Überwältigungsmechanik — allein im unmöglichen Kunst-Raum (Die virtuelle Kremer Collection, Teil 2)

Über/Strom

Architektur ist wichtig für die Entstehung von örtlicher Präsenz. Örtliche Präsenz ist, in Anlehnung an den Begriff sense of place, eine subjektive Wahrnehmung, die mehr als bloße Anwesenheit in einem Raum meint. Örtliche Präsenz heißt, den technisch definierten Raum zu einem bedeutungsvollen Ort zu machen oder ihn so wahrzunehmen. Örtliche Präsenz ist damit eine subjektive Wahrnehmung und eine soziale Konstruktion. In ‚der echten Welt‘ konnte die Menschheit über Jahrtausende an der Rolle von Architektur für die Entstehung des sense of place und entsprechender leiblicher Dynamiken arbeiten. In virtuellen Welten hingegen, die sich prinzipiell nicht an Naturgesetze gebunden fühlen müssten, entwickeln sich Formen und Funktionen erst noch. Aus Sicht der Besucher*innen solcher Experimente kann dies mal enttäuschen und mal überwältigen.

Sense of Place im Museums-Nachbau

Viele Virtual-Reality-Umsetzungen von Museen und Ausstellungsräumen orientieren sich an echten Vorbildern und erzeugen so eine oft wirkungsvolle Illusion der Präsenz an diesen Orten.

Das…

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Museum zum Mitnehmen: Die virtuelle Kremer Collection (Teil 1 von 3)

Über/Strom

Eine beliebte Form von Virtual-Reality-Anwendungen sind virtuelle Darstellungen von Museen; vor ein paar Jahren schrieb ich über das Museum im Zeitalter seiner Virtualisierbarkeit und sie waren Thema meines Buches Die Form des Virtuellen (2016). Ein interessantes Projekt, das es damals noch nicht gab, ist The Kremer Collection, in der ein niederländischer Sammler seine Sammlung in einem virtuellen Museum zugänglich macht — in einer technisch sehr hohen Qualität. Dies wirft erneut Benjamins Frage nach der Reproduzierbarkeit von Kunst auf.

Das Museum, in dem ich mich befinde, steht an keinem Ort. Obwohl es von einem Architekten gestaltet wurde (Johan van Lierop), befindet es sich nicht in einer wirklichen Stadt. Die 74 Kunstwerke, die hier ausgestellt werden — alles niederländische und flämische Alte Meister, sogar ein ‚echter‘ Rembrandt ist darunter — sind in dieser Form nie zusammen zu sehen gewesen. Diese Zusammenstellung gibt es nur in der virtuellen Realität…

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Vortrag auf der Frankfurter Buchmesse am 20.10.2019

Ich bin gerade sehr gut gelaunt, denn dieses Jahr werde ich mein Buch „Die Unschuld der Maschinen“ auf der Buchmesse in Frankfurt vorstellen. Nach Frankfurt wollte ich sowieso schon immer mal fahren, und dass das nun auf diese Weise möglich ist, finde ich natürlich toll.

Mein Beitrag findet am Sonntag, 20.10. zwischen 11:30 und 12:00 in Halle 4 statt, auf der sog. „EDU Stage“, einem Bereich, der Bildungsthemen gewidmet ist.

Projekt: Über/Strom — Blog und Buchreihe

Ich habe in den letzten Wochen ab und zu Sachen „rebloggt“, die in einem neuen Blog- und Buchprojekt erscheinen, das von Dr. Uta Buttkewitz (Universität Rostock) und mir herausgegeben wird. Das Projekt trägt den Titel „Über/Strom — Wegweiser durchs digitale Zeitalter“ und ist auf zehn Jahre angelegt — sozusagen auf die „neuen Zwanziger Jahre“, also 2020 bis 2030. Wir gehen von der These aus, dass im kommenden Jahrzehnt wichtige Weichenstellungen in technologisch-gesellschaftlicher Hinsicht geschehen werden. Über/Strom ist eine Buchreihe, die zu aktuellen medientechnischen Entwicklungen dieser Zeit und vor allem zu deren ganz lebensweltlichen, auch alltagspraktischen Folgen für Individuum und Gesellschaft Stellung nimmt. Verschiedene Autor*innen nehmen dabei aus ihrer je eigenen wissenschaftlichen Perspektive ein konkretes Thema in den Blick.

Die Reihe ist Technik nicht abgeneigt, im Gegenteil sind wir davon durchaus fasziniert. Verbindendes Element ist aber die Wahrnehmung, dass die Gesellschaft durch immer neue Variation technologischer Entwicklung und neue unerwartete Technikfolgen, metaphorisch gesprochen, unter Strom steht. In unserer Beschreibung des Projekts drücken wir das wie folgt aus:

„Die Welt scheint in rasendem Tempo zu drehen, und wir sind mittendrin in diesem Flirren. Aber wo genau? Die Beiträge der Buchreihe und begleitend die Blogbeiträge beschäftigen sich unter anderem mit folgenden Fragen:

  • Verändern sich menschliche Beziehungen, und wenn ja, wie?
  • Welchen Stellenwert hat heutzutage noch das ‚alte‘ Analoge?
  • Wie können wir mit Künstlicher Intelligenz leben?
  • Wo bleiben nicht-männliche (weibliche, diverse, *) Blicke auf die Digitalisierung?
  • Wie verändern sich Arbeitsbedingungen und Arbeitsverhältnisse?
  • Wie lässt sich persönliche Identität in einer projektbezogenen Arbeitswelt stabil halten?
  • Was heißen Inklusion und Diversität in einer ‚smarten‘ globalen Gesellschaft?
  • Wie helfen uns Erzählungen, Geschichten, Mythen heute noch?“

Obwohl die ersten Bücher der Reihe bereits konzipiert sind, sind wir offen für Vorschläge, die auch gern interdisziplinär sein dürfen — gerade die Verbindung von Geisteswissenschaften mit Technik und/oder Naturwissenschaften ermöglicht spannende Perspektiven.

Endlich da: Die Unschuld der Maschinen nun auch gedruckt

Gestern sind meine drei Belegexemplare meines Buches „Die Unschuld der Maschinen“ angekommen, d.h. nun ist auch die Druckversion käuflich zu erwerben (im Springershop schon jetzt, bei Amazon Mitte bis Ende nächster Woche; das E-Book gibt es schon seit knapp 2 Monaten).

Zur Position des Menschen im Über-Strom

Über/Strom

Es gibt zwei prinzipielle Weisen, wie wir in der „nächsten Computergesellschaft“ (die Stufe nach der von Dirk Baecker für heute beschriebener Computergesellschaft oder „nächster Gesellschaft“) oder eben: im Über-Strom leben und zu den technischen Systemen stehen können bzw. wie diese Gesellschaft gestaltet sein kann.

ENTWEDER:

Computer, KI-Systeme usw. werden weiter „zur zweiten Natur“, wie Luhmann für Technik allgemein sagte:

  • der Trend zur Geschlossenheit setzt sich fort, zur scheinbaren (vorgespielten) Einfachheit, zur Unscheinbarkeit, zur Uneinsehbarkeit der black box, zum Versteckspiel.
  • Die Nicht-Trivialität der meisten technischen Systeme wird weiterhin von „Trivialisierungsspezialisten“ (Heinz von Foerster, 1993) verschleiert. Der umgedrehte Transparenzbegriff der Informatik, nach dem oft gerade die Vorgänge als transparent bezeichnet werden, die Nutzer*innen nicht sehen, wird als Ideal angesehen und daher ins Extrem getrieben: Auch die Entwicklung, inkl. Design und Test, neuer Technik findet automatisiert und unsichtbar statt.
  • Die Folge ist ein quasi-schamanistisches Verhältnis einer neuen Stammesgesellschaft zur Technik, wie es…

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7 aus dem Strom: KW22/23

Über/Strom

Forschung und Diskussionen zu Digitalisierung, Künstlicher Intelligenz, veränderter Mediennutzung oder neuen technologischen Entwicklungen wirken wie ein endloser Strom mit vielen Abzweigungen. Regelmäßig verlinken wir sieben besonders interessante Neuigkeiten.

Dass Frauen auch zu Beginn der Informatik eine wichtige Rolle spielten, wird glücklicherweise zunehmend bekannter. Das Quanta Magazine berichtet über die Mathematikerinnen und Programmiererinnen Margaret Hamilton und Ellen Fetter, die in den 1960er Jahren für die Programmierung des LGP-30-Computers zuständig waren, mit dem Edward Lorenz die Chaostheorie einläutete. Der Meteorologe und Mathematiker Lorenz modellierte mit dem LGP-30 Wettersysteme. Bekannt ist der sogenannte Schmetterlingseffekt, bei dem eine kleine Veränderung eines Systems eine große, unvorhersehbare Wirkung zeigen kann (wie eben der Flügelschlag, der weit entfernt einen Wirbelsturm auslöst).

Margaret Hamilton, neben Ausdrucken des Quelltextes der Apollo-Software (Bildnachweis: Wikipedia/gemeinfrei)

Hamilton arbeitete später an der Software für das Apollo-Projekt und für die Raumstation Skylab. Fetter widmete sich ihren Kindern; Versuche, später wieder in…

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Sicher verstrickt

Über/Strom

Obwohl ich gewiss kein Gegner digitaler Medien bin (im Gegenteil), habe ich vor ein paar Wochen meine Accounts bei Facebook und WhatsApp gelöscht. Der Stress der Nutzung überwog irgendwann den Nutzen. Anstatt mich etwa bei einem Parkspaziergang während der Pause zu entspannen, „musste“ ich schauen, was im digitalen Umfeld so passiert ist — wer hat was gepostet, worüber wird mehr oder weniger impulsiv diskutiert, und hat irgendwer das vorhin gepostete Foto oder meinen Blogeintrag „geliked“? Was aus diesem mitunter wirren Netz aus Möglichkeiten könnte relevant für mich sein?

Bildnachweis: eskemar / photocase.de

Diese Art digitaler Stress ist mittlerweile ein bekanntes Phänomen, und es gibt Ratschläge, ihm zu entgehen, Stichwort Digital Detox. Ich entschied mich nach einigem Abwägen für den radikalen Entzug — wenn ich nicht mehr bei solchen Diensten angemeldet bin, können sie mich auch nicht mehr ablenken. Das ist jetzt etwa einen Monat her, und noch immer verspüre…

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