eitelkeit

Vor ca. zwei Jahren habe ich mal scherzhaft gesagt, dass ich nichts mehr im Leben erreichen muss, wenn erstmal ein von mir geschriebenes Buch in Berlin im „Dussmann“ in der Sachbuch-Ecke steht. Nun. Ziel erreicht. Klein und unscheinbar zwar (siehe eingezeichnete Pfeile), und das Regal „Naturwissenschaft“ passt nicht wirklich (besser hätte die eigene Ecke für Digitalthemen gepasst), aber Ziel erreicht. Jedenfalls hatte ich große Mühe, mir das Grinsen zu verkneifen. (Übrigens sorry für die schlechte Bildqualität. Aber ich habe ja kein Smartphone mit ordentlicher Kamera mehr.)

Die Orthaftigkeit medialer Räume, Beispiel New York

Über/Strom

Viele geographische und soziale Räume kennen wir nur aus den Medien. Trotzdem fühlen sie sich an, als würde man sie kennen. Man verbindet etwas mit ihnen. Vielleicht hat man sogar das Gefühl, nach Hause zu kommen, wenn man sich ihnen medial aussetzt. Sie werden zum Medien-Ort. Besonders prägnant in dieser Hinsicht ist die US-amerikanische Großstadt New York.

Vorhin habe ich mir das Angebot einer Pizza-Lieferkette durchgelesen. Kurz hängen blieb ich bei einem Pastagericht, das den schönen Namen „Central Park“ trägt. Neben Nudeln besteht das Gericht aus Pesto-Sauce, Pilzen und Bacon-Chips. Ich habe keine Ahnung, was das mit New Yorks bekanntem Park zu tun hat, aber der Klang des Namens mit all seinen Assoziationen wirkt trotzdem. Er macht mehr aus dem Convenience-Essen als dahinter steckt. Der Central Park — den kennen wir doch alle, selbst wenn wir noch niemals dort waren, und wenn es aus Zitaten berühmter Personen ist.

Öfter sind…

Ursprünglichen Post anzeigen 1.289 weitere Wörter

Donald, der Auserwählte

Über/Strom

Ich bin eigentlich ziemlich zurückhaltend. Aber manchmal möchte ich mich doch mal in eine Wüste stellen und laut und anhaltend schreien. Oder auf einen Trump-Tower. Denn Donald Trump hat sich unlängst als Auserwählten bezeichnet: „I’m the chosen one.“

Bericht und Video bei CNN

Donald, komm doch mal her. Fein. So, hier hast du einen Lutscher, damit du mal kurz still bist. Also. Donald, auch wenn es in deinem Statement nur um deinen Handelskrieg mit China geht: Nein, nein, nein, Donald, du bist nicht der Auserwählte. Sowas sagt man heute nicht mehr.

(Wenn, dann war das Neo, aber das ist auch schon zwanzig Jahre her. Wobei … moment mal…)

Donald, ich weiß nicht, was du bist, denn ich kenne dich nicht, aber ich hoffe, du wirst bald nur noch ein alter Mann sein, der seine Tage auf dem Golfplatz verbringt, ohne die Welt jeden Tag schlimmer zu machen. Für…

Ursprünglichen Post anzeigen 75 weitere Wörter

Unsere Bücher

Über/Strom

Ab 2020 erscheinen die ersten Bände unserer Buchreihe „Über/Strom“. Bis es soweit ist, finden Sie hier unsere anderen Bücher und längeren Arbeiten mit thematischem Bezug, in alphabetischer Reihenfolge der Titel und mit dem jeweiligen Klappentext.

Das Problem der Simulation am Beispiel der Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull und der Tagebücher Thomas Manns

Uta Buttkewitz, 2005, Dissertation, kostenloser PDF-Download bei thomasmann.de

Die Arbeit untersucht das Wechselspiel von Geheimhaltung und Offenbarung in den „Bekenntnissen des Hochstaplers Felix Krull“ und in den „Tagebüchern“.

Thomas Manns Unterschrift (Bild: Wikipedia)

Der Verfasser der diaristischen Schriften bewegt sich ähnlich wie Felix Krull durch Täuschung als Souverän auf der Bühne des Tagebuchs – das ist die Hauptthese des Textes. Die Schreibweise im Stil eines Logbuchs schafft eine eigene literarische Physiognomie, die den Autor in den Hintergrund treten lässt.

Uta Buttkewitz ergründet die Frage, welche verschiedenen Simulationsstrategien sowohl im fiktionalen als auch im scheinbar autobiographischen Text die Verwirrung…

Ursprünglichen Post anzeigen 789 weitere Wörter

stundenlange zugfahrt = endlich weiterarbeiten am nächsten buch

Eigentlich wollte ich schon letzte Woche und am Wochenende weitermachen, aber ich war erkältet (bzw. bin es noch, aber langsam geht’s wieder). In dem neuen Buch geht es um menschliche Kommunikation und Software-Programmierung (bzw. z.T. -Entwicklung). In einem Monat muss ich das Manuskript abgeben…

„Wie lange würden Sie widerstehen können?“ Interview mit Theresa Hannig

Ein Interview mit der Autorin von „Die Optimierer“ und „Die Unvollkommenen“

Über/Strom

Über die Autorin Theresa Hannig haben wir bereits öfter geschrieben. Im Jahr 2017 veröffentlichte sie ihren Debütroman „Die Optimierer“ (Rezension), im Juni 2019 die Fortsetzung „Die Unvollkommenen“ (Rezension). Beide Romane verhandeln eine Frage: Wie können Menschen ihre Individualität bewahren, wenn sie erst durch massives Social Scoring eingestuft, im Sinne einer „Optimalwohlökonomie“ fremdbestimmt und schließlich mit Gehirnchips digital „integriert“ werden? Die Antwort: Es ist bestenfalls kompliziert, und schlimmstenfalls landet man in idyllisch am Ostseestrand gelegenen und mit jedem materiellen Luxus ausgestatteten „Internaten“ — ein goldenes Dystopia.

Therea Hannig (Bildnachweis: privat)

Erstmal eine eher persönliche Frage, da ich Kühlungsborn, die Villa Baltic, den Nienhäger Gespensterwald usw. recht gut kenne: Wieso diese Umgebung für das „Internat“? Haben Sie dazu einen konkreten Bezug?

Ich habe vor einigen Jahren eine Wohnmobiltour durch Ostdeutschland gemacht und zu dieser Gelegenheit auch Kühlungsborn besucht. Es kam mir damals wie eine sehr saubere, sehr…

Ursprünglichen Post anzeigen 3.678 weitere Wörter

Flugangst — Flugspaß — Flugscham

Das folgende hätte ich eigtl. auch im persönlichen Blog posten können, aber bei Über/Strom passt es auch:

Über/Strom

Spätestens seit den Fridays For Future-Protesten widmen sich wieder viele Medien dem negativen Einfluss, den das Fliegen auf das Klima ausübt. In manchen Artikeln geht es um Alternativen für den nächsten Urlaub, in anderen betonen die Autor*innen, weiter fliegen zu wollen. Manchmal wird der Ruf nach nicht-fliegender Vorbildwirkung laut, manchmal auch nach Verboten. Es wird über alternative Antriebe spekuliert, und es wird berichtet, dass Fluggesellschaften trotz allem keinen Rückgang bei den Passagierzahlen verzeichnen. Ich könnte diesen Diskurs mit Interesse zur Kenntnis nehmen und seine persönlichen Folgen für mich auf die Urlaubsfrage reduzieren. Allerdings ist es nicht ganz so einfach.

Eine ganze Weile hatte ich Flugangst.

Diese Angst hatte sich nach ersten beiden Flügen entwickelt. Während die noch so neu und aufregend waren, dass an Angst nicht zu denken war, kamen bei den weiteren Flügen lauter Fragen auf. Ganz viele Unklarheiten, auf die ich keine…

Ursprünglichen Post anzeigen 767 weitere Wörter