Twine, texture, …?

Ich habe mich jetzt noch etwas intensiver mit Twine und texture auseinandergesetzt. Ich hatte irgendwie die Annahme, dass man mit Twine kaum was machen kann (was daran liegt, dass die meisten im Internet veröffentlichten Twine-Geschichten wirklich nur technisch- simple Hypertexte sind (was nichts über ihre mögliche Qualität als Geschichte aussagt, von Literarizität mal gar nicht zu reden)) — aber eigentlich kann man mit Twine viel mehr machen als mit texture. Das habe ich gemerkt, als ich Melissa Fords Buch „Writing Interactive Fiction with Twine“ durchgeblättert habe.

Also habe ich mir gestern Nachmittag in relativ kurzer Zeit ein Grundgerüst für ein typisches Textadventure gebastelt, inkl. Punktezähler und Inventar, auf das man immer zugreifen kann. Jetzt könnte ich loslegen und die Welt beschreiben, Gegenstände verteilen und Rätsel ausdenken. Mit texture wäre so etwas gar nicht möglich, weil man dort zwar flags setzen und prüfen, aber keine komplexeren wenn-dann-Abfragen oder Berechnungen durchführen kann. Ich denke also, ich werde für meine derzeitigen diffusen Story-Ideen nun doch mit Twine weitermachen (was nicht ausschließt, dass ich texture irgendwann mal für was anderes verwende).

Dirk Baecker: Polyphonie im Medium der Sprache

Ausgehend vom Phänomen der Polyphonie hat Dirk Baecker in kompakter, aber vielleicht gerade deshalb gut lesbarer Form einige Grundfragen menschlicher bzw. sprachlicher Kommunikation auf den Punkt gebracht. Die PDF seines Vortrags kann man in seinem Blog runterladen:

The Catjects Project

Eine erste Einheit der Differenz von fest und flüssig, von langage und langue, von Sprechen und Sprache ist die Kommunikation, in der Sprache und Sprechen grundsätzlich polyphon auftreten, indem jede aktuelle Aussage eine potentielle mitführt, von der sie sich gestützt weiß, die sie angreift oder zu der sie im nächsten Moment wechselt. In der individuellen Aussage sprechen nicht nur andere individuelle Aussagen, sondern auch ein Allgemeines, die Möglichkeit des Wechsels, von der und in der jede individuelle Aussage sich abgrenzt.

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estimated time of departure?

Mittlerweile bereue ich es wirklich, dass ich neulich nicht doch noch länger geflogen bin. Denn die darauf folgenden Flugstunden, inkl. heute, sind alle wegen zu schlechter Sicht ausgefallen. Herbst halt. Das heißt zwar, dass ich jetzt bis 16 Uhr „frei“ habe (und da werde ich ein bisschen mit texture rumspielen), aber es stellt sich halt doch dieser interessante „Entzug“ ein: Wenn man unten ist, will man doch eigentlich bald wieder rauf. Gut, mal schauen, wie es nächsten Montag und Mittwoch wird.

Was simuliertes Fliegen angeht, da haben wir bei vFlyteAir eines unserer früheren Payware-Flugzeuge jetzt komplett überarbeitet und als kostenlose Freeware verfügbar gemacht, die Ryan Navion. Was heißt „wir“… eigentlich hat unser Chef (oder president, denn es ist ja eine amerikanische Firma 😉 ) alles allein gemacht, denn die Navion ist eines seiner Lieblingsflugzeuge.

Navion205_1.png

Die Navion ist wirklich sehr retro (das echte Flugzeug stammt aus den 1940 bis 50ern) und Walker hat für die neue Version ein ziemlich atmosphärisches Cockpit gestaltet. Insbesondere hat er die schon immer etwas unpassende, moderne Garmin G500-Avionik aus dem Panel geworfen (die entsprach sowieso nicht mehr dem Niveau, das wir in unseren Cherokee-, Arrow- und Cirrus-Modellen erreicht hatten) und ein schönes „Vintage“-Panel erstellt. Der Radio Stack ist auch relativ altmodisch. Nur ein Tablet als Zugeständnis an die vielen AviTab-Nutzer ist enthalten. Ein paar Bugs gibt es leider noch (die Animationen der Ruder sind verkehrt herum … habe ich beim Testflug gestern leider auch nicht gesehen), aber die wird Walker bald beheben. Und dann geht es weiter mit Updates für unsere anderen Modelle …

texture

texture ist ein webbasiertes Werkzeug, mit dem man Interactive Fiction schreiben kann. Interactive Fiction (IF) ähnelt den Textadventures aus der Frühzeit der Computerspiele, aber wird heute meist eher mit literarischem Anspruch verfasst und ist weniger als bloßes Spiel gemeint. Man bekommt in relativ kurzen Absätzen eine Beschreibung von Ort und Situation zu lesen und kann dann entscheiden, was man als nächstes tut.

Ganz klassisch würde das durch die Eingabe von Text-Kommandos gehen, z.B. „nimm den Apfel“ oder „geh nach Norden“; der sogenannte Parser interpretiert diese Befehle dann mehr oder weniger sinnvoll. Das verbreiteste Tool für parserbasierte IF ist wohl Inform (was seit Version 7 den zusätzlichen Reiz hat, fast in natürlichsprachlichem Englisch (und Deutsch) programmieren zu können). Eine andere weit verbreitete Form sind simple Hyperlinks, bei denen man die Geschichte durch das Anklicken markierter Wörter im Text vorantreibt; sowas kann man z.B. gut mit Twine schreiben.

texture steht irgendwo dazwischen. Statt unterstrichener Links im Text oder einer Kommandozeile für das Eintippen von Befehlen werden unter dem Text ein oder mehrere Wörter angezeigt, die man mit Maus oder Finger (Touchscreen) auf den Text schieben kann. Wörter des Textes, die von Autorin oder Autor entsprechend vorbereitet wurden, reagieren dann auf das jeweilige Wort und wenn man dann loslässt, wird die jeweilige Aktion ausgelöst, z.B. das aktivierte Wort durch etwas anderes ersetzt, ein vorher nicht sichtbarer Absatz eingefügt, ein weiterer Absatz ans Ende gehängt oder zur nächsten Seite „geblättert“.

Hier ein Beispiel:

Auf dem 1. Screenshot steht oben der Ausgangstext, unten ein Wortschnipsel, den man mit der Maus oder per Finger bewegen kann.

Bildschirmfoto vom 2018-11-08 23-26-41

Auf dem 2. Screenshot habe ich den Wortschnipsel „Staubwolken“ auf das Wort „Wind“ bewegt. Es wäre auch möglich, ihn stattdessen auf das Wort „verblasst“ zu bewegen.

Bildschirmfoto vom 2018-11-08 23-27-07

Auf dem 3. Screenshot ist das Ergebnis des Bewegens des Wortschnipsels „Staubwolken“ auf das Wort „Wind“ zu sehen. Zwischen die beiden ursprünglichen Zeilen wurde eine weitere Zeile eingefügt.

Bildschirmfoto vom 2018-11-08 23-27-29

texture gibt es schon seit 2014, aber ich habe es erst gestern entdeckt, als ich endlich mal wieder Zeit hatte, mich mit Interactive Fiction zu beschäftigen. Ich finde den gemischten Ansatz ziemlich gut. Da im Text mehrere Wörter auf die unten liegenden Wortschnipsel reagieren können, ist mehr Variation möglich als in einem bloßen Hypertext, aber der Aufwand ist wesentlich geringer als in einem parserbasierten Spiel. Es ist auch möglich, einfache Variablen zu setzen und zu lesen, um davon abhängig den Fortgang des Textes zu beeinflussen.

Ich werde mal versuchen, damit einen kleineren IF-Text zu verfassen.

Fliegen

Heute war ich nach drei Monaten endlich wieder C42 fliegen. Ingesamt habe ich jetzt ca. 22-23 Stunden (30 sind Minimum). Der letzte Flug war Anfang August von Magdeburg nach Rostock, und das bisherige Highlight: 2×200 km an einem Tag. Danach hatte ich keine Zeit — der „Head Canon“-Essay bei Telepolis musste fertig werden, dann die simulierte C42 von vFlyteAir bzw. meine Handbücher dafür, und dann das Manuskript für mein „Technik vertrauen“-Buch bei Springer. Das waren alles ziemliche Großprojekte neben der normalen Arbeit. Zwischendurch waren wir noch in Norwegen und sind teils bei Windstärke 9 mit dem Postschiff die Hurtigrute entlanggefahren.

Das ist nun alles erledigt und ich habe tatsächlich die seit Mitte 2017 ungewohnte Situation, mal Zeit zu haben. Ich habe zwar schon wieder mindestens drei weitere Ideen, aber ich habe mir vorgenommen, nichts davon anzugehen, bis das Buch im Laden steht. Stattdessen möchte ich die freigewordenen „Ressourcen“ nutzen, meine Flugausbildung voranzubringen. Und wie gesagt, heute war es dann soweit.

Im Buch geht es ja darum, wie wir Technik vertrauen, die wir eigentlich nicht im Detail verstehen oder deren innere Zustände wir nicht einsehen können. Dem Flugzeug als Sachtechnik zu vertrauen, war für mich auch lange eine Herausforderung (insofern ich 2009 eigentlich eine lästige Flugangst entwickelt habe). Wie ich auch in meinem Artikel im aktuellen Fliegermagazin schreibe, hat mir erst Flugsimulation am PC und seit 2017 das echte Fliegen geholfen, damit klarzukommen. Dass ich nach drei Monaten Pause fast selbstverständlich die Vorflugkontrolle mache oder in der Regel 😉 weiß, was ich tue und was das Flugzeug tut, war zu Beginn der Ausbildung fast undenkbar.

Trotzdem gibt es bisher in jedem Flug etwas Neues, was mich dann (je nachdem, was es war) positiv überrascht oder doch noch mal beunruhigt.

Heute war es ziemlich windig aus Süd bis Südwest, sodass wir bei Start und Landung auf der 27 in EDBM recht viel Seitenwind von links hatten. Das ist etwas tricky, weil man ja die Richtung halten muss und nicht will, dass sich eine Tragfläche zu ungünstiger Zeit anhebt. Darum hält man das windzugewandte Querruder ein bisschen in den Wind. Mein Fluglehrer hat mir aber einen weiteren „Trick“ gezeigt, wie man die Wirkung des Seitenwindes beim Start etwas abschwächen kann: man stellt sich an den Rand der Bahn (windabgewandte Seite, also rechter Rand) und zielt beim Starten nicht aufs Bahnende sondern auf eine etwas weiter entfernte Lampe (die zur Runwaybefeuerung gehört) auf der anderen (linken) Seite. Dadurch kommt der Wind dann nicht mehr so sehr von der Seite, sondern in Relation zu uns fast von vorne. Da die Bahn in Magdeburg ziemlich breit ist (jedenfalls was Ultraleichtfliegen angeht) und die C42 nach sehr kurzer Strecke abhebt, kann man das gut machen.

So, das ist im Nachhinein jetzt auch komplett logisch für mich, aber in dem Moment habe ich nicht verstanden, was er meint. Wie, auf die Lampen zielen? Dann fahr ich doch dagegen. (Ich dachte auch, er meint die Lampen auf der rechten Seite…) Er musste es dann vormachen, dann hab ich es kapiert. Der Grund für mein Unverständnis war in dem Moment, dass ich mich (schon gestern beim Üben am PC) so auf das „Mitte der Bahn, Querruder in den Wind“-Schema fixiert hatte, dass ich für alternative Wege der Problemlösung in dem Moment keinen Kopf hatte. Dabei machte der „Trick“ alles viel einfacher.

In der Luft war ich dann positiv überrascht, dass es viel viel ruhiger war als mich der Simulator (X-Plane) mit identischen Wettereinstellungen glauben machen wollte. 17 Knoten Windböen im X-Plane sind sehr wackelig (denn die Böen kommen da scheinbar permanent und stoßweise); beim echten Flug heute war es eigentlich ganz ruhig.

Also ein schöner Flug. Und dann ging auf einmal ein kurzer Ruck mit einem leisen Knall durchs Flugzeug. Keine Turbulenz, sondern was anderes. Fühlte sich an, als hätte uns was von unten getroffen. Früher hätte ich gekreischt: „oh Gott, was war das, was war das????“ aber heute sagte ich (immerhin) nur irritiert: „hä? Was war das denn?“ (Das ist ja schon mal ein Fortschritt 😛 ) Mein Fluglehrer meinte, es war wohl eine Fehlzündung des Motors, die käme schon mal vor. Er machte dann die Vergaservorerwärmung an und damit war das Thema für ihn erledigt. Für mich allerdings nicht, denn jetzt setzte doch der innere „werden wir jetzt alle sterben?“-Modus ein. Ich wurde nicht hektisch oder panisch, aber ich wollte dann halt doch gerne wieder zum Flughafen zurückkehren. In meinen Gedanken setzte sich nämlich das Bild des Motorausfalls fest, und in dem Fall wollte ich zwar hoch genug, aber bereits in Platznähe sein.

Nun, der Motor funktionierte weiterhin, aber meine innere Ruhe war gestört. Das Öl hatte bei der Vorflugkontrolle schon ziemlich dunkel (= alt) ausgesehen… und die Öltemperatur im Flug war laut Lehrer auch etwas niedrig… und dann die eine Fehlzündung. Das machte mir alles Sorgen, denn sowas hatte ich früher noch nie erlebt.

Kurz vor dem Einflug in die Platzrunde war ich jedenfalls viel zu hoch, sodass ich erstmal in einem Kreis Höhe abbauen müsste. Dann flogen wir in den Queranflug (= quer zu dem Bahnende, wo man landen will) und teilten uns die Landung, weil mein Lehrer mir das Landen bei Seitenwind zeigen wollte — ich sollte einfach nur mit dem Querruder die Mitte der Bahn anpeilen, er würde das Seitenruder übernehmen.

Die Landung inkl. des Abfangbogen war dann gar nicht schlecht. Wiederum positiv überraschend sagte mein Lehrer hinterher, er hätte gar nichts gemacht, nur ganz kurz vorm Aufsetzen mal etwas Seitenruder gegeben.

Er hätte jetzt gerne noch den Seitenwind für ein paar weitere Platzrunden genutzt, aber mir reichte es jetzt erstmal. Nicht wegen des Windes (woran ich am Anfang ständig dachte), sondern wegen dieser einen Fehlzündung. Also rollte ich zur Halle, wir unterhielten uns noch etwas über das Phänomen, wie im Internet viel aufgebauscht oder falsch dargestellt wird, dann parkte ich das Flugzeug.

Dass ich wegen dieser kleinen Auffälligkeit für heute aufhörte, war sicher irrational. Und mittlerweile denke ich, wir hätten doch noch weitermachen sollen, aber gut, so isses eben. Nächster Termin ist dann Montag. Jedenfalls wäre das auch ein weiteres gutes Beispiel für „Technik vertrauen“, insofern das auch Vertrauen in Menschen und deren Urteile über Technik angeht. ^^

Überarbeitet (das Buch, nicht ich)

Ich habe jetzt das komplette Manuskript des Buches zum „Technik vertrauen“ nochmal durch- und überarbeitet. Ich muss es Montag abgeben. Parallel schickt mir der Verlag Entwürfe für die Titelseite und wir überlegen, welches Bild wir auf die Titelseite machen wollen. Das finde ich sehr aufregend 😀 Jetzt gucke ich aber erstmal Fernsehen. Morgen muss ich wieder früh aufstehen und zur Arbeit.