parking

Magdeburg hat glücklicherweise viele große und in ihrer atmosphärischen Wirkung recht unterschiedliche Parks. Der u.a. in Würzburg tätige Fotograf und Dozent Marcus Kaiser hat vor längerem einen nach wie vor lesenswerten Text geschrieben, mit dem man Landschaftsgärten als virtuelle Welt verstehen kann (da ich gerade nicht im Arbeitszimmer bin, komm ich gerade nicht auf den Titel). Nicht wie ein Computerspiel oder wie in computertechnisch erzeugter Virtual Reality, aber doch ganz ähnlich.

Dass das tatsächlich so ist, stelle ich immer wieder fest. Daran, dass beim Durchschreiten (oder -fahren) unterschiedliche Vorstellungen angeregt werden, durch die Anlage des jeweiligen Parks, durch dadurch entstehende Assoziationen. Am besten kann ich mich in Eindrücken verlieren, die raumzeitlich ‚weit weg‘ erscheinen, wie uralte Reste untergegangener Welten.

Im Magdeburger Elbauenpark stehen drei halboffene Betonquader wie verloren auf einer Wiese, die von dichten Bäumen umrahmt wird. Eine rostige Metalltreppe endet am oberen Ende im Leeren, im Himmel. Ein halb zerstörter großer Schriftzug steht am Rand einer ‚wild aussehenden‘ Wiese. Enge Metallgänge durchschneiden parallele Erdwälle, auf denen Bäume wachsen. Alles wirkt wie alte menschliche Spuren in einer scheinbar wieder natürlich gewordenen Umgebung. Aber natürlich ist alles arrangiert, wie eine virtuelle Welt.

Der Park ist nicht alt (er war 1999 mal ein BuGa-Gelände), aber trotzdem fühle ich mich immer sehr zeitlos, wenn ich hier spazieren gehe. Weswegen ich das immer wieder tue. Wird nie langweilig.

Dirk Baecker: „KI im Kontext“ und „Virtuelle Intelligenz“

Dirk Baecker hat mal wieder zwei Vortrags-Manuskripte als PDF in seinem Blog verfügbar gemacht (und ich wünschte, er hätte das ein Jahr früher geschrieben…)

Das eine heißt „Künstliche Intelligenz im Kontext“ und ordnet KI-Systeme (insbesondere ’schwache KI‘, d.h. Systeme, die etwa Machine Learning nutzen, um große Datenmengen auszuwerten) vor einem systemtheoretischen Hintergrund ein.

Das andere Manuskript trägt den Titel „Virtuelle Intelligenz“ und geht über KI-Systeme hinaus. In dieser „Begriffsübung“ (seine Worte) erweitert Baecker den meist computertechnisch gedachten Begriff der „Virtualität“ (als Zugriff auf extern gespeicherte oder in Netzwerken adressierbare Inhalte) zum grundlegenden Kern von Intelligenz überhaupt.

12th floor

Ich bin gerade schon wieder in Berlin bzw. dieser räumlich begrenzten Touristenblase zwischen Alexanderplatz, Friedrichstraße, Regierungsviertel und Hauptbahnhof, die für mich seit der Kindheit synonym mit Berlin ist, was aber natürlich eine sehr eingeschränkte Perspektive ist …

Jedenfalls, wieder im selben Hotel, weil ich morgen wieder hier hin fahre — möglicherweise das letzte Mal, wie mir heute erst mal bewusst wurde.

Ich habe heute auch versucht, an dem nächsten Buch weiterzuarbeiten, aber das Wetter war zu schön und ich bin lieber spazieren gegangen und … ja, selbst ganz tourimäßig mit dem Ausflugsboot gefahren.

Eine Schreib-Nachtschicht, wie beim vorletzten Mal im Januar (in einem nur ein paar Meter entfernten anderen Hotel derselben Kette), ist trotz toller Aussicht aus dem 12. Stock heute auch nicht drin, weil ich früh raus muss und der Tag morgen sehr durchgetaktet ist.

Noch ein paar persönliche Dinge, Unterlagen, Bilder usw. aus der Wohnung holen, bevor sie dann aufgelöst wird, und den Schlüssel abgeben. Danach weiter in die andere Stadt.

Am Abend zurück nach Hause. Was nun auch schon über fünf Jahre Magdeburg ist, auch interessant.

Immerzu viel zu schreiben

Letzte Woche habe ich meine hoffentlich allerletzten Korrekturen für „Die Unschuld der Maschinen“ abgeschickt, sodass der Erscheinungstermin Mai wohl auch schaffbar sein dürfte. Ein paar Querverweise zwischen den Kapiteln waren falsch, die Abbildungen habe ich alle nochmal neu gemacht, und ein paar andere Kleinigkeiten. Ich hoffe, dass nun alles passt.

Erfreulicherweise kann ich auch 2019 wieder viele Texte schreiben, von denen zwei besonders spannend sind:

  • Vertrauen in komplexe Technik ist das Hauptthema des Sachbuches „Die Unschuld der Maschinen“ (erscheint Mai 2019 bei Springer) sowie Teil meiner 2016 in Buchform veröffentlichten Doktorarbeit „Offenbar weigert sich Facebook, mir darauf eine Antwort zu geben“. Das greife ich nun noch ein drittes Mal auf, diesmal in einem Fachbuch. Das neue Buch richtet sich insbesondere an Entwickler von Technik. Man kann darin lernen, die kommunikativen Prozesse von Entwicklungsprozessen systematisch zu reflektieren und Technik im Gebrauch kommunikationsanalytisch auszuwerten — beides natürlich mit dem Ziel der „Optimierung“ (obwohl „Optimierung von Kommunikation“ eigentlich etwas ist, das aus mancher kommunikationssoziologischen Sicht weder möglich noch erwünscht ist). Im Prinzip bereite ich für das Buch das Analyseverfahren aus meiner Doktorarbeit und das in meinem Sachbuch angedeutete Kommunikationsmodell praxisnah auf und kombiniere beides mit einigen weiteren Ergebnissen, die ich zur Evaluation von Softwarenutzung gewonnen habe. Das Manuskript muss ich Ende Juni abgeben. Damit habe ich dann sozusagen meine Triologie zur Techniknutzung erstmal abgeschlossen — Doktorarbeit, Sachbuch und Fachbuch.
  • Die französische Firma Aerobask entwickelt Addon-Flugzeuge für den X-Plane-Flugsimulator. Für Aerobask habe ich schon in der Vergangenheit oft Handbücher geschrieben, zuletzt für die neue Version der Epic E1000. Das waren aber immer so 20 bis 30 Seiten. Das neue Aerobask-Projekt sieht da ganz anders aus. Mit offizieller Unterstützung des französischen Flugzeugbauers Dassault Aviation entwickelt Aerobask eine Simulation der Falcon 8X (ein äußerst schicker Business Jet). Das Programm soll Ende 2019, Anfang 2020 herauskommen und da das Flugzeug wesentlich komplexer ist als bisherige Aerobask-Produkte, wird auch das Handbuch wesentlich detaillierter sein. Und ich darf es schreiben. 😀

Daneben gibt es viele kleinere Schreibaufgaben. Artikel für das FS MAGAZIN, kleinere Handbücher für vFlyteAir und SkunkCrafts, evtl. mal wieder ein kurzer Artikel für das Air Facts Journal …

Also viel zu tun neben der sonstigen Arbeit. 🙂

737

Das gerade viel diskutierte Problem mit der aktuellsten Version der Boeing 737 ist ein geradezu typisches Beispiel, wie Vertrauen in Technik nicht nur mit Technik selbst, sondern auch Kommunikation zu tun hat — zwischen

  • Entwicklern im weitesten Sinne (Designern, Ingenieuren, Programmierern, Handbuchautoren, usw.) und direkten Nutzern (Piloten)
  • Technik (Flugzeug und dessen Assistenzsysteme) und Nutzern
  • Betroffene gesellschaftliche Teilsysteme (u.a. Medien, Wirtschaft, Politik — siehe die Diskussionen um das Grounding).

Besonders traurig ist natürlich, dass im Fall des Versagens vor allem zahlreiche komplett machtlose Menschen betroffen sind – die Passagiere und deren Angehörige. Das ist bei Katastrophen mit so komplexen technischen Systemen immer so, aber eben immer wieder schlimm.

Hätte „bessere“ Kommunikation (transparenter, offener, ausführlicher, was auch immer) auf den Ebenen Entwicklung/Nutzung und Technik/Nutzung helfen können?

In Bezug auf das eventuell (mit-?)ursächliche MCAS-System (das das Flugzeug nach unten trimmt, wenn es anhand Sensordaten glaubt, dies wäre nötig) ist auch die Frage, welche Anschlussmöglichkeiten den Piloten in der kritischen Situation wirklich zur Verfügung stehen. In einigen Artikeln im Web wird gesagt, dass (1) das System abgeschaltet werden kann, wenn man die Landeklappen ausfährt (aber dass das während des Steigflugs wohl verhindert wird), und dass (2) Piloten bei fälschlicher automatischer Trimmung nach unten nur das tun müssten, was sie in solchen Fällen seit Jahrzehnten tun würden (so ein Kommentar im Air Facts Journal, der provokant fragt, ob denn Boeing den Piloten trauen könne). Aber ist das so?

Es gibt derzeit nur Vermutungen.

Und eine wachsende Vertrauenskrise.

Zumindest die könnte durch mehr Transparenz eingedämmt werden.

wie eine schlechte Metapher

Die letzten Tage waren emotional sehr anstrengend. Wie das wohl so ist, wenn altersbedingte Probleme des Menschseins unvermeidbar werden. Und das (in unterschiedlicher Weise) gleich zweifach innerhalb weniger Tage. Jedenfalls wirkte der Weg vom Kleinstadtbahnhof zum Haus wie eine wirklich schlechte Metapher: Wolkenverhangener Himmel, Wind, so viel Müll (teils noch von Silvester) auf der Straße, die sich quer durch zwei seit Jahrzehnten brachliegende, ziemlich wilde Wiesen zieht (hat man da mittlerweile die Straßenreinigung abgeschafft?)

Zwischen den alten Getränkedosen, Plastiktüten, Flaschen und Resten von Feuerwerkskörpern immer wieder herausgerissene Seiten eines Buches, durcheinandergewirbelt, über hundert Meter hinweg, und mit jedem Schritt durch diese beklemmende Szenerie wuchs das beunruhigte Gefühl immer weiter. Als würden die zerstreuten Buchseiten etwas ankündigen. Natürlich gibt es keinen echten Zusammenhang, aber atmosphärisch und emotional wirkt es immer noch nach. Wie eine abgedroschene Metapher in einem Film oder Computerspiel, nur dass es eben kein Film oder Spiel war.

Hotelfrühstück

Normalerweise frühstücke ich nicht im Hotel, wenn ich allein unterwegs bin, sondern hole mir bei irgendeinem Bäcker einen Kaffee zum Mitnehmen. Grade sitze ich aber doch in einem Hotel in Berlin (wo ich seit gestern etwas unfreiwillig bin) und habe zwei Kaffee getrunken und ein Ei, ein Brötchen mit Käse und Erdbeermarmelade, sowie Müsli mit Obst gegessen. (So ein richtiger Tagebucheintrag muss natürlich das Essen auflisten.)

Die 11,50 EUR habe ich also erst heute früh bezahlt, und es fühlt sich mehr wie der Eintrittspreis in eine gewisse „Atmosphäre“ an denn als angemessener Preis für die (nun nicht gerade extravagante) Essensauswahl.

Die Atmosphäre entsteht aus dem Zusammenspiel der Einzelteile: Trotz Sonntag wichtig bis beschäftigt wirkende Menschen zwischen dreißig und fünfundvierzig, viele Sprachen sprechend, zwischen Laptop, Tablet, Handy und Kaffee. Gedimmtes warmes Licht, entspannende Musik aus den 50er bis 60er Jahren. Rechts neben mir eine Glaswand mit Tür zu einem weiten Innenhof, über den die dunkelgrauen Wände des Hotels aufragen. Darin ziehen schmale Fenster den Blick nach oben, das riesige Kunstwerk an der einen fensterlosen Wand mitnehmend.

Jetzt kommen die Touristen.