Schreibwerkzeuge

Ich schreibe ja „ab und zu“ Texte, wobei das wohl eher ein „zu“ als ein „ab“ ist, so wie in „mehr oder weniger“ und „früher oder später“. Diesen Text hier schreibe ich, damit ich was schreibe. Wenn ich jedenfalls was schreibe, benutze ich dafür verschiedene Werkzeuge, und ich finde ganz interessant, welche Mischung sich da im Laufe der Jahre so entwickelt hat.

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Gerade tippe ich auf einem alten Laptop von Fujitsu-Siemens, einem „Lifebook“ E8020, das 2009 rauskam. Von Größe und Gewicht her würde ich das Ding eher nicht als „book“ bezeichnen; Foliant trifft es eher. Dieser unverwüstlich wirkende Computer (sogar noch mit PS/2-, IEEE 1284- und RJ-11-Schnittstellen, sowie physischem Schalter zum Ausschalten des 802.11b/g-WLAN) ist ein ausrangiertes Gerät einer nicht mehr existenten Forschungsgruppe meiner früheren Uni, in der ich mehrere Jahre und bis zur Auflösung von Gruppe und Büros sehr gerne gearbeitet habe. Vermutlich spielt also auch etwas Nostalgie eine Rolle, wenn ich es benutze. Allerdings ist es zum Schreiben ideal. Die Tastatur kommt nicht ganz an die frühen ThinkPads heran, gefällt mir aber besser als heute übliche Notebook-Tastaturen. Der Bildschirm bietet mit seinen 1400×1050 Pixeln genug Platz gerade auch in der Vertikalen, was einige Vorteile gegenüber Widescreen-Monitoren hat. Als Betriebssystem habe ich ein halbwegs performantes Linux installiert (Lubuntu 17.04 mit Xfce 4.12), zum Schreiben nutze ich FocusWriter und LibreOffice. Als ich neulich auf dem DeLFI-VR/AR-Workshop in Chemnitz war (Vortrag zu Flugsimulation und Virtual Reality), und direkt danach beim FS MAGAZIN im Schwarzwald, hatte ich diesen Laptop dabei. Sein Gewicht fühlte sich nicht ganz zeitgemäß an, aber meiner Produktivität kam er sehr zugute.

20171014_101330Wenn es etwas leichter sein soll, benutze ich ein Samsung GalaxyTab A 8.0 (2017) in goldfarbener (*hüstel*) Schutzhülle, auf dem die mobilen Android-Versionen von Word und OneDrive laufen, ergänzt durch iA Writer. Weil auf dem Tablet leider auch Netflix, diverse Spiele (aktuell PlaneScape Torment und Elder Scrolls Legends) sowie Apps zum Musikmachen (v.a. G-Stomper Studio, was ein katastrophales User Interface, aber einen großen Funktionsumfang hat) installiert sind, hat sich das Gerät trotz (farblich überhaupt nicht passender) Bluetooth-Tastatur (ja, böses Bluetooth) leider als nicht sehr effektiv zur Steigerung meines Textoutputs erwiesen — außer bei Zugfahrten oder beim Rumhängen im „Square“ (sehr angenehmer Coffeeshop, der 2017 am Hasselbachplatz eröffnet wurde).

20171014_101149Tja, und dann sind da diverse echte Notizbücher aus Papier. Notizbücher und Taschenkalender fand ich schon als Kind toll. Meine derzeitigen haben alle unterschiedliche Funktionen und werden mit unterschiedlichen Stiften verwendet. Schnelle Notizen zwischendurch landen seit einer Weile in einem Notizbuch, das in Design und Papierart der Suhrkamp-Wissenschaftsreihe entspricht. Ehrlich gesagt war es mir schon wenige Minuten, nachdem ich es damals gekauft hatte, etwas peinlich, das Ding zu benutzen, weil es so plakativ ist. „Da, schaut alle her, meine Notizen sind so schlau, die könnten auch bei Suhrkamp erscheinen! … *kurzes Schweigen* … Und deswegen bin ich auch gerne Werbeträger für den Verlag, indem ich dieses Buch benutze!“ Das gewollt-intellektuelle Zitat des Notizbuch-Junkies Walter Benjamin auf der Rückseite („Laß dir keinen Gedanken inkognito passieren und führe dein Notizheft so streng wie die Behörde das Fremdenregister“) passt irgendwie gar nicht zu einigen der Inhalte („Toilettenpapier!!“). Das kann man eigentlich nur mit Ironie ertragen, aber seit Donald Trump ist Ironie auch nicht mehr cool.

20171014_101130Wesentlich neutraler ist das schwarze Buch von brepols mit den abgeschrägten Ecken (die mich an Battlestar Galacticas Papierformat erinnern). Das habe ich diesen Sommer in Amsterdam gekauft, nebst passendem Stift. Es dient mir zum Erstellen von Listen (Artikel und Bücher, die ich mal lesen will; Ideen für Texte, usw.), Zeichnen von Mind Maps zum Sortieren von Ideen, sowie zum Schreiben kurzer Entwürfe für Einleitungen, Abstracts, oder andere kurze zusammenhängende Gedanken, aus denen mal was werden könnte. Aber … so nützlich das ist, ich glaube, die wesentliche Funktion dieses Buches ist es, mich an den Urlaub zu erinnern, in dem ich es gekauft habe.

20171014_101450So, und zum Schluss gibt es noch ein Clipbook von Filofax. Das hat mir vor ein paar Jahren mein Schätzelein geschenkt und ist (zusammen mit dem kupferfarbenen Kugelschreiber „Horizon“ von OHTO) zum Exzerpieren gedacht, auch wenn ich da zwischenzeitlich noch lauter anderes Zeug reingeschrieben hatte (das war, bevor Suhrkamps „Notizen“ in mein Leben traten). Zurzeit tummeln sich darin Exzerpte zu Jan Assmann, Jean Baudrillard, Walter Benjamin, Siegfried Kracauer, Lambert Wiesing und Bernhard Waldenfels, insbesondere letzterer wird dank zweier kürzlich neu erworbener Bücher (neulich, als das Schätzelein und ich in Berlin festsaßen, wegen des Sturms) sicher noch ein paar mehr Seiten bekommen.

Zwei Computer — drei Notizbücher: Das sind die Werkzeuge, mit denen ich Ideen, Gedanken und Textfragmente durcheinanderwürfle und hoffe, dass am Ende was Interessantes bei rumkommt. Letztes Jahr war das mein Essay zur „Form des Virtuellen„; dieses Jahr erscheint mein „Head Canon„-Essay (in mehreren Teilen, ab Oktober bei Telepolis), und im November präsentiere ich einen Beitrag auf dem Symposium „Perspektiven der Fotografie“ in Würzburg. Und dann? Schau’n mer mal. Es stecken ja genug Schreib-Aufforderungen in den Notizen, und durch das Schreiben dieses Blogeintrags hat sich auch tatsächlich sowas wie ein Schreib-Flow entwickelt — Ziel erreicht.

3 Gedanken zu „Schreibwerkzeuge

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