Linux und Skyrim

Das Schreiben meines Buches „Technik vertrauen“ (erscheint 2019 bei Springer) hat mich dazu geführt, Windows 10 durch Linux (Ubuntu 18.04) zu ersetzen. Ubuntu ist jetzt auch nicht gerade das independent-mäßigste Linux, sondern selbst mit kommerziellem Hintergrund, dennoch ist die Kontrolle, die man dadurch über den eigenen Computer gewinnt, wesentlich wesentlich stärker. Ich hatte Ubuntu früher schon zu Dissertations-Zeiten benutzt, aber dann war ich doch eine ganze Weile mit Windows unterwegs. Aber das Befürfnis, mich davon wenigstens ein bisschen freizumachen, wuchs immer mehr (eben auch während des Schreibens des genannten Buches) und so habe ich neulich Windows komplett runtergeworfen und Linux installiert. Der Flugsimulator X-Plane, den ich auch nebenberuflich brauche, läuft sowieso unter Linux, und auch Software wie LibreOffice und GIMP habe ich eh schon unter Windows genutzt. Von daher war der Umstieg kein Problem. Aber es gab eine Sache (wirklich nur eine), die ich vermisst habe, und das war The Elder Scrolls Skyrim.

Die Welt der Elder Scrolls ist meine liebste Fantasy-Welt, weil ihre Landschaft und ihre teils sehr skurrile Hintergrundgeschichte ziemlich einzigartig und stellenweise sehr faszinierend ist. Daher war es mir schon wichtig, das Spiel weiter benutzen zu können. Es gibt andere Elder-Scrolls-Spiele, die individueller (Morrowind) oder landschaftlich abwechslungsreicher (Online) sind, aber Skyrim mag ich nach wie vor am liebsten.

Skyrim habe ich in Steam sowohl in der normalen als auch in der Special Edition. Über Steam Play kann man beide unter Linux installieren, indem man in den Steam-Einstellungen festlegt, dass man auch offiziell nicht unterstützte Spiele nutzen will:

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Das „Compatibility Tool“ namens Proton ist nichts weiter als eine vorkonfigurierte Version von WINE. Mit WINE kann man schon seit Jahren Windows-Programme unter Linux ausführen, muss bei Spielen aber oft viel basteln. Tools wie Play On Linux oder Lutris erleichtern diesen Vorgang, Steam Play ist im Prinzip nichts anderes, aber man muss halt nicht den Windows-Client von Steam installieren, sondern man kann die Windows-Spiele direkt vom Linux-Client aus verwenden. Das sieht fast normal aus, außer dass es neben dem „Spielen“-Button einen kleinen Hinweis gibt:

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Wie man auf dem Screenshot sieht, nutze ich die normale Version von Skyrim, nicht die Special Edition. Eigentlich ist letztere die bessere, weil sie u.a. eine 64-Bit-Anwendung ist und dadurch viel mehr Arbeitsspeicher nutzen kann. Ich habe auch probiert, sie mit Steam Play zu verwenden, aber es gibt dann Probleme mit der Tonausgabe, die ich nicht vollständig lösen konnte (aller Tipps und Tricks, die es dazu im Internet gibt, haben nicht geholfen). Die normale Version von Skyrim hingegen hat diese Probleme nicht.

Als Grafikkarte steckt eine ältere NVidia GTX960 in meinem PC. Die läuft mit NVidias offiziellem Treiber in Version 3.96 recht gut — insgesamt langsamer als unter Windows, aber so, dass man Skyrim in maximalen Einstellungen spielen kann. Man muss den Treiber vorher nur installieren (was in Ubuntu 18.04 mit ein paar Mausklicks erledigt ist):

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Damit läuft Skyrim stabil und stundenlang ohne Abstürze, inklusive Mods. Neben dem Basisspiel und den offiziellen DLCs (Dawnguard, Dragonborn und Hearthfire) habe ich folgende Mods installiert:

  • Beyond Skyrim: Bruma (ergänzt die Welt um den nördlichen Teil Cyrodiils rund um die Stadt Bruma)
  • Beyond Reach (ergänzt die Welt um den östlichen Teil High Rocks rund um die Stadt Evermore)
  • Summerset Isle (ergänzt die Welt um die Provinz Summerset)
  • Forgotten City (eine große unterirdische Stadt mit einer Geschichte, deren Autor dafür einen Preis gekriegt hat)

Das sind jeweils riesige neue Gebiete, die gut zum Grundspiel passen und sich wunderbar einfügen. Für unverzichtbar halte ich außerdem diverse Mods, die aus Skyrim ein Survival-Spiel machen:

  • Frostfall (man muss sich warm halten durch Kleidung, Feuer u.ä.)
  • Realistic Needs and Diseases (man muss essen und trinken)
  • Hunterborn (wenn man Wildtiere jagt, erhält man nicht automatisch irgendwelche Gegenstände wie Nahrung und Fell, sondern man muss Zeit investieren, um sie zu verarbeiten)
  • Campfire (man kann Zelte, Schlafsäcke usw. kaufen und Lagerfeuer machen)

Dazu kommen diverse kleinere Mods, wie der Unofficial Skyrim Patch (verbessert hunderte Fehler und Kleinigkeiten), SkyUI (bessere Benutzeroberfläche), Skyrim Script Extender (nötig für die ganzen Survival Mods und SkyUI, außerdem verbessert er das Speichermanagement des Spiels), Alternate Start (für unterschiedliche Möglichkeiten, das Spiel zu beginnen), diverse Modifikationen für das Winterhold College und andere kleine Sachen.

Mehr als das braucht man eigentlich nicht. Auf aufwendige Grafikmods (oder auch nur die offiziellen optionalen hochauflösenden Texturen) würde ich verzichten, da die normale Version von Skyrim nicht so viel Speicher adressieren kann und das Spiel ehrlich gesagt auch so immer noch sehr atmosphärisch aussieht. Rein technisch gibt es heute natürlich bessere Spiele, aber an sich kann sich Skyrim nach wie vor sehen lassen.

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Wer also möchte ich diesmal sein …?

Kanon der Ungewissheit

In Kapitel 5 von „Technik vertrauen“, das ich gerade schreibe, habe ich sie alle nochmal aufgezählt. Zitat aus meinem Manuskript:

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Neben Dirk Baecker haben in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren zahlreiche andere Forscher, Philosophen, Journalisten und Essayisten […] Beschreibungen [zu aktuellen und auch künftig wirksamen gesellschaftlichen Veränderungen] vorgelegt. Der Soziologe Andreas Reckwitz sprach in seiner großen, gleichnamigen soziologischen Arbeit von der „Gesellschaft der Singularitäten“ (Reckwitz 2017). Der durch die „Risikogesellschaft“ bekannte Soziologe Ulrich Beck nahm kurz vor seinem plötzlichen Tod noch einmal die Risiken der digitalen Welt in den Blick (Beck 2017). Der GEO-Chefredakteur Christoph Kucklick vermutete in seinem Buch „Die granulare Gesellschaft“, dass wir uns auf dem Weg in eine „Kontrollgesellschaft“ befinden (Kucklick 2016). Der Soziologe Helmut Willke urteilte schon vor 16 Jahren, dass es in der „Wissensgesellschaft“ darauf ankäme, „das zu Wissen komplementäre Nichtwissen zur Kenntnis zu nehmen“ (Willke 2002). Der Philosoph Byung-Chul Han versammelte unter den Oberbegriff „Transparenzgesellschaft“ in äußerst kulturkritischer Sicht gleich mehrere weitere Gesellschaftsbegriffe, die verschiedene Missstände der Digitialisierung ausdrücken sollen (Han 2013). Der Journalist Christian Schuldt skizzierte am Ende seiner kleinen Luhmann-Einführung die „Netzwerkgesellschaft“ (Schuldt 2017). Der Philosoph und Übersetzer Maximilian Probst dachte letztes Jahr in fast literarisch anmutender Tagebuchform über die Rolle von Verbindlichkeit in der heutigen Zeit nach (Probst 2017). Und selbst ich konnte dem Reiz, unsere Zeit mit einem spezifischen Begriff zu belegen und einen bescheidenen Beitrag zu diesem Kanon der Ungewissheit zu leisten, nicht widerstehen: In meiner Essay-Reihe „Head Canon“ schrieb ich über das „epikritische Zeitalter“, das ich deshalb so nannte, weil Medien zunehmend als zuspitzend (epikritisch , in einem leibphänomenologischen Sinne) sind – sie bedrängen zu einer Entscheidung und versuchen, mögliche Alternativen einzuengen, in einer Zeit, in der das Treffen sicherer Entscheidungen so schwierig und eher eine Ausweitung der Möglichkeiten — im Sinne des konstruktivistischen ethischen Imperativs, den Heinz von Foerster formuliert hatte, vgl. Kapitel 3 — angebracht ist (Donick 2018).

Botanica (wo mal der Strudelhof war)

Der Nachfolger des Strudelhofs (für drei Jahre mein absolutes Lieblingscafé in Magdeburg) nennt sich Botanica und hat seit ein paar Tagen geöffnet. Heute waren wir das erste Mal da.

Neugierig, ein bisschen skeptisch — aber am Ende sehr froh, dass es genau an dieser Stelle wieder ein Café gibt; dass der Innenraum sehr freundlich und beruhigend wirkt; dass der schöne Innenhof beibehalten wurde; dass das Essen schmeckt (obwohl das eine Umstellung ist: im Strudelhof gab es sehr klassische Fleischgerichte, das Botanica ist vegan), und dass das neue Café insgesamt ein würdiger Nachfolger ist.

Endlich ist diese Lücke in der Stadt gefüllt. Nur ein bisschen früher müsste es aufmachen (zurzeit erst 15 Uhr), damit ich auch nach meinen Frühschichten mal spontan hin könnte…

Neues Buch von Dirk Baecker: 4.0

Der Soziologe und Kulturwissenschaftler Dirk Baecker hat schon in der Vergangenheit über die „Computergesellschaft“ oder allgemeiner „die nächste Gesellschaft“ geschrieben. Baeckers Beobachtungen und Thesen (unbedingt lesen!) gründen auf einer systemtheoretischen Tradition in der Nachfolge Niklas Luhmanns. Für meine Doktorarbeit waren sie wichtiger Hintergrund, und auch in meinem kommenden Buchprojekt „Technik vertrauen“ gehe ich darauf ein. Nun hat Baecker ein neues Buch veröffentlicht, das den vielversprechenden Titel „4.0, oder Die Lücke, die der Rechner lässt“ trägt. In seinem Blog postet Baecker eine Inhaltsangabe.

Done, WIP & TODO (09/2018)

Erledigt:

In Arbeit:

TODO:

  • immer noch: Essay zur Geschichte von Ethnomethodologie und Luhmann’scher Systemtheorie, und was davon heute noch relevant ist

Konstruktion, Reflexionsgeschichte, Freiraum

„Head Canon“ ist komplett, mit dem nun veröffentlichtem 6. Teil der Reihe: https://www.heise.de/tp/features/Konstruktion-Reflexionsgeschichte-Freiraum-4154725.html

Einen etwas ausführlicheren Blog-Beitrag über die nun abgeschlossene Reihe werde ich bald noch verfassen.