Schreib!

Pausen sind wichtig… können sich aber auch als der größte Fehler erweisen, den man beim Schreiben langer Texte machen kann, zumindest wenn man vor der Pause eigentlich gut vorangekommen ist.

Mit Pausen meine ich nicht kurze Kaffeepausen, oder den Toilettengang, oder den 5-Stunden-Job für’s „Grundeinkommen“ (den finde ich sogar wirklich entspannend), sondern tagelange Pausen, in denen man etwas ganz anderes macht: auf eine Tagung fahren (so wie ich letzte Woche zur HiStories IV in Rostock), oder abends weggehen (so wie letzten Mo), oder nachts um 02:00 Uhr zum gefühlt zehnten Mal die komplette „How I Met Your Mother“-Serie binge-watchen, währenddessen man versucht, weiterzuschreiben, der Laptop mit dem halbleeren Textdokument des neuen Kapitels aber eher Einsamkeit ausstrahlt als Kreativität.

Dann ist man wirklich raus. Und man starrt zwei, drei Stunden auf den Bildschirm, während fiktive Großstadtneurotiker ihren End-Zwanziger-Alltag leben, und in der Zeit kommen nur vier Zeilen Text raus, und dann geht man frustriert ins Bett.

Jetzt höre ich Goldfrapps „Everything is Never Enough“ und tippe diesen Blogeintrag, um zumindest physisch wieder in einen schnellen Schreibrhythmus zu geraten, und dann gleich vom Bloggen aufs Weiterschreiben zu kommen. Jetzt. Na los. ALT+TAB. Fensterwechsel. … . .  .    .        .

Buchtipp: „Magdeburg: Architektur und Städtebau“

mdbauStädtebaulich finde ich Magdeburg sehr spannend vom ersten Moment an, seit wir uns im März 2015 hier eine Wohnung gesucht haben. Die Stadt ist ziemlich weitläufig und überall architektonisch vielfältig. Es gibt auch in sich geschlossene Plattenbau-Gebiete aus DDR-Zeiten, aber die sind weit weniger dominant als in manchen anderen Städten Ostdeutschlands (z.B. auch im Vergleich zu Rostock, wo wir früher gelebt haben). Heute habe ich ein Buch gefunden, in dem man diese Vielfalt anschauen, darüber lesen und nachdenken kann: „Magdeburg: Architektur und Städtebau“, herausgegeben vom Stadtplanungsamt.

Nach einem Einleitungsaufsatz im ersten Kapitel, in dem natürlich auch auf die Zerstörungen der Stadt im Dreißigjährigen Krieg und im Zweiten Weltkrieg eingegangen wird, folgt ein sehr langes Kapitel, in dem Stadtteil für Stadtteil die jeweils bemerkenswerten Bauwerke mit Foto und kurzem Text vorgestellt werden. Sehr schön ist, dass dabei auch sehr neue Gebäude sowie Visualisierungen erst geplanter Bauten aufgenommen wurden, das Buch ist also wirklich aktuell. Nach dem zweiten Kapitel schließt sich noch ein kürzerer dritter Abschnitt an, der sich speziell dem „Neuen Bauen“ der 1920er Jahre widmet; davon gibt es ja einige Viertel verteilt über die ganze Stadt.

Visuell ähnelt das Buch einem Katalog, wie er zu Kunstausstellungen üblich ist, d.h. die meisten Bilder sind relativ klein. Dazwischen gibt es jedoch immer wieder größere Fotos, auch einige doppelseitige Großaufnahmen, oft als Luftbild. Einige der Großaufnahmen vermitteln ungewöhnliche Perspektiven und damit ein Bild der Stadt, mit dem man sonst eher nicht rechnet — manches Mal möchte man — kunsthistorisch ganz unbedarft — sagen: „Oh, das sieht ja schön aus“. Schwarz-weiße Stadtplan-Ausschnitte, in denen jeweils die im Buch enthaltenen Bauwerke farbig markiert wurden, sind hilfreich zur Verortung der Gebäude und lockern das Buch auf.

Ich habe mir in den letzten dreieinhalb Jahren diverse Bücher über Magdeburg gekauft, aber dieser Band sticht deutlich hervor. Er ist als Taschenbuch erschienen, aber mit Fadenheftung und dadurch recht haltbar. Die Qualität der Aufnahmen ist sowohl technisch als auch von der Motivwahl her meist sehr gut. Die typographische Gestaltung ist unaufdringlich-angemessen. Insgesamt eine absolute Kaufempfehlung, wenn man sich für Städtebau interessiert — die gerade mal 25 Euro kostet.

4 Tage, 40 Seiten

Seit letzten Donnerstag habe ich 40 Seiten Text produziert, der auch noch kohärent und halbwegs interessant ist. Das ist ziemlich krass. So viel und schnell habe ich zuletzt während des Theorie-Teils meiner Diss geschrieben. Und es geht weiter, morgens, tagsüber, abends, nachts.

Schreiben, Schreiben, Schreiben

Es ist schon wieder ewig her, seit ich in diesem Blog das letzte Mal was geschrieben habe. Das liegt daran, dass ich anderweitig mit Schreiben beschäftigt bin, und alles muss eigentlich längst fertig sein:

  • Hauptprojekt zurzeit ist, wie schon mal erwähnt, mein Buch „Technik Vertrauen“, das bei Springer erscheint. Anfang September muss ich dem Verlag einen Zwischenstand schicken, damit sie überlegen können, wie sie es ankündigen. Also habe ich eigentlich überhaupt keine Zeit, diesen Blogeintrag hier zu schreiben.
  • Außerdem wichtig: Ich muss das Handbuch für vFlyteAirs C42-Simulation für X-Plane 11 fertigstellen. Das Modell soll noch im August erscheinen, das Handbuch wird es diesmal sowohl auf Englisch als auch auf Deutsch geben (weil die C42 im deutschsprachigen Raum ein ziemlich verbreitetes Flugzeug ist). Wer meine Handbücher für vFlyteAir kennt, weiß, dass die relativ umfangreich sind, also auch hier viel zu tun und keine Zeit.
  • Und dann ist da noch die HiStories-Tagung in Rostock nächste Woche, wofür ich noch meinen Vortrag zum Thema „Erzählung als Interaktionsform in Virtual Reality-Umgebungen“ ausarbeiten muss.

Immerhin, ich habe zwischenzeitlich auch die beiden letzten Teile meiner „Head Canon“-Essay-Reihe bei Telepolis abgegeben — Teil V schon im Mai, Teil VI nun Ende Juli. Sie werden dann auch bald erscheinen, sobald die Redaktion dazu kommt. Teil VI ist der letzte Teil der Reihe und dient sozusagen als Reflexion, Zusammenfassung und Ausblick des Ganzen. Das war ein spannendes Projekt, durch die langen Zeiträume dazwischen ziemlich anstrengend, aber am Ende doch mit einem runden Abschluss.

Und ein anderer Artikel für das Flieger Magazin soll nun im Oktober-Heft erscheinen; darin geht es um die Möglichkeiten, die Flugsimulation am heimischen Computer für die Ausbildung von Ultraleicht-Piloten bietet, und wo die Grenzen liegen.