin, gerade bin ich in einem Motel One in Rostock, und beide Zimmer sind komplett austauschbar. Nur der Ausblick aus dem Fenster ist ein anderer. Das ist, als hätte man sich unter einer VR-Brille nur einen anderen künstlichen Ausblick eingestellt. Als könnte man mit einem Augenzwinkern, in einem Augenblick den Ort wechseln.

DSGVO (2)

Ich habe jetzt mal einen der diversen Impressums- und Datenschutz-Generatoren, die von diversen Rechtsanwalts-Websites angeboten werden, benutzt, um eine Datenschutzerklärung zu basteln, die halbwegs auf bei WordPress.com gehostete Blogs passt. Ich habe dem noch eine persönliche Vorbemerkung vorangestellt, die darauf hinweist, dass eigentlich Automattic (die Firma hinter WordPress.com) die Daten erhebt. Das Problem hierbei ist, dass Automattic in den USA sitzt und wann immer Sie meinen Blog aufrufen, automatisch Daten in die USA schicken, mindestens IP-Adresse und Referrer, und wer weiß, was sonst noch (ich weiß es nicht; aber eventuell Automattics Datenschutz-Erklärung).

Wenn man bei wordpress.com einen der kleinen Tarife („Personal“ oder „Premium“) nutzt, hat man keine Möglichkeit, die von WordPress installierten Plugins zu ändern oder andere, datenschutzfreundlichere Plugins zu installieren. So kann man meines Wissens auch die Nutzung der Google-Schriftarten nicht abstellen, die für sich schon eine weiteres Datenschutzproblem darstellen (bei einem selbst gehosteten WordPress-Blog ginge das). Das einzige, was ich in den Einstellungen meines WordPress-Accounts abstellen konnte, waren die Buttons zum Teilen eines Beitrags bei Facebook und ähnlichen Diensten. Es ist etwas schade, dass WordPress.com hier so wenig Anpassungsmöglichkeiten bietet.

So habe ich nun die etwas skurrile Situation, dass ich persönlich als Betreiber dieses Blogs kaum Daten erhebe und auch kaum sehen kann, was WordPress / Automattic erhoben hat (und ich will auch gar keine Daten von Lesern sehen), aber trotzdem eine endlos lange Datenschutzerklärung brauche, deren Wirksamkeit am Ende doch zweifelhaft ist. Muss man am Ende ein Blog eines in der EU lebenden Betreibers auf einem in der EU stehenden Server selbst hosten, um auf der sicheren Seite zu sein? Wir werden sehen, ob das halbwegs ausreicht, oder ich doch noch auf eine statische Website ausweichen werde.

DSGVO

Ich habe mich gerade zur bald in Kraft tretenden DSGVO belesen. Es ist in Anbetracht der zu erwartenden Abmahnwelle wohl das beste, diesen Blog hier durch eine simple statische HTML-Seite ohne Social-Media-„Gedöns“ zu ersetzen…

Adé, Strudelhof…

Im Dezember hatte ich noch geschrieben, wie froh ich bin, dass es in Magdeburg das Café „Strudelhof“ gibt. Heute nun (wir saßen gerade drin) haben wir gelesen, dass der Strudelhof bald zu macht. Offenbar zu wenig Gäste. Das macht mich wirklich traurig. In keinem Café habe ich mich bisher so wohl gefühlt, und als wir vor drei Jahren nach Magdeburg gezogen sind, hat der Strudelhof sehr dabei geholfen, uns hier einzuleben. Das ist wirklich sehr sehr schade 😦

 

The Center Everywhere

In ihrem Blog „A Light Circle“ geht M.P. Baecker von dieser momenthaften Erkenntnis aus, dass all die fremden Menschen um einen herum auch alle ein ganzes eigenes Leben mit allem, was dazu gehört haben; was momenthaft ganz unglaublich erscheinen kann, und wofür das „Dictionary of Obscure Sorrows“ das Wort „sonder“ verwendet: „the realization that each random passerby is living a life as vivid and complex as your own“ (http://www.dictionaryofobscuresorrows.com/post/23536922667/sonder). In ihrem lesenswerten Essay kreist Baecker um diese Beobachtung und um die Subjektivität der Wahrnehmung der Welt, in deren Zentrum man immer sich selbst setzt.

A Light Circle

My husband used to tell me a little story I have since cherished that occurred on the day I first arrived in Germany ten years ago. My flight out of New York had been abruptly delayed by a few hours, so he had to wait for me in the airport lobby for quite a while. He sat quietly, puzzling over the joyous enigma of my visit, and as the time slowly passed, he found himself staring at the endless procession of cars moving along the many overlapping roadways surrounding the low, narrow building. It had been a dark, rainy winter evening. I imagine the passing headlights cast glimmering circlets on the wide, rain-studded windows in front of him. The lights brightening into glaring cone-like flashes as they neared, only to shrink back into facetted spheres, narrowing down to pinpoints, eventually fading back into darkness as the cars sped away one…

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Pieksen Sie den Router! (Teil 2)

Dies ist die Fortsetzung zu: https://mdonick.com/2017/10/17/pieksen-sie-den-router-sie-fuehlen-sich-danach-besser/

V Verstehen

(1) Wenn ein Gerät kaputt zu sein scheint (und außer bei offensichtlichen Schäden oder Fehlverhalten ist das oft nur eine Annahme, die von Lebenserfahrung und sozialen Faktoren gestützt wird) — wenn also bei einem „Defekt“ einem der nette Hotline-Mitarbeiter einen Austausch anbietet, fühlt sich das zunächst beruhigend an. Die simple Hoffnung ist, dass ja nur selten gleich zwei Geräte denselben Fehler aufweisen; die Hoffnung selbst hilft bereits, den unangenehmen Druck des Nicht-Funktionierens auszuhalten.

(2) Doch wie groß ist dann die Enttäuschung, wenn auch beim Tauschgerät das Problem nicht behoben ist! Da stellt man dann fest, dass der Austausch doch bloß eine Verdrängung des Problems war, keine Lösung (siehe Rainer Kuhlens Kategorien in Abschnitt III). Erkennt man, dass ein technisches Problem durch einfache Maßnahmen nur verdrängt, aber nicht gelöst wurde, folgt oft Verweigerung: Man hat keine Lust mehr, man ist frustriert, man will sein Geld zurück, usw. Man wechselt das Produkt, geht etwa von Word zu LibreOffice, vom PC zum Mac, von der Telekom zu Vodafone, von der PlayStation zur X-Box, von X-Plane zu Prepar3D, usw. nur um auch dort irgendwann technischen Problemen gegenübersteht, die man nicht lösen kann.

(3) Die bittere Wahrheit ist: Selbst wenn Technik als „einfach“ und quasi gedankenlos nutzbar beworben wird — sie ist es nicht, oder nur solange, wie es zu keinen Problemen kommt. Leider kommt es immer irgendwann zu Problemen, denn nicht jede potenzielle Nutzungssituation und Nutzererwartung ist bei der Entwicklung von Technik vorhersehbar. Wenn man aber dauerndes Verdrängen oder Verweigern nicht als sinnvolle Möglichkeit ansieht, dann muss man Technologie verstehen lernen. Das ist der einzige Weg, dem Gefühl der Ohnmacht gegenüber technischen Problemen, des Ausgeliefertseins gegenüber Herstellern und Hotlines, entgegenzutreten.

(4) Technologie verstehen — wie soll das gehen, wenn, wie in Abschnitt II beschrieben, selbst die Entwickler ihre Produkte nicht mehr vollständig überblicken können? Hier ist der Unterschied wichtig: Konkrete Technik, also das einzelne sachtechnische Artefakt, kann man nur soweit verstehen, wie man Eingriffsmöglichkeiten hat und über diese informiert ist (oft kann man ja mehr machen, als man ahnt). Doch Technologie, die Technik zwar zugrunde liegt, aber auch eine Reflexionsform zu Technik ist, kann man sehr wohl verstehen lernen.

(5) Das klingt nach Studium, aber in der Praxis umfasst das ganz einfache Verhaltensweisen, die man im technischen Support auch immer wieder empfiehlt, die aber gerade frustrierte Nutzer nur ungern umsetzen möchten — sei es aus Angst, etwas falsch zu machen; sei aus Trotz, weil man nicht einsehen will, dass man selbst Verantwortung trägt, wenn man Technik nutzt; oder sei aus der trotz allem vorhandenen Überzeugung, die Fehlerursache zu kennen.

Ein ausgedachtes, aber doch typisches Beispiel: „Mein WLAN bricht immer ab. Mein Handy verliert die Verbindung zum Router.“ Hm, probieren Sie doch mal, den Router woanders hinzustellen. „Das geht aber nicht!! Der steht hinter dem Sofa, damit man die Lampen nicht sieht!“ Aha. Die Lampen sind aber … egal. Gut, dann versuchen wir eben, ein paar Einstellungen im Router zu verändern. „Das kann ich nicht.“ Doch, können Sie. Wir machen das zusammen. „Für sowas habe ich keine Zeit. Ich erwarte, dass Sie mir jemanden schicken, der die Leitung prüft. An dem Verteilerkasten vor dem Haus war neulich ein Techniker, seitdem bricht das WLAN am Handy immer ab.“ Aber WLAN-Abbrüche haben nichts mit der Leitung zu tun. „Doch.“ *seufz* Fehlt nur noch das „WLAN-Kabel“ …

(6) Beispiele wie dieses könnte man hundertfach konstruieren, für jedes Feld, in dem Menschen Technik nutzen, die sie nicht verstehen. In dem Beispiel betrifft das Verständnisproblem mehrere Dinge: (a) Was ist WLAN? (b) Was kann man von WLAN erwarten? (c) Wie kann man dafür sorgen, dass die Erwartung erfüllt wird? Diese drei Punkte zu klären, betrifft vor allem das Feld Technologie und nur zum Schluss die konkrete Sachtechnik. Verallgemeinert: (a) Was ist diese Technologie? (b) Was kann man von dieser Technologie erwarten? (c) Wie kann meine konkrete Sachtechnik ‚zu Hause‘ diese Erwartung erfüllen?

(7) Anders als bei mancher Sachtechnik sind die zum Verständnis von Technologien nötigen Informationen meist umfassend vorhanden. Handbücher, Hilfeportale im Internet, Zeitschriftenartikel, das alles gibt es. Doch die Bereitschaft, sich auf Unbekanntes einzulassen, muss vorhanden sein. Hat man erkannt, dass man selbst Verantwortung trägt, dann hat man einen Ansatzpunkt, auch geschlossene technische Artefakte bewusster zu verwenden. Und womöglich festzustellen: So geschlossen, wie sie einem erscheint, ist die Technik vielleicht gar nicht. Oder so kaputt, wie man erst dachte.

Fortsetzung folgt.